Börsenastrologie: Sterne funkeln Bedrohliches

Keiner kennt die Zukunft ­ weder Ökonomen noch Analysten oder die Astrologen. Sie haben mit den Planeten aber verlässlichere Indikatoren. Und die deuten auf eine Krise.

Vonsandra willmeroth
13.12.2006

Astrologie ist die Lehre vom Zusammenhang zwischen himmlischem und irdischem Geschehen», formuliert es Manfred Zimmel, studierter Betriebswirt und prominenter Vertreter der Börsenastrologie. Für ihn ist dies «eine empirische Disziplin, die die Reaktion der Finanzmärkte auf bestimmte Konstellationen der Vergangenheit analysiert, statistisch auswertet und daraus auf die Zukunft schliesst».

Er liegt oft richtig. Ende 2005 prognostizierte Zimmel ein erhebliches Verlustpotenzial für Aktien, Edelmetalle und Rohstoffe und mit der scharfen Korrektur vom Mai und Juni dieses Jahres sieht Zimmel seine Prognosen bestätigt. Gold-, Ölpreis sowie Aktien- und Anleihenkurse bewegen sich jetzt zum Jahresende in etwa auf dem von ihm vor zwölf Monaten vorhergesagten Niveau.

Die Treffsicherheit des Astrologen freut ihn nicht nur selber, sondern auch die «mehreren hundert» Abonnenten seines Newsletters, der aus kosmischer Sicht zu den Märkten von Aktien, Anleihen, Gold, Öl, Währungen und Körnern Stellung nimmt. Die Leser sind keine esoterischen Extravaganzen, sondern dazu zählen auch Vermögensverwalter und Fondsmanager, die mehrere Milliarden Franken verwalten.

«2007 werden wir erneut eine grössere Korrektur sehen, welche die Preise wieder auf die diesjährigen Tiefststände zurückwerfen wird», prophezeit Zimmel. Vermutlich trifft es die Märkte im März oder Juli, denn das seien die wesentlichen Monate für Tiefs. «Im Juli läuft die Venus von der Sonne aus gesehen scheinbar rückwärts, und dies ist seit etlichen Jahren eine Planetenkonstellation, die mit rückläufigen Kursen einhergeht», erklärt Zimmel seine Beobachtungen. Venus ist der «Finanzplanet» unter den Gestirnen, so Zimmel. Doch damit nicht genug der himmlischen Botschaften. Auch bezüglich des Ölpreises ist der Börsenastrologe provokant, da er ab dem 2. Halbjahr 2007 Notierungen sieht, die «den Weg bis 100 Dollar pro Barrel einschlagen».

Sein amerikanischer Berufskollege Raymond Merriman sieht sehr volatile Preise, da sich «der Markt zwischen dem 6.12.06 und dem 26.2.07 im Schütze-/Steinbockbereich befindet. Dieser Durchgang entspricht einer Periode, während der es historisch gesehen eine ungewöhnliche Zahl von Tagen mit grossen Ausschlägen gibt», schreibt Merriman in seinem Finanzbericht auf www.astrodata.com.

Wesentlich beunruhigender an den Arbeiten der Astrologen ist die längerfristige Perspektive. Zimmel prophezeit im «Amanita Investor's Guide 2007» eine Inflation, die zur Hyperinflation werden könnte. «Es gibt eine Menge Sternenzyklen, die alle 2012/2013 zusammentreffen, was für einiges Chaos sorgen wird», erklärt der Betriebswirt, der die Inflationszyklen seit dem römischen Reich studiert hat. Wirksamen Schutz gegen Geldentwertung böten seit jeher nur Rohstoffe. Sein Rat an die Anlegerschaft lautet daher, in Gold zu investieren ­ und dies nicht nur auf dem Papier, sondern auch zumindest teilweise physisch.

Die von Zimmel in Aussicht gestellte Hyperinflation ist vielleicht eine Facette dessen, was «unsere Welt, wie wir sie kennen, grundlegend verändern wird», wie es Börsenastrologe Merriman vorhersagt. Es ist der Lauf des Planeten Saturn, der ihn das befürchten lässt. Saturn begegnet in den nächsten Jahren Pluto, Neptun und Uranus. Dies sind «drei der wichtigsten Planetenkonstellationen in der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts», so Merriman.

