Glencore-GV: Kritiker nutzen Podium

An der ersten Generalversammlung des Rohstoffkonzerns Glencore tauchten auch Nichtregierungs-Organisationen auf. Der erwartete grosse Protest blieb jedoch erstaunlich klein.

10.05.2012

Der Rohstoffkonzern Glencore hat knapp ein Jahr nach dem Börsengang in Zug seine erste Generalversammlung abgehalten.

Vertreter der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien, der Erklärung von Bern, von Brot für alle, Fastenopfer und Swissaid zogen in einer Medienmitteilung eine «ernüchternde Bilanz». Weitere Hilfswerke, Entwicklungsorganisationen und Politaktivisten warfen dem Multi Korruption, Steuerflucht und Missachtung von Menschen- und Umweltrechten vor.

An der GV selbst jedoch blieb es erstaunlich still, die Fragen der NGO konnte man an einer Hand abzählen. 

Als Einzelaktionäