Alex Wassmer: «Der Staat behindert das Bauen»

Der CEO und Mehrheitsaktionär der in den Bereichen Baustoffe, Strassen- und Tiefbau tätigen Kibag-Gruppe über den Konsolidierungsprozess in der Schweizer Bauwirtschaft und die hohe Regulierungsdichte.

VonInterview: Martin Spieler
03.11.2005

Die Kibag fokussiert sich auf die Sparten Baustoffe mit Beton und Kies sowie Strassen- und Tiefbau: Beide Bereiche gehen seit Jahren durch einen Konsolidierungsprozess: Wie präsentiert sich die Situation heute?

Alex Wassmer: In der gesamten Baustoff- und Baubranche gibt es in der Schweiz viel zu viele Anbieter. Viele werden den Konsolidierungsprozess nicht überleben. Im Moment kann sich die Baubranche nicht über Auftragseingänge und -bestände beklagen. Es gibt genügend Aufträge, aber die Preise sind wegen der Überkapazität im Keller.

Und doch erfolgt die Konsolidierung so zögerlich?

Wassmer: Es braucht dringend eine Konsolidierung. Viele Baufirmen verdienen praktisch nichts mehr. Viele Bauunternehmer rechnen nicht. Ihre Preise sind viel zu tief, weil sie nicht alle Kostenfaktoren in ihrer Kalkulation berücksichtigen. Das kann langfristig nicht gut gehen. Das Firmensterben in der Baubranche geht weiter.

Inwiefern profitiert jetzt die Baubranche von den Aufträgen als Folge der Unwetter in der Schweiz?

Wassmer: Es wird sicherlich den einen oder anderen Auftrag geben, den wir nicht erwartet haben. Aber selbst diese unerwarteten Zusatzaufträge werden den Konsolidierungsprozess nicht aufhalten können. Die Baubranche ist hart. Und es wird für alle Anbieter noch viel härter werden.

Inwiefern wird sich die Kibag aktiv an diesem Konsolidierungsprozess beteiligen?

Wassmer: Ich habe laufend Dossiers von kleinen und mittleren Firmen auf dem Tisch, die man kaufen könnte. Meist sind es hoch verschuldete Bauunternehmen. Diese könnte man praktisch gratis haben, wenn man die Schulden übernimmt. Doch die Übernahme von verschuldeten Firmen kommt für uns nicht in Frage.

Wie will Kibag wachsen?

Wassmer: Ich schliesse Akquisitionen nicht aus. Aber wir wollen nicht um jeden Preis wachsen. Ich könnte im Baubereich mittlels Akquisitionen locker in ein paar Jahren den doppelten Umsatz erwirtschaften, aber wir würden keinen Franken mehr verdienen. Bei diesem unsinnigen Spiel machen wir nicht mit. Grösse (Umsatz) ist nicht das Ziel ­ der Ertrag ist wesentlich!

Zumal die Margen wohl auch bei Ihnen laufend sinken?

Wassmer: Wir verdienen nach wie vor genug, müssen unser Geld aber hart verdienen!

Wie viel verdient Ihre Gruppe?

Wassmer: Als Familienunternehmen veröffentlichen wir weder Umsatz- noch Gewinnzahlen.

Können Sie eine Grössenordnung nennen?

Wassmer: Unser Umsatz liegt in der Grössenordnung von 300 Mio Fr. Wir beschäftigen 1000 Mitarbeiter und betreiben 10 Kieswerke, 17 Betonwerke und 13 Baubetriebe. Zum Gewinn äussern wir uns nicht.

Im Baustoffbereich ist die Holcim einerseits Ihre Hauptkonkurrentin, anderseits ist sie an der Kibag minderheitsbeteiligt : Wie gehen Sie mit dieser Konstellation um?

Wassmer: Holcim ist unsere wichtigste Konkurrentin im Bereich Kies und Beton und die Nummer eins in der Schweiz. Nummer zwei ist CRH beziehungsweise Jura Zement. Die Kibag ist gesamtschweizerisch die Nummer drei oder vier. Holcim ist seit 13 Jahren mit einer Minderheit an Kibag beteiligt. Familienmitglieder, die an der Kibag minderheitsbeteiligt waren, hatten damals ihre Firma an Holcim verkauft.

Und doch werden Sie von der Holcim konkurrenziert?

Wassmer: Wir leben mit dem Paradox, dass wir von der Holcim Zement kaufen, gleichzeitig aber im Betonmarkt von ihr konkurrenziert werden und sie auch bei uns Minderheitsaktionärin ist. Man kommt an Holcim nicht vorbei. Dennoch haben wir mit der Holcim ein korrektes Verhältnis.

Für die Holcim wäre doch ein Kauf der Kibag interessant: Würden Sie verkaufen?

Wassmer: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Holcim ein Interesse daran hat, uns zu erwerben, da sie sonst in verschiedenen Regionen der Schweiz wettbewerbsrechtliche Probleme bekäme. Ein Verkauf, das ist kein Thema. Ich bin Mehrheits-Aktionär der Kibag und halte knapp zwei Drittel der Aktien. Von meiner Seite her kommt ein Verkauf nicht in Frage. Die Kibag bleibt unabhängig! Solange Holcim der Kibag Zement verkaufen kann, ist das für Holcim ein interessantes Geschäft.

Gibt es Kaufinteressenten?

Wassmer: Ich werde immer wieder von Kaufinteressenten kontaktiert. Doch die Antwort ist klar: Wir verkaufen nicht. Ich bin gerne Unternehmer!

Die Kibag ist ein Familienunternehmen: Wäre es denkbar, dass Kibag einmal an die Börse geht?

Wassmer: Nein, einen Börsengang kann ich mir nicht vorstellen.

Heisst das, dass genügend Kapital vorhanden ist, um zu wachsen?

Wassmer: Es ist genügend Kapital vorhanden, um profitabel zu wachsen. Wir haben nicht das Ziel, ein gleich grosses Unternehmen zu erwerben, sondern schrittweise zu wachsen. Grossakquisitionen sind meist schwer zu verdauen und benötigen Fremdkapital, zudem werden bei Grossfusionen die Kulturunterschiede massiv unterschätzt.

Sind Sie denn angesichts der ebenfalls in den Schweizer Markt drängenden ausländischen Konkurrenten nicht gezwungen, rasch zu wachsen?

Wassmer: In den grenznahen Gebieten gibt es schon Konkurrenten aus dem Ausland. Da haben wir nicht gleichlange Spiesse. Ausländische Konkurrenten können ­ etwa in Deutschland ­ Kies billiger erwerben und abbauen. Da besteht ein Ungleichgewicht.

Im Klartext: Ihre Margen sinken?

Wassmer: Das ist so. Die Margenerosion ist gewaltig.

Wie versuchen Sie diesen Margenschwund aufzuhalten?

Wassmer: Den Margenschwund können wir nicht aufhalten. Vielleicht müssen auch gewisse Unternehmen ausbluten. Wir halten die Kosten eng im Griff. Das gelingt uns gut. Wir verdienen trotz tieferen Margen nach wie vor Geld. Zusätzlich zur Kostenoptimierung müssen wir unsere Volumen erhöhen. Auch da sind wir erfolgreich.

Können Sie sich eine Expansion ins Ausland vorstellen?

Wassmer: Das hat für uns nicht Priorität.

Neben den Sparten Baustoffe sowie Strassen- und Tiefbau expandiert die Kibag im Umweltbereich: Ist das ein Versuch in Märkte zu diversifizieren, die eine höhere Marge versprechen?

Wassmer: In Ergänzung zu unserem Stammgeschäft betreiben wir seit einem Jahr eine Bodenwaschanlage zur Aufbereitung von mit Schadstoffen verunreinigtem Erdreich. Eine eigentliche Diversifikation ist das nicht. Wir waren immer fokussiert und werden dies auch bleiben. Wir haben das Ziel zu wachsen, aber nur in den Bereichen, wo wir stark sind.

Welche Wachstumsziele haben Sie sich gesetzt?

Wassmer: Wir wollen in den Bereichen Kies und Beton und Strassen- und Tiefbau jeweils zu den grössten der einzelnen Regionen zählen. Wir müssen nicht der Grösste sein, aber wir möchten zu den Grössten zählen in den Regionen, in denen wir tätig sind. Als ich das Amt als CEO vor über fünf Jahren angetreten hatte, war die Gruppe bereits stark. In der Zwischenzeit konnten wir unsere gute Position ausbauen.

Sie hatten die Leitung der Kibag mit 31 Jahren übernommen: Wie sind Sie mit der heiklen Frage «Ist er nur Erbe oder kann er auch etwas?» umgegangen?

Wassmer: Ich hatte das Glück, dass ich eine gesunde Unternehmung angetroffen hatte und keinen Turnaround einleiten musste. Das gab mir die Möglichkeit, in die Führung hineinzuwachsen. Nach über fünf Jahren liegt der Beweis vor, dass das Unternehmen auf einem guten Weg ist und weiter gewachsen ist, ohne die finanzielle Gesundheit der Firma beeinträchtigt zu haben.

Wie steht es denn um die finanzielle Gesundheit der Kibag?

Wassmer: Auch da nennen wir keine Zahlen. Einer unserer Erfolgsfaktoren ist aber die finanzielle Unabhängigkeit von Dritten, sprich von den Banken.

Sie verzichten auf Fremdkapital?

Wassmer: Bei uns gibt es möglichst gar keine Kredite. Und wenn wir ausnahmsweise mal einen aufnehmen, dann muss jeweils soviel Geld in der Kasse sein, dass wir den Kredit heute noch zurückzahlen könnten.

Warum ist Ihnen dies so wichtig?

Wassmer: Weil wir in den letzten 80 Jahren gelernt haben, dass dies für uns ein grosser Erfolgsgarant ist. Eine hohe Verschuldung engt den Handlungsspielraum ein. Auch das Wachstum muss aus den eigenen Mitteln finanzierbar sein.

Zement ist neben Kies die Basis für den Baustoff Beton. Kann in der Schweiz genügend Kies abgebaut werden?

Wassmer: Ja, aber leider gibt es sehr viele Auflagen für den Kiesabbau. Wenn wir heute eine Parzelle mit Kies erwerben und diese in 15 Jahren abbauen wollen, müssen wir uns bereits heute mit den nötigen verfahrensrechtlichen Fragen beschäftigen. Man muss diverse Umweltverträglichkeitsprüfungen bestehen und mit Einsprachen rechnen. Hemmend wirkt sich beispielsweise auch das Verbandsbeschwerderecht aus.

Inwieweit hemmt die staatliche Regulierung Ihre Arbeit?

Wassmer: Die Regulierung ist gewaltig. Wir haben viel zu viel Staat. Gerade in der Baubranche müssen wir uns mit unzähligen Formularen herumschlagen und sind mit einem schwer durchschaubaren Baunormen-Dschungel konfrontiert. Es gibt Kantone, die haben eigene Vorschriften, wie der Beton oder der Strassenbelag beschaffen sein muss.

Das verteuert das Bauen.

Wassmer: Die Normenflut führt dazu, dass es in unserem Land so teuer ist, zu bauen.

Was müssen wir dagegen tun?

Wassmer: Wir sollten die Bürokratie rasch abbauen oder ihr zumindest Einhalt gebieten. Alle diese Vorschriften verursachen nur Aufwand. Die Qualität des Betons ist deshalb nicht besser.

Behindert der Staat das Bauen in der Schweiz?

