19.04.2010 | 16:09
 

BASF: Erstmals kommerzieller Anbau von Genkartoffel

ZEPKOW/LIMBURGERHOF (awp international) - Sieben Wochen nach ihrer Zulassung durch die EU sind am Montag europaweit zum ersten Mal gentechnisch veränderte Kartoffeln der BASF kommerziell angebaut worden. Trotz Protesten von Gentechnik-Gegnern liess die BASF-Tochter Plant Science im mecklenburgischen Zepkow (Müritzkreis) die für die Stärke- Industrie entwickelte Sorte Amflora auspflanzen. Zum Pflanzungsstart östlich der Autobahn A 19 Berlin-Rostock bewachten Polizisten die drei Zufahrten zum Feld, auf dem die Amflora auf 15 Hektar wachsen soll. "Das Feld wird durch Wachschutz gesichert", sagte die Sprecherin der BASF-Tochter, Britta Stellbrink. In Mecklenburg- Vorpommern hatte es in den Vorjahren schon Versuchsanbau der umstrittenen Kartoffelsorte gegeben. Seither kam es immer wieder zu teilweise spektakulären Protestaktionen.

Im März hatte die EU-Kommission nach mehr als zehnjähriger Prüfung die Amflora als erste gentechnisch veränderte Knolle in Europa für den kommerziellen Anbau zugelassen. Die Staaten könnten aber allein entscheiden, ob sie den Anbau zulassen. Gentechnik-Gegner forderten vom Bundesagrarministerium in Berlin wiederholt ein Anbauverbot, was dieses aber ablehnt.

NATIONALE ANBAUVERBOTE IN DER EU

Die BASF, die sich von der neuen Knolle eine deutlich höhere Stärkeausbeute verspricht, will die Sorte ausserdem auf 80 Hektar in Tschechien und auf 150 Hektar in Schweden kommerziell anbauen. Laut einer EU-Sprecherin hat bisher Österreich ein nationales Anbauverbot angekündigt, Italien könnte folgen. Das Lebensmittelministerium in Wien bewertete die Sicherheit der Amflora mit "mangelhaft" und war gegen die Zulassung auf europäischer Ebene.

Gegen den Anbau bei Zepkow hatte die Umweltorganisation Greenpeace mehrfach protestiert. So waren vor einer Woche das Kartoffellager der Firma im Müritzkreis vorübergehend versperrt und danach herkömmlich gezüchtete Kartoffeln auf dem Amflora-Feld ausgebracht worden. Diese Kartoffeln seien aber kein Problem mehr, sagte Stellbrink. "Sie wurden abgesammelt und die eingebuddelten Knollen sind später, wenn sie herauswachsen, gut von der Amflora-Kartoffel zu unterscheiden und werden dann entfernt." Für den zugelassenen Anbau würden nicht mehr ganz so strenge Regeln wie für die Versuche in den Vorjahren gelten.

2009 hatte BASF nach einer Protest-Pflanzaktion von Gentechnik- Gegnern eine Teilfläche auf dem Versuchsfeld ausgeklammert. Die Umweltaktivisten von damals müssen sich derzeit vor Gericht verantworten.

PROTESTE

Protest gegen den Anbau kam erneut von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (Lüneburg), von weiteren Umweltverbänden und vom Schweriner Agrarministerium. Die Zulassung der Amflora für industrielle Anwendungen und als Futtermittel sei ein "politischer Kniefall vor der BASF", teilte der BUND mit. Die Stärkekartoffel enthalte ein Resistenz-Gen gegen Antibiotika und die Übertragung dieses Resistenz-Gens auf Bakterien des Magen-Darm-Trakts sei nicht auszuschliessen. Der BUND wertet den Amflora-Anbau als "Schritt zur Abschaffung der Gentechnikfreiheit in der Landwirtschaft" und "Kampfansage" an gentechnikfrei wirtschaftende Bauern.

Die Kartoffel sei unzureichend auf ihre Sicherheit geprüft und daher riskant, sagte ein Greenpeace-Sprecher. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) kündigte für die Konferenz der Länder-Agrarminister ab 29. April in Plön (Schleswig-Holstein) an, er wolle klare Anbauregeln einfordern./ww/DP/gr

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