09.10.2009 | 13:13
 

CH/Think-Tank will Energiesystem umbauen und setzt auf Strom (AF)

(Ergänzt um weitere Angaben)

Bern (awp/sda) - Die Lebensqualität erhalten und trotzdem weniger CO2 ausstossen: Im Kampf gegen den Klimawandel schlägt der Think-Tank Energie Trialog Schweiz eine neue Strategie vor. Dabei soll Strom fossile Energieträger ablösen. Am Bau neuer AKWs scheiden sich aber die Geister.

Zweieinhalb Jahre lang hat der Think-Tank Energie Trialog Schweiz (ETS) an einer Energiestrategie gearbeitet. Ziel: den CO2-Ausstoss zu senken und gleichzeitig die hohe Schweizer Lebensqualität zu erhalten. Am Freitag hat er das 144-seitige Papier vorgestellt.

"Wir befinden uns in einer Gründerzeit für die Schweiz", sagte ETS-Geschäftsführer Ernst A. Brugger auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Denn der ETS will das Energiesystem der Schweiz vollständig umbauen. Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum sollen entkoppelt werden, und die Nachfrage nach Energie soll bis 2050 um 30 Prozent sinken.

Das ETS-Papier schlägt zehn Massnahmen vor, um den CO2-Ausstoss bis 2035 um 50 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent (gegenüber 1990) zu senken. So sollen CO2-Emissionen einen einheitlichen Preis über alle Energieträger erhalten, und der Ausstoss von Gebäuden und Verkehr soll massiv sinken.

Zudem fordert der Trialog eine bessere Stromeffizienz von elektrischen und elektronischen Geräten sowie den Ausbau erneuerbarer Energien. Dabei handelt es sich vor allem um Photovoltaik und Biomasse sowie um mitteltiefe Geothermie.

Um die Nachfrage zu senken, muss die Energie laut ETS insgesamt effizienter genutzt werden. Dazu setzt er auf eine "zweite Elektrifizierung" des Schweizer Energiesystems: Strom soll wichtiger werden und fossile Energieträger wie Erdöl und Erdgas ablösen. An der Frage, ob es dazu weitere AKWs braucht, scheiden sich aber die Geister im Thank-Tank.

Greenpeace und die Schweizerische Energiestiftung (SES) haben denn auf das Strategiepapier auch umgehend reagiert und schreiben in einem Communiqué, ETS fokussiere einseitig auf den Klimawandel und blende die Strahlengefahr durch Atomenergie aus. Kosten, Risiken und Abfallproblematik der Atomtechnologie seien "trotz wiederholtem Insistieren seitens Greenpeace und SES" nie im Plenum diskutiert worden.

ETS-Präsident Peter C. Beyeler - seines Zeichens Regierungsrat im Aargau - wertet es als Erfolg, dass der Think-Tank trotz seiner gemischten Zusammensetzung "gemeinsame Ziele bestätigt" hat, wie er auf Anfrage der SDA sagte. Die Umsetzung der Forderungen dürfte nicht einfach werden. "Wir haben keine Illusionen", sagte Beyeler mit Verweis auf die politische Bereitschaft in Energiefragen.

Für Geschäftsführer Ernst A. Brugger braucht die Schweiz eine "grosse mentale Fitness", um das Energiesystem umzubauen. Ohne Fördermittel gehe nichts: "Wir brauchen ein richtiges Impulsprogramm."

Zu den Trägern des Energie Trialog Schweiz gehören Firmen wie die ABB, Allreal Generalunternehmung, Alstom, Axpo, Holcim, Migros, SBB, Shell, Swisscom und die Zürcher Kantonalbank. Auch beteiligt sind unter anderen Vertreter der ETH Zürich, des Kantons Aargau, der Stadt Zürich und des WWF Schweiz.

cc

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