Wassmer: Ganz klar. Der Staat behindert das Bauen in der Schweiz. Natürlich braucht es Rahmenbedingungen. Doch da wurde masslos übertrieben. Wir engen uns selber in unserer Bewegungsfreiheit ein. Doch das ist keineswegs nur ein Problem der Baubranche. Es braucht in der ganzen Wirtschaftspolitik eine Neuausrichtung.

Wo sehen Sie als Jungunternehmer Handlungsbedarf?

Wassmer: Wir müssten ein liberaleres Klima für die kleinen und mittelgrossen Unternehmen in der Schweiz schaffen. Diese Firmen, welche die Basis unserer Wirtschaft sind, sollten von der Bürokratie entlastet werden. Doch leider wird gerade von den Linksparteien die grosse Leistung der Unternehmer in unserem Land nicht wahrgenommen. Auch FDP und CVP müssten sich vermehrt für die Wirtschaft und die Unternehmer einsetzen. Das tun sie jetzt zu wenig.



Jungunternehmer und Kunstliebhaber: Steckbrief

Name: Alex Wassmer

Funktion: CEO und VR-Delegierter der Kibag-Holding

Geboren: 28. Februar 1969

Wohnort: Muri bei Bern

Familie: In fester Beziehung

Ausbildung: Lic. iur. an der Universität Bern, SKU Nachdiplomstudium für Unternehmensführung

Karriere

1997 bis 1998 UBS, Zürich, Private Banking

1998 bis 1999 Ernst & Young, Zürich, Steuerberatung, Revision, Mergers and Acquisitions

1999 bis 2000 Spiess und Partner, Zürich, Büro für Baurecht

Seit 1. Juni 2000 CEO und Delegierter des Verwaltungsrates der Kibag-Holding, Zürich, VR-Mandate

Seit 2004 Mitglied des Verwaltungsrates der Swissfirst Bank AG, Zürich

Seit 2004 Mitglied des Verwaltungsrates der Swiss Jet Ltd., Zürich-Airport

Seit 2003 Mitglied der Bernischen Kunstgesellschaft

Seit 2004 Präsident der Bernischen Kunstgesellschaft

Seit 2003 Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Kunsthalle Bern

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Die Kibag fokussiert sich auf die Sparten Baustoffe mit Beton und Kies sowie Strassen- und Tiefbau: Beide Bereiche gehen seit Jahren durch einen Konsolidierungsprozess: Wie präsentiert sich die Situation heute?

Alex Wassmer: In der gesamten Baustoff- und Baubranche gibt es in der Schweiz viel zu viele Anbieter. Viele werden den Konsolidierungsprozess nicht überleben. Im Moment kann sich die Baubranche nicht über Auftragseingänge und -bestände beklagen. Es gibt genügend Aufträge, aber die Preise sind wegen der Überkapazität im Keller.

Und doch erfolgt die Konsolidierung so zögerlich?

Wassmer: Es braucht dringend eine Konsolidierung. Viele Baufirmen verdienen praktisch nichts mehr. Viele Bauunternehmer rechnen nicht. Ihre Preise sind viel zu tief, weil sie nicht alle Kostenfaktoren in ihrer Kalkulation berücksichtigen. Das kann langfristig nicht gut gehen. Das Firmensterben in der Baubranche geht weiter.

Inwiefern profitiert jetzt die Baubranche von den Aufträgen als Folge der Unwetter in der Schweiz?

Wassmer: Es wird sicherlich den einen oder anderen Auftrag geben, den wir nicht erwartet haben. Aber selbst diese unerwarteten Zusatzaufträge werden den Konsolidierungsprozess nicht aufhalten können. Die Baubranche ist hart. Und es wird für alle Anbieter noch viel härter werden.

Inwiefern wird sich die Kibag aktiv an diesem Konsolidierungsprozess beteiligen?

