Aderlass bei Lidl Schweiz

Lidl setzt in der Schweiz auf schnelles Wachstum. Doch das bekommt dem Unternehmen nicht in jeder Hinsicht: Gleich mehrere Kader haben das Unternehmen verlassen – und weitere stehen vor dem Abgang.

VonBenita Vogel
28.04.2011

Der deutsche Discounter setzt in der Schweiz auf rasantes Wachstum. Im Mai stösst er ins Tessin vor und eröffnet vier Filialen auf einen Schlag. Doch Grund zum Feiern gibt es in der Lidl-Zentrale in Weinfelden derzeit wenig. Hinter den Kulissen rumort es gewaltig. Chef Andreas Pohl hat gleich mehrere Kaderstellen neu zu besetzen.

Besonders schmerzhaft betroffen ist der Bereich Logistik. Der Verantwortliche für das Verteilzentrum Weinfelden, der auch Chef aller 65 Lidl-Filialen war, wurde entlassen. Dies, nachdem zuvor diverse Kadermitarbeiter unter seiner Führung das Unternehmen enttäuscht verlassen hatten.

In den letzten Monaten ist eine weitere Führungskraft gegangen. Neue Abgänge in Weinfelden stehen bevor, wie gut informierte Quellen der «Handelszeitung» bestätigen. Der Aderlass im Vertrieb und im Logistikbereich schmerzt, weil gerade diese Abteilung besonders gefordert ist, wo doch Lidl ein forsches Expansionstempo anschlägt. Der Discounter hat die Anzahl ­Filialen innerhalb eines Jahres verdop­pelt. Zu den heute 65 Verkaufsstellen sollen bis Ende Jahr 25 weitere dazu­kommen. ­

Auch im bisherigen Vorzeigebereich, in der Expansions-Abteilung, verliert Lidl Personal. In Weinfelden und Bern wechseln Expansions-Leute zur Konkurrenz, unter anderem zur Migros. Schon zuvor hatten einige wichtige Mitarbeiter den Discounter verlassen.

Bei Lidl macht man intern mitunter das schnelle Wachstum für den geballten Abfluss von Know-how verantwortlich. Der Druck werde von oben ungefiltert nach unten weitergegeben. Die Organisation vermöge mit dem schnellen Wachstum nicht mehr mitzuhalten, heisst es. Die Lidl-Führung will sich dazu nicht äussern. Auch die «personellen Veränderungen» will der Discounter nicht kommentieren. Lidl beschäftigt in der Schweiz  rund 1500 Mitarbeitende.

(cms)

 

 

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema
Stichworte:
Detailhandel Lidl

Der deutsche Discounter setzt in der Schweiz auf rasantes Wachstum. Im Mai stösst er ins Tessin vor und eröffnet vier Filialen auf einen Schlag. Doch Grund zum Feiern gibt es in der Lidl-Zentrale in Weinfelden derzeit wenig. Hinter den Kulissen rumort es gewaltig. Chef Andreas Pohl hat gleich mehrere Kaderstellen neu zu besetzen.

Besonders schmerzhaft betroffen ist der Bereich Logistik. Der Verantwortliche für das Verteilzentrum Weinfelden, der auch Chef aller 65 Lidl-Filialen war, wurde entlassen. Dies, nachdem zuvor diverse Kadermitarbeiter unter seiner Führung das Unternehmen enttäuscht verlassen hatten.

In den letzten Monaten ist eine weitere Führungskraft gegangen. Neue Abgänge in Weinfelden stehen bevor, wie gut informierte Quellen der «Handelszeitung» bestätigen. Der Aderlass im Vertrieb und im Logistikbereich schmerzt, weil gerade diese Abteilung besonders gefordert ist, wo doch Lidl ein forsches Expansionstempo anschlägt. Der Discounter hat die Anzahl ­Filialen innerhalb eines Jahres verdop­pelt. Zu den heute 65 Verkaufsstellen sollen bis Ende Jahr 25 weitere dazu­kommen. ­

Auch im bisherigen Vorzeigebereich, in der Expansions-Abteilung, verliert Lidl Personal. In Weinfelden und Bern wechseln Expansions-Leute zur Konkurrenz, unter anderem zur Migros. Schon zuvor hatten einige wichtige Mitarbeiter den Discounter verlassen.

Bei Lidl macht man intern mitunter das schnelle Wachstum für den geballten Abfluss von Know-how verantwortlich. Der Druck werde von oben ungefiltert nach unten weitergegeben. Die Organisation vermöge mit dem schnellen Wachstum nicht mehr mitzuhalten, heisst es. Die Lidl-Führung will sich dazu nicht äussern. Auch die «personellen Veränderungen» will der Discounter nicht kommentieren. Lidl beschäftigt in der Schweiz  rund 1500 Mitarbeitende.

(cms)

 

 

Meistgelesen

China will das Geschäft mit dem Gold an sich reissen
Börse

Trotz sinkender Nachfrage im Westen wird der Goldpreis weiterhin in London und New York bestimmt. Dies will China nun ändern. Aber die Chancen stehen nicht besonders gut. Mehr...

VonGabriel Knupfer
20.10.2014
Mac OS X 10.10 Yosemite: Alle Neuheiten
Software

Die neue Software von Apple soll die einzelnen Geräte noch stärker miteinander verzahnen. Für die Installation braucht man aber Zeit - und genügend Speicherplatz auf dem Rechner. Mehr...

VonMarc Iseli
19.10.2014
Oberste Zentralbank warnt vor nächster Finanzkrise
Konjunktur

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken kann eine neue Finanzkrise zur Folge haben, warnt BIZ-Chefökonom Claudio Borio im Interview. Schlechtes Zeichen: das Übernahmefieber der Grosskonzerne. Mehr...

VonSebastian Jost («Die Welt»)
20.10.2014
Russland könnte Sanktionen jahrelang ertragen
Widerstandsfähig

Die Währungsreserven von Russland sollen massiv höher sein, als bisher geschätzt wurde. Deswegen könnte das Land jahrelang die westliche Sanktionspolitik ertragen, ohne bankrott zu gehen. Mehr...

19.10.2014
Börsen

Die Kurseinbrüche am Aktienmarkt haben Konjunkturgefahren deutlich gemacht. Die Ängste bleiben. Risikofreudige Anleger setzen dennoch schon jetzt auf die SPI-Aktien mit dem höchsten Rebound-Potenzial. Mehr...

VonGeorg Pröbstl
19.10.2014
Hiobsbotschaft für Karstadt-Mitarbeiter
Sanierung

Ein Viertel der Warenhäuser von Karstadt sind anscheinend von der Schliessung bedroht. Die Mitarbeiter müssen sich auf massive Entlassungswellen einstellen. Mehr...

19.10.2014
Zeitalter der Unsicherheit: «Ein gescheitertes System»
Wirtschaft

Wir leben in einem Zeitalter der Unsicherheit. Das liegt vor allem an der rapide wachsenden Ungleichheit, insbesondere in den USA. Der Schweiz geht es im Vergleich dazu noch immer gut. Mehr...

VonJoseph E. Stiglitz
19.10.2014

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      
 

Anleger in Panik: Schweizer Börse auf Tauchgang. Mehr

Europarechtler fordert neues Referendum über Bilaterale. Mehr

Deutscher Möbelbauer wird schweizerisch. Mehr

Lanciert Amazon Musikdienst in der Schweiz? Mehr

Hypotheken-Vergabe soll erneut verschärft werden. Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...