Beide, Merriman und Zimmel, wie auch viele andere Astrologen kommen aus mehreren Gründen zu dem Schluss, dass uns ab 2008/2009 «gravierende gesellschaftliche Veränderungen ins Haus stehen», wie es Raymond Merriman in seiner Vorhersage «Forecast 2007» formuliert. «In den Jahren 2008 bis 2010 haben wir ein so genanntes grosses Kreuz am Himmel ­ so ähnlich wie das letzte Mal 1931 zur grossen Depression», führt Manfred Zimmel weiter aus. In die gleiche Richtung interpretiert www.trader24.info die Saturn-Uranus-Opposition: «Die Hälfte des Zyklus dieser beiden Planeten von 22,5 Jahren scheint den Abstand zwischen zwei Crashs zu bilden. Danach würde 2009 wieder ein Crash auftreten.»

Manche Ökonomen erinnern diese Sternenzyklen an die ganz und gar irdische Wirtschaftstheorie der langen Wellen nach Kondratieff. Diesen Zyklen, die rund 40 bis 60 Jahre dauern (entspricht im Schnitt zwei Saturn-Zyklen, gemäss M. Zimmel), liegen keine himmlischen Oppositionen, sondern fundamentale Innovationen auf Erden zugrunde. Sie haben jeweils Fortschritt gebracht, aber auch tief greifende gesellschaftliche Veränderungen, wie beispielsweise die Erfindung der Dampfmaschine, die der Feudalherrschaft ein Ende gesetzt und das Zeitalter der Industrialisierung eingeläutet hat. Nach gängiger Lehrmeinung hat der aktuell fünfte Kondratieff der «informationstechnischen Industrie» (Leo A. Nefiodow) seinen Zenit bereits erreicht, wenn nicht sogar überschritten. Wenn sich Kondratieffs Theorie bestätigt, droht nun bald wieder eine grössere Krise.

Krisen bieten auch Chancen

«Die Welt geht auf einen Höhepunkt geokosmischer Aktivität zu. Damit wird ein grösserer Wandel im kollektiven Bewusstsein erkennbar, ein Wandel in der Entwicklungsrichtung der Menschheit», formuliert es der Börsenastrologe Merriman. Die Sternenkonstellationen deuten auf Krieg, Unruhe, Auseinandersetzung, Unzufriedenheit und Misstrauen hin ­ aber auch auf wissenschaftliche Aufklärung, Innovation, Entdeckungen, brillante Ideen und Erfindungen. Merriman rät zur Wachsamkeit und vor allem zur Offenheit gegenüber dem Neuen. Und dem Anleger verspricht er, dass «die hier beschlossenen neuen Trends zu aussergewöhnlichen Möglichkeiten von Langzeit-Investitionen reifen».

Diskussion
- Kommentare

Astrologie ist die Lehre vom Zusammenhang zwischen himmlischem und irdischem Geschehen», formuliert es Manfred Zimmel, studierter Betriebswirt und prominenter Vertreter der Börsenastrologie. Für ihn ist dies «eine empirische Disziplin, die die Reaktion der Finanzmärkte auf bestimmte Konstellationen der Vergangenheit analysiert, statistisch auswertet und daraus auf die Zukunft schliesst».

Er liegt oft richtig. Ende 2005 prognostizierte Zimmel ein erhebliches Verlustpotenzial für Aktien, Edelmetalle und Rohstoffe und mit der scharfen Korrektur vom Mai und Juni dieses Jahres sieht Zimmel seine Prognosen bestätigt. Gold-, Ölpreis sowie Aktien- und Anleihenkurse bewegen sich jetzt zum Jahresende in etwa auf dem von ihm vor zwölf Monaten vorhergesagten Niveau.

