24.02.2009 | 21:00
MOBILFUNK
Von:
Nicole Kircher
 

Gezänk um Handy-Antennen

Noch bis Ende Februar läuft die Anhörung für die Revision der Verordnung, welche die Mobilfunkstrahlung festlegt. Die Anbieter Swisscom, Sunrise und Orange beklagen, dass die Grenzwerte schleichend verschärft werden.

Die Antwort auf die Frage scheint einfach zu sein: Wann gilt eine Mobilfunkantenne als eine Anlage? Jede Antenne ist für sich eine eigene Anlage, würde man meinen. Aber weit gefehlt: Oft zählt zur Anlage auch die Antenne eines Konkurrenten mit, die auf dem gleichen Hausdach steht. Und auch noch eine dritte Antenne, die auf dem Hausdach 100 Meter entfernt steht.

Was genau zu einer Mobilfunkanlage «gezählt» werden soll, ist Gegenstand der laufenden Anhörung zur sogenannten Verordnung zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV). Die Frist dauert noch bis Ende Februar. Der Grund für das Gezänk rund um die Anlagendefinition ist klar: Je mehr Antennen im Umfeld eines Sendemastes mitgerechnet werden, desto tiefer darf die einzelne Antenne noch strahlen.

Höhere Grenzwerte als die EU

So finde schleichend eine Verschärfung der Grenzwerte statt, bemängeln die Mobilfunkbetreiber. Swisscom-Sprecher Sepp Huber: «Seit 1999 hat sich eine verschärfte Praxis etabliert: Als Anlage werden alle Antennen aller Betreiber auf demselben Mast oder Dach sowie in einer Distanz betrachtet, die bis 100 m weit reichen kann. Damit wird die ursprüngliche Zielsetzung untergraben.»

Auch Michael Burkhardt, Mobilfunkexperte bei Sunrise, sagt: «Der Anlagegrenzwert sollte eigentlich für die Immissionen einer einzelnen Anlage gelten. Nun sind aber in einigen Fällen auch Antennen der Konkurrenz, die hundert Meter entfernt stehen, zu berücksichtigen. Dies kommt einer indirekten Verschärfung gleich.» Und Orange-Sprecherin Therese Wenger ergänzt: «Der gleich durch mehrere Antennen einzuhaltende Anlagegrenzwert wird faktisch zu einem strengeren Immissionsgrenzwert für eine Antennengruppe ‹umfunktioniert›.»

Dass sich die Mobilfunkbetreiber wehren, kommt nicht von ungefähr: Es gibt bereits einen Immissionswert an elektromagnetischer Strahlung, der überall und jederzeit eingehalten werden muss. Zusätzlich wird in der NIS-Verordnung geregelt, wie stark eine einzelne Anlage empfindlich genutzte Räume, etwa Wohnungen, bestrahlen darf. Diese Grenzwerte sind in der Schweiz um den Faktor 10 schärfer als in der EU.

Jürg Baumann, Sektionschef Nichtionisierende Strahlung beim Bundesamt für Umwelt (Bafu), dazu: «Das Umweltschutzgesetz verpflichtet den Bundesrat, das Vorsorgeprinzip anzuwenden. Eventuelle Risiken für die Gesundheit, über die noch keine Klarheit herrscht, sollen im Sinne der Vorsorge frühzeitig vermindert werden. Um diesen Grundsatz praktikabel zu machen, hat der Bundesrat in der NISV die Anlagegrenzwerte festgelegt.» Diese seien gemäss den Vorgaben im Umweltschutzgesetz so bemessen, dass die zur Einhaltung notwendigen Massnahmen technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar sind.

Nicht gesetzlich geregelt war die Frage, ob Antennen auf benachbarten Gebäuden den Anlagegrenzwert je für sich allein oder gemeinsam einhalten müssen. Die Vollzugspraxis orientierte sich an einer Empfehlung des Bafu. Das Bundesgericht erachtete diese in einem Urteil als zweckmässig, stellte aber Mängel fest und forderte, in der NIS-Verordnung eine Rechtsgrundlage zu schaffen.

«Wettbewerb ist gefährdet»

Durch die schleichende Verschärfung in der Praxis gefährde man den Wettbewerb, kritisieren die Mobilfunkbetreiber: «Das Fernmeldegesetz fordert einen Infrastrukturwettbewerb. Mit der aktuellen Praxis der Anlagedefinition wird dieser Wettbewerb behindert, da «künstliche» Abhängigkeiten zwischen den Betreibern geschaffen werden», so Huber. Und Orange-Sprecherin Wenger erklärt: «Das Zusammenfassen mehrerer Sendeanlagen als eine Anlage widerspricht dem gesetzlich vorgeschriebenen Infrastrukturwettbewerb bei Mobilfunknetzen.»

Diametral zu den Bedürfnissen der Provider stehen die Ängste vor Antennenstrahlung. Bafu-Sektionschef Baumann sagt über die laufende Anhörung denn auch: «Wir stellen fest, dass recht viele besorgte Bürger zusätzlich eine drastische Verschärfung des Anlagegrenzwertes fordern.»