Wassmer: Ich habe laufend Dossiers von kleinen und mittleren Firmen auf dem Tisch, die man kaufen könnte. Meist sind es hoch verschuldete Bauunternehmen. Diese könnte man praktisch gratis haben, wenn man die Schulden übernimmt. Doch die Übernahme von verschuldeten Firmen kommt für uns nicht in Frage.

Wie will Kibag wachsen?

Wassmer: Ich schliesse Akquisitionen nicht aus. Aber wir wollen nicht um jeden Preis wachsen. Ich könnte im Baubereich mittlels Akquisitionen locker in ein paar Jahren den doppelten Umsatz erwirtschaften, aber wir würden keinen Franken mehr verdienen. Bei diesem unsinnigen Spiel machen wir nicht mit. Grösse (Umsatz) ist nicht das Ziel ­ der Ertrag ist wesentlich!

Zumal die Margen wohl auch bei Ihnen laufend sinken?

Wassmer: Wir verdienen nach wie vor genug, müssen unser Geld aber hart verdienen!

Wie viel verdient Ihre Gruppe?

Wassmer: Als Familienunternehmen veröffentlichen wir weder Umsatz- noch Gewinnzahlen.

Können Sie eine Grössenordnung nennen?

Wassmer: Unser Umsatz liegt in der Grössenordnung von 300 Mio Fr. Wir beschäftigen 1000 Mitarbeiter und betreiben 10 Kieswerke, 17 Betonwerke und 13 Baubetriebe. Zum Gewinn äussern wir uns nicht.

Im Baustoffbereich ist die Holcim einerseits Ihre Hauptkonkurrentin, anderseits ist sie an der Kibag minderheitsbeteiligt : Wie gehen Sie mit dieser Konstellation um?

Wassmer: Holcim ist unsere wichtigste Konkurrentin im Bereich Kies und Beton und die Nummer eins in der Schweiz. Nummer zwei ist CRH beziehungsweise Jura Zement. Die Kibag ist gesamtschweizerisch die Nummer drei oder vier. Holcim ist seit 13 Jahren mit einer Minderheit an Kibag beteiligt. Familienmitglieder, die an der Kibag minderheitsbeteiligt waren, hatten damals ihre Firma an Holcim verkauft.

Und doch werden Sie von der Holcim konkurrenziert?

Wassmer: Wir leben mit dem Paradox, dass wir von der Holcim Zement kaufen, gleichzeitig aber im Betonmarkt von ihr konkurrenziert werden und sie auch bei uns Minderheitsaktionärin ist. Man kommt an Holcim nicht vorbei. Dennoch haben wir mit der Holcim ein korrektes Verhältnis.

Für die Holcim wäre doch ein Kauf der Kibag interessant: Würden Sie verkaufen?

Wassmer: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Holcim ein Interesse daran hat, uns zu erwerben, da sie sonst in verschiedenen Regionen der Schweiz wettbewerbsrechtliche Probleme bekäme. Ein Verkauf, das ist kein Thema. Ich bin Mehrheits-Aktionär der Kibag und halte knapp zwei Drittel der Aktien. Von meiner Seite her kommt ein Verkauf nicht in Frage. Die Kibag bleibt unabhängig! Solange Holcim der Kibag Zement verkaufen kann, ist das für Holcim ein interessantes Geschäft.

Gibt es Kaufinteressenten?

Wassmer: Ich werde immer wieder von Kaufinteressenten kontaktiert. Doch die Antwort ist klar: Wir verkaufen nicht. Ich bin gerne Unternehmer!

Die Kibag ist ein Familienunternehmen: Wäre es denkbar, dass Kibag einmal an die Börse geht?

Wassmer: Nein, einen Börsengang kann ich mir nicht vorstellen.

Heisst das, dass genügend Kapital vorhanden ist, um zu wachsen?

Wassmer: Es ist genügend Kapital vorhanden, um profitabel zu wachsen. Wir haben nicht das Ziel, ein gleich grosses Unternehmen zu erwerben, sondern schrittweise zu wachsen. Grossakquisitionen sind meist schwer zu verdauen und benötigen Fremdkapital, zudem werden bei Grossfusionen die Kulturunterschiede massiv unterschätzt.