Die Treffsicherheit des Astrologen freut ihn nicht nur selber, sondern auch die «mehreren hundert» Abonnenten seines Newsletters, der aus kosmischer Sicht zu den Märkten von Aktien, Anleihen, Gold, Öl, Währungen und Körnern Stellung nimmt. Die Leser sind keine esoterischen Extravaganzen, sondern dazu zählen auch Vermögensverwalter und Fondsmanager, die mehrere Milliarden Franken verwalten.

«2007 werden wir erneut eine grössere Korrektur sehen, welche die Preise wieder auf die diesjährigen Tiefststände zurückwerfen wird», prophezeit Zimmel. Vermutlich trifft es die Märkte im März oder Juli, denn das seien die wesentlichen Monate für Tiefs. «Im Juli läuft die Venus von der Sonne aus gesehen scheinbar rückwärts, und dies ist seit etlichen Jahren eine Planetenkonstellation, die mit rückläufigen Kursen einhergeht», erklärt Zimmel seine Beobachtungen. Venus ist der «Finanzplanet» unter den Gestirnen, so Zimmel. Doch damit nicht genug der himmlischen Botschaften. Auch bezüglich des Ölpreises ist der Börsenastrologe provokant, da er ab dem 2. Halbjahr 2007 Notierungen sieht, die «den Weg bis 100 Dollar pro Barrel einschlagen».

Sein amerikanischer Berufskollege Raymond Merriman sieht sehr volatile Preise, da sich «der Markt zwischen dem 6.12.06 und dem 26.2.07 im Schütze-/Steinbockbereich befindet. Dieser Durchgang entspricht einer Periode, während der es historisch gesehen eine ungewöhnliche Zahl von Tagen mit grossen Ausschlägen gibt», schreibt Merriman in seinem Finanzbericht auf www.astrodata.com.

Wesentlich beunruhigender an den Arbeiten der Astrologen ist die längerfristige Perspektive. Zimmel prophezeit im «Amanita Investor's Guide 2007» eine Inflation, die zur Hyperinflation werden könnte. «Es gibt eine Menge Sternenzyklen, die alle 2012/2013 zusammentreffen, was für einiges Chaos sorgen wird», erklärt der Betriebswirt, der die Inflationszyklen seit dem römischen Reich studiert hat. Wirksamen Schutz gegen Geldentwertung böten seit jeher nur Rohstoffe. Sein Rat an die Anlegerschaft lautet daher, in Gold zu investieren ­ und dies nicht nur auf dem Papier, sondern auch zumindest teilweise physisch.

Die von Zimmel in Aussicht gestellte Hyperinflation ist vielleicht eine Facette dessen, was «unsere Welt, wie wir sie kennen, grundlegend verändern wird», wie es Börsenastrologe Merriman vorhersagt. Es ist der Lauf des Planeten Saturn, der ihn das befürchten lässt. Saturn begegnet in den nächsten Jahren Pluto, Neptun und Uranus. Dies sind «drei der wichtigsten Planetenkonstellationen in der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts», so Merriman.

Beide, Merriman und Zimmel, wie auch viele andere Astrologen kommen aus mehreren Gründen zu dem Schluss, dass uns ab 2008/2009 «gravierende gesellschaftliche Veränderungen ins Haus stehen», wie es Raymond Merriman in seiner Vorhersage «Forecast 2007» formuliert. «In den Jahren 2008 bis 2010 haben wir ein so genanntes grosses Kreuz am Himmel ­ so ähnlich wie das letzte Mal 1931 zur grossen Depression», führt Manfred Zimmel weiter aus. In die gleiche Richtung interpretiert www.trader24.info die Saturn-Uranus-Opposition: «Die Hälfte des Zyklus dieser beiden Planeten von 22,5 Jahren scheint den Abstand zwischen zwei Crashs zu bilden. Danach würde 2009 wieder ein Crash auftreten.»

