22.09.2008 | 06:34
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CH/Mobilfunk-Anbieter: Investitionsstopp in Liechtenstein

Vaduz/Bern (AWP/sda) - Swisscom und Orange haben ihre Investitionen in den Mobilfunk in Liechtenstein gestoppt. Der Grund ist ein tiefer Strahlengrenzwert. Im Berggebiet des Fürstentums kann mit dem Handy schon bald nicht mehr telefoniert werden.

Die Mobilfunk-Antenne im liechtensteinischen Erholungs- und Skigebiet Malbun wird nächstes Jahr wegen einem Parkhaus-Neubau entfernt. Die Swisscom wird keine neue Antenne mehr aufstellen, wie Sprecher Jürg Studerus auf Anfrage sagte. Die Regierung in Vaduz wurde mit Brief über den totalen Investitionsstopp orientiert.

Beschlossen wurde der Stopp, weil das Liechtensteiner Parlament im Umweltschutzgesetz den Grenzwert für Strahlung von Handyantennen ab 2013 auf 0,60 Volt pro Meter (V/m) festsetzte, sofern dies technisch machbar ist. Das ist ein zehn Mal tieferer Wert als er in der Verordnung über Nichtionisierende Strahlungen (NIS) in der Schweiz festgehalten ist.

Der Unterhalt des Mobilfunk-Netzes im Fürstentum sei gewährleistet, aber mit dem neuen Grenzwert lasse sich kein qualitativ hochstehendes Mobilfunk-Netz betreiben, sagte Swisscom-Sprecher Studerus. Der Verzicht auf einen Ersatz für die Antenne in Malbun sei nun die erste Folge des Investitionsstopps.

Der Mobilfunkanbieter Orange will sein Netz weiterhin unterhalten, jedoch ebenfalls nicht mehr investieren und in Malbun anstelle von Swisscom nicht für Ersatz sorgen, wie Mediensprecherin Therese Wenger erklärte. Man respektiere den Beschluss des Parlaments. Liechtenstein müsse sich aber entscheiden, ob es Mobilfunk wolle oder nicht, sagte Wenger.

Eine neue Mobilfunk-Antenne kostet nach Angaben der Anbieter je nach Standort 200'000 bis 250'000 CHF. Laut Swisscom-Sprecher Studerus müssten im Fürstentum sehr viel mehr Antennen gebaut werden, um den tiefen Grenzwert zu erfüllen. Die Regierung in Vaduz hat sich stets dafür ausgesprochen, sich bei den Nichtionisierenden Stahlungen an der Schweiz zu orientieren.

Völlig anderer Meinung ist Liechtensteiner Verein für gesundheitsverträglichen Mobilfunk (VGM). Für ihn ist der ab 2013 massgebliche Grenzwert "ein fauler Kompromiss" und lediglich Schadensbegrenzung. Der Wert sei immer noch um den Faktor zehn zu hoch, liess der VGM verlauten: "Alle wissen heute, dass Mobilfunkstrahlung gesundheitsschädlich ist."

Bei der Swisscom hofft man, dass der Parlamentsentscheid nicht Schule macht, denn Mobilfunk-Anlagen sorgen auch in der Schweiz immer wieder für rote Köpfe. Es werde schon geschaut, was im Fürstentum vor sich gehe, sagte Sprecher Jürg Studerus. Von einem "Schneeball- Effekt" habe man bisher aber noch nichts gespürt.

Ein Gespräch zwischen Swisscom und der Liechtensteiner Regierung fand zwar statt. Am Investitionsstopp hat es nichts geändert. Ein Abänderung des Grenzwerts im Gesetz könnte nur das Parlament vornehmen oder die Regierung mit einer entsprechenden Vorlage.

uh

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