02.06.2009 | 21:00
LUXEMBURG
Von:
Kurt Speck
 

Die Produktpalette gezielt erweitern

Das EU-Mitgliedsland will trotz Finanzkrise mit innovativen Fonds die Leaderstellung weiter ausbauen.

Der Finanzplatz Luxemburg hat sich seit der Schaffung des europäi-schen Binnenmarktes für Investmentfonds 1985 zur wichtigsten Drehscheibe im grenzüberschreitenden Vertrieb entwickelt. Drei Viertel aller Transaktionen werden über das Grossherzogtum abgewickelt, und nichts deutet darauf hin, dass diese Position in naher Zukunft gefährdet würde (siehe Kasten). Die Finanzkrise hat aber im luxemburgischen Fondsmarkt ebenfalls erhebliche Spuren hinterlassen. Lag das verwaltete Anlagevermögen vor Jahresfrist noch bei rund 2500 Mrd Euro, sind diese Werte zwischenzeitlich auf 1600 Mrd Euro geschrumpft. Etwa ein Fünftel davon stammt aus der Schweiz.

Trotz den Turbulenzen an den Finanzmärkten bleibt man im multikulturellen Kleinstaat innovativ. «Wir wollen die Produktepalette laufend erweitern», sagt Claude Kremer, Präsident der Association of the Luxemburg Fund Industrie (ALFI). Allein im letzten Jahr wurden 660 neue Fonds aufgelegt. Die Madoff-Pleite hat das europäische Fondszentrum speziell aus französischer Sicht in ein schiefes Licht gerückt. ALFI-Präsident Kremer bedauert die damit verbundenen Verluste für die Anleger, relativiert aber das Ausmass dieses Negativereignisses. 17 Fonds mit einem Vermögen von 1,7 Mrd Euro waren in Vehikel des amerikanischen Pleitiers Madoff investiert. Finanzexperten gehen jedoch davon aus, dass der Fall Madoff der Fondsbranche einen nachhaltigen Vertrauensverlust zufügte.

Schutz der Anleger

Die EU hat mit den «Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren», bei uns bekannt unter dem Kürzel UCITS (Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities), schon vor Jahren Richtlinien geschaffen, die vor allem auf den Schutz der Anleger ausgerichtet sind. Wer Fonds nach diesen Grundsätzen in einem EU-Land auflegt, kann die Fondsanteile auch grenzüberschreitend in anderen Mitgliedsländern anbieten, ohne zusätzliche Bewilligungen einzuholen. Luxemburg gilt als führende Nation, wenn es um den Vertrieb von Fonds nach den UCITS-Regeln geht. «Wir wollen das UCITS-Label vermarkten», sagt Fernand Grulms, Vorstandsvorsitzender von Luxemburg for Finance. Entsprechend interessiert zeigen sich die Vertreter aus dem Grossherzogtum bei der Weiterentwicklung dieser EU-Richtlinien. Mit UCITS IV, der jüngsten Version, die Mitte 2011 in Kraft treten soll, will die EU für mehr Effizienz, tiefere Kosten und eine vereinfachte Information sorgen. Ziel der europäischen Gemeinschaft ist es, die Anleger in diesem neu formierten Finanz-binnenmarkt auf dem alten Kontinent besser zu informieren.

Vereinfachte Information

Wie rasch sich etwa Vereinfachungen beim Verkaufsprospekt umsetzen lassen, muss sich in den nächsten Jahren erst noch zeigen. Kernpunkt des vereinfachten Informationsdokumentes sollen zwei Seiten sein, auf denen in standardisierter Form sämtliche relevanten Daten für den Anleger ersichtlich sind. Derzeit leiden diese Verkaufsprospekte darunter, dass sie mit ihrem rechtlichen Fachchinesisch, teils auf bis zu 60 Seiten verteilt, für den Laien schwer lesbar sind. «Der Prospekt ist zu einem Dokument für Anwälte und Regulierer mutiert, den keiner lesen möchte», sagt Graziella Marras vom europäischen Fondsverband Efama. Auch die dank des EU-Passes unkomplizierte Vertriebszulassung von UCITS-Fonds im Ausland wird für manche Fondsgesellschaften zur bürokratischen Geduldsprobe. Weil viele Länder zur einheitlichen EU-Richtlinie noch etwas hinzureguliert haben, verzögert sich die Notifikation manchmal bis zu einem Jahr, anstatt der angestrebten zwei Monate. Dieser regulatorische Hemmschuh soll mit der neuen Richtlinie beseitigt werden.

Hedge-Fonds und Private Equity

Als starker Wachstumsmotor erwies sich in den letzten Jahren der Hedge-Fonds-Sektor. Die Zahl der Hedge-Fonds hat sich seit 2005 auf knapp 600 mehr als verdoppelt. Das verwaltete Vermögen stieg auf gegen 80 Mrd Euro an, bevor nun die Finanzmarktkrise einen Rückgang auf rund 50 Mrd Euro brachte. Dazu kommen etwa 1200 Dach-Hedge-Fonds mit einem verwalteten Vermögen von 132 Mrd Euro.

Zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen ist die EU bestrebt, das Venture Capital zu fördern. Luxemburg will sich in der Sparte Private Equity ebenfalls profilieren. Bereits 2004 wurde ein spezifischer gesetzlicher Rahmen für Anlageinstrumente im Bereich Risikokapital geschaffen. Mit dem SICAR (Société dinvestissement en capial à risque) versucht das EU-Mitgliedsland einen Beitrag zur Konvergenz des derzeit noch stark fragmentierten europäischen Marktes zu leisten. Der internationale Liquiditätsengpass hat allerdings dafür gesorgt, dass sich die Transaktionen drastisch vermindert haben. Trotzdem hofft Luxemburg, in einigen Jahren zur wichtigen Drehscheibe beim Wagniskapital zu avancieren.

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NASDAQ 100 2'539.2 -6.2 -0.2%
S&P 500 1'316.0 20.8 1.6%
Nikkei 225 8'556.6 -172.7 -2.0%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
19.47 0.73 3.90
11.16 0.35 3.24
38.92 1.10 2.91
41.37 1.13 2.81
15.75 0.35 2.27
31.32 0.32 1.03
308.00 2.70 0.88
353.00 1.00 0.28
37.78 0.03 0.08
156.40 0.00 0.00
Name Kurs +/- +/- %
36.87 1.67 4.73
38.36 1.17 3.15
6.52 0.19 3.03
63.43 1.66 2.69
30.50 0.77 2.57
53.08 0.09 0.17
34.48 -0.02 -0.04
40.96 -0.02 -0.05
75.59 -0.15 -0.20
23.83 -0.18 -0.73
Name Kurs +/- +/- %
4.97 0.34 7.24
2.62 0.14 5.73
16.64 0.75 4.69
1.07 0.05 4.59
14.35 0.53 3.84
25.26 -0.06 -0.24
13.21 -0.06 -0.41
91.39 -0.55 -0.60
2.26 -0.02 -0.96
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