Manche Ökonomen erinnern diese Sternenzyklen an die ganz und gar irdische Wirtschaftstheorie der langen Wellen nach Kondratieff. Diesen Zyklen, die rund 40 bis 60 Jahre dauern (entspricht im Schnitt zwei Saturn-Zyklen, gemäss M. Zimmel), liegen keine himmlischen Oppositionen, sondern fundamentale Innovationen auf Erden zugrunde. Sie haben jeweils Fortschritt gebracht, aber auch tief greifende gesellschaftliche Veränderungen, wie beispielsweise die Erfindung der Dampfmaschine, die der Feudalherrschaft ein Ende gesetzt und das Zeitalter der Industrialisierung eingeläutet hat. Nach gängiger Lehrmeinung hat der aktuell fünfte Kondratieff der «informationstechnischen Industrie» (Leo A. Nefiodow) seinen Zenit bereits erreicht, wenn nicht sogar überschritten. Wenn sich Kondratieffs Theorie bestätigt, droht nun bald wieder eine grössere Krise.

Krisen bieten auch Chancen

«Die Welt geht auf einen Höhepunkt geokosmischer Aktivität zu. Damit wird ein grösserer Wandel im kollektiven Bewusstsein erkennbar, ein Wandel in der Entwicklungsrichtung der Menschheit», formuliert es der Börsenastrologe Merriman. Die Sternenkonstellationen deuten auf Krieg, Unruhe, Auseinandersetzung, Unzufriedenheit und Misstrauen hin ­ aber auch auf wissenschaftliche Aufklärung, Innovation, Entdeckungen, brillante Ideen und Erfindungen. Merriman rät zur Wachsamkeit und vor allem zur Offenheit gegenüber dem Neuen. Und dem Anleger verspricht er, dass «die hier beschlossenen neuen Trends zu aussergewöhnlichen Möglichkeiten von Langzeit-Investitionen reifen».

Meistgelesen

Fast jede zweite Firma fürchtet Personalmangel
Einwanderung

Die Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative hat die Ängste der Schweizer Wirtschaft befeuert. Fast jeder zweite Schweizer Konzern fürchtet Engpässe beim Personal, ergab eine Umfrage der UBS. Mehr...

16.04.2014
Wenn eine Schweizer Superjacht das Aus bedeutet
Schiffbau

Die Superjacht eines Schweizer Firmengründers gibt in Neuseeland zu reden. Die Werft ging gleich nach der Schiffstaufe bankrott. Mehr...

VonChristian Bütikofer
16.04.2014
Orascom-Chef glaubt an den baldigen Ägypten-Boom
Tourismus

Ist der Ägyptentourismus am Ende? Mitnichten, sagt Orascom-Chef Samih Sawiris. Der Investor leidet stark unter dem Rückgang im Ägypten-Tourismus – doch er sieht einen Aufschwung noch in diesem Jahr. Mehr...

VonGabriel Knupfer
16.04.2014
Zalande wehrt sich gegen verdeckte Recherche
Recherche

Nach einer Undercover-Reportage von RTL über die miesen Arbeitsbedingungen beim Online-Modehändler folgt die Retourkutsche. Zalando hat bei der Staatsanwaltschaft in Erfurt Anzeige eingereicht. Mehr...

16.04.2014
Die rüden Methoden der ZKB
Rauswurf

Die Zürcher Kantonalbank hat die Geschäftsbeziehungen mit den Grenzgängern gekündigt. Kurzfristig – und mit einem Schreiben in scharfem Ton. Mehr...

VonTobias Keller
15.04.2014
Stromsparen

TV-Boxen und Internet-Router sind regelrechte Stromfresser. Wer nicht zu Hause ist, sollte abschalten. Jetzt droht eine neue Stromrichtlinie den UPC-Boxen den Stecker zu ziehen. Mehr...

VonSven Millischer
16.04.2014
Bis 45'000 Orange-Kunden warten auf ihre Rechnung
Buchhaltung

Beim Mobilfunkanbieter Orange herrscht das Chaos: Kunden warten seit Monaten auf die Rechnung, ihre Abokosten können sie nicht mehr kontrollieren. Auch der Support und die AGB geben zu reden. Mehr...

VonChristian Bütikofer
15.04.2014

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      

Sixt greift Mobility an Mehr

UPC fürchtet Importrestriktionen für TV-Boxen Mehr

Mammut will Amazon ausschalten. Mehr

Schweizer Aufpasser untersuchen Hypo-Bankenpleite. Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...