Sind Sie denn angesichts der ebenfalls in den Schweizer Markt drängenden ausländischen Konkurrenten nicht gezwungen, rasch zu wachsen?

Wassmer: In den grenznahen Gebieten gibt es schon Konkurrenten aus dem Ausland. Da haben wir nicht gleichlange Spiesse. Ausländische Konkurrenten können ­ etwa in Deutschland ­ Kies billiger erwerben und abbauen. Da besteht ein Ungleichgewicht.

Im Klartext: Ihre Margen sinken?

Wassmer: Das ist so. Die Margenerosion ist gewaltig.

Wie versuchen Sie diesen Margenschwund aufzuhalten?

Wassmer: Den Margenschwund können wir nicht aufhalten. Vielleicht müssen auch gewisse Unternehmen ausbluten. Wir halten die Kosten eng im Griff. Das gelingt uns gut. Wir verdienen trotz tieferen Margen nach wie vor Geld. Zusätzlich zur Kostenoptimierung müssen wir unsere Volumen erhöhen. Auch da sind wir erfolgreich.

Können Sie sich eine Expansion ins Ausland vorstellen?

Wassmer: Das hat für uns nicht Priorität.

Neben den Sparten Baustoffe sowie Strassen- und Tiefbau expandiert die Kibag im Umweltbereich: Ist das ein Versuch in Märkte zu diversifizieren, die eine höhere Marge versprechen?

Wassmer: In Ergänzung zu unserem Stammgeschäft betreiben wir seit einem Jahr eine Bodenwaschanlage zur Aufbereitung von mit Schadstoffen verunreinigtem Erdreich. Eine eigentliche Diversifikation ist das nicht. Wir waren immer fokussiert und werden dies auch bleiben. Wir haben das Ziel zu wachsen, aber nur in den Bereichen, wo wir stark sind.

Welche Wachstumsziele haben Sie sich gesetzt?

Wassmer: Wir wollen in den Bereichen Kies und Beton und Strassen- und Tiefbau jeweils zu den grössten der einzelnen Regionen zählen. Wir müssen nicht der Grösste sein, aber wir möchten zu den Grössten zählen in den Regionen, in denen wir tätig sind. Als ich das Amt als CEO vor über fünf Jahren angetreten hatte, war die Gruppe bereits stark. In der Zwischenzeit konnten wir unsere gute Position ausbauen.

Sie hatten die Leitung der Kibag mit 31 Jahren übernommen: Wie sind Sie mit der heiklen Frage «Ist er nur Erbe oder kann er auch etwas?» umgegangen?

Wassmer: Ich hatte das Glück, dass ich eine gesunde Unternehmung angetroffen hatte und keinen Turnaround einleiten musste. Das gab mir die Möglichkeit, in die Führung hineinzuwachsen. Nach über fünf Jahren liegt der Beweis vor, dass das Unternehmen auf einem guten Weg ist und weiter gewachsen ist, ohne die finanzielle Gesundheit der Firma beeinträchtigt zu haben.

Wie steht es denn um die finanzielle Gesundheit der Kibag?

Wassmer: Auch da nennen wir keine Zahlen. Einer unserer Erfolgsfaktoren ist aber die finanzielle Unabhängigkeit von Dritten, sprich von den Banken.

Sie verzichten auf Fremdkapital?

Wassmer: Bei uns gibt es möglichst gar keine Kredite. Und wenn wir ausnahmsweise mal einen aufnehmen, dann muss jeweils soviel Geld in der Kasse sein, dass wir den Kredit heute noch zurückzahlen könnten.

Warum ist Ihnen dies so wichtig?