Suite 150


Auf Initiative der «Handelszeitung» geben Traditions- unternehmen, die mindestens 150 Jahre alt sind, ihr Know-how an Jungunternehmer weiter. Hier erfahren Sie, welche Firmen zum Kreis «Suite 150» gehören.
Details erfahren

Top 2011

Die Listen der 1300 grössten Unternehmen in der Schweiz sind eine einzigartige Sammlung von Daten und Kennzahlen.
Zu den neuen Listen

SMI 5'817.9 -92.3 -1.6%
SPI 5'437.5 -84.8 -1.5%
SLI 874.2 -16.4 -1.8%
SMIM 1'118.6 -20.7 -1.8%
DAX 30 6'285.8 -149.9 -2.3%
EURO STOXX 215.2 -5.9 -2.7%
FTSE 100 5'266.4 -136.9 -2.5%
Dow Jones 30 Industrial 12'334.8 -168.0 -1.3%
NASDAQ 100 2'507.2 -32.0 -1.3%
S&P 500 1'316.6 0.6 0.1%
Nikkei 225 8'556.6 -172.7 -2.0%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
155.80 -0.60 -0.38
54.65 -0.30 -0.55
1'709.00 -16.00 -0.93
49.05 -0.53 -1.07
864.50 -9.50 -1.09
37.89 -1.03 -2.65
30.49 -0.83 -2.65
40.23 -1.14 -2.76
56.25 -2.45 -4.17
375.50 -18.90 -4.79
Name Kurs +/- +/- %
75.63 0.04 0.05
23.75 -0.08 -0.31
47.38 -0.43 -0.90
52.58 -0.50 -0.94
37.91 -0.45 -1.17
29.34 -1.16 -3.79
39.32 -1.64 -3.99
MAN
78.14 -3.30 -4.05
8.39 -0.37 -4.26
14.64 -0.77 -5.00
Name Kurs +/- +/- %
2.62 0.14 5.73
1.07 0.05 4.59
14.35 0.53 3.84
8.88 0.31 3.62
15.90 0.53 3.45
9.26 -0.45 -4.60
9.50 -0.49 -4.90
4.71 -0.26 -5.14
14.46 -0.80 -5.21
11.12 -0.73 -6.12

Aktuelle Ausgabe - Morgen am Kiosk!

Aktuelle Ausgabe der Handelszeitung

  • Deutsche Banken buhlen um Schweizer Schwarzgeld. Lesen
     
  • Affäre um griechischen Ex-Minister trifft Schweizer Banken. Lesen
     
  • Griechenland: Das grosse Pokern um den Euro. Lesen
     
  • Kioske sollen auch Poststellen sein. Lesen
     

 

 

Dieses und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis
Abonnement bestellen

Top-Ten


Der schönste Strand, das meistgekaufte Auto oder die angesagteste Stadt? Unsere wöchentliche Top-Ten Liste gibt Aufschluss.
Zu den Top-Ten-Listen

finanzen.ch


Die aktuellen Börsenberichte aus aller Welt und weitere Infos für Anleger finden Sie laufend aktualisiert auf dem Schweizer Börsen- und Finanzportal finanzen.ch - einer Partner-Seite der Handelszeitung.
www.finanzen.ch

Kostenloses Probeabo


4 Wochen lang gratis am Puls der Wirtschaft.
Zur Bestellseite

Sesselwechsel


Gewerbeverband wählt Rime zum Präsidenten.
Zum aktuellen Sesselwechsel
Zur Übersichtsseite

Verlosung:

Gewinnen Sie ein edles Besteckset „duetto“, 24-teilig, von Casa Bugatti.

Mitmachen und gewinnen

Newsletter bestellen

Der Newsletter von Handelszeitung informiert Sie wöchentlich über die wichtigsten News der Schweizer WirtschaftAbonnieren Sie unseren Newsletter und Sie erhalten wöchentlich die wichtigsten News der Schweizer Wirtschaft per E-Mail.
Newsletter abonnieren

ANZEIGE

Dossiers

Die grosse Analyse - auch abseits des Spielfelds: «Handelszeitung Online»...
Alt und schön: Von klassischen Oldtimern geht eine ungewöhnliche Faszination...
Griechenland steckt in einer politischen Krise - die finanzielle Zukunft des...
Hollande oder Sarkozy? Alle Fakten und Hintergründe im Vorfeld der Stichwahl am...
Am Mittwoch hat die Schweizerische Nationalbank wieder eine komplette...
Verbissene Verhandlungen: In Deutschland herrscht keine Einigkeit, ob das...
Das 42. St. Gallen Symposium findet am 3. und 4. Mai 2012 statt.
Die «Handelszeitung» kürt die besten Nobelherbergen für Wellnessferien in der...

RSS abonnieren

ANZEIGE

Werden Sie angemessen bezahlt?

Unser Lohnvergleichs-Tool gibt Aufschluss darüber, ob Sie genügend entlöhnt werden
Das Lohnvergleichs-Tool gibt Aufschluss.
Zum Tool

ANZEIGE