Wassmer: Weil wir in den letzten 80 Jahren gelernt haben, dass dies für uns ein grosser Erfolgsgarant ist. Eine hohe Verschuldung engt den Handlungsspielraum ein. Auch das Wachstum muss aus den eigenen Mitteln finanzierbar sein.

Zement ist neben Kies die Basis für den Baustoff Beton. Kann in der Schweiz genügend Kies abgebaut werden?

Wassmer: Ja, aber leider gibt es sehr viele Auflagen für den Kiesabbau. Wenn wir heute eine Parzelle mit Kies erwerben und diese in 15 Jahren abbauen wollen, müssen wir uns bereits heute mit den nötigen verfahrensrechtlichen Fragen beschäftigen. Man muss diverse Umweltverträglichkeitsprüfungen bestehen und mit Einsprachen rechnen. Hemmend wirkt sich beispielsweise auch das Verbandsbeschwerderecht aus.

Inwieweit hemmt die staatliche Regulierung Ihre Arbeit?

Wassmer: Die Regulierung ist gewaltig. Wir haben viel zu viel Staat. Gerade in der Baubranche müssen wir uns mit unzähligen Formularen herumschlagen und sind mit einem schwer durchschaubaren Baunormen-Dschungel konfrontiert. Es gibt Kantone, die haben eigene Vorschriften, wie der Beton oder der Strassenbelag beschaffen sein muss.

Das verteuert das Bauen.

Wassmer: Die Normenflut führt dazu, dass es in unserem Land so teuer ist, zu bauen.

Was müssen wir dagegen tun?

Wassmer: Wir sollten die Bürokratie rasch abbauen oder ihr zumindest Einhalt gebieten. Alle diese Vorschriften verursachen nur Aufwand. Die Qualität des Betons ist deshalb nicht besser.

Behindert der Staat das Bauen in der Schweiz?

Wassmer: Ganz klar. Der Staat behindert das Bauen in der Schweiz. Natürlich braucht es Rahmenbedingungen. Doch da wurde masslos übertrieben. Wir engen uns selber in unserer Bewegungsfreiheit ein. Doch das ist keineswegs nur ein Problem der Baubranche. Es braucht in der ganzen Wirtschaftspolitik eine Neuausrichtung.

Wo sehen Sie als Jungunternehmer Handlungsbedarf?

Wassmer: Wir müssten ein liberaleres Klima für die kleinen und mittelgrossen Unternehmen in der Schweiz schaffen. Diese Firmen, welche die Basis unserer Wirtschaft sind, sollten von der Bürokratie entlastet werden. Doch leider wird gerade von den Linksparteien die grosse Leistung der Unternehmer in unserem Land nicht wahrgenommen. Auch FDP und CVP müssten sich vermehrt für die Wirtschaft und die Unternehmer einsetzen. Das tun sie jetzt zu wenig.


Jungunternehmer und Kunstliebhaber: Steckbrief

Name: Alex Wassmer
Funktion: CEO und VR-Delegierter der Kibag-Holding
Geboren: 28. Februar 1969
Wohnort: Muri bei Bern
Familie: In fester Beziehung
Ausbildung: Lic. iur. an der Universität Bern, SKU Nachdiplomstudium für Unternehmensführung

Karriere
1997 bis 1998 UBS, Zürich, Private Banking
1998 bis 1999 Ernst & Young, Zürich, Steuerberatung, Revision, Mergers and Acquisitions
1999 bis 2000 Spiess und Partner, Zürich, Büro für Baurecht
Seit 1. Juni 2000 CEO und Delegierter des Verwaltungsrates der Kibag-Holding, Zürich, VR-Mandate
Seit 2004 Mitglied des Verwaltungsrates der Swissfirst Bank AG, Zürich
Seit 2004 Mitglied des Verwaltungsrates der Swiss Jet Ltd., Zürich-Airport
Seit 2003 Mitglied der Bernischen Kunstgesellschaft
Seit 2004 Präsident der Bernischen Kunstgesellschaft
Seit 2003 Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Kunsthalle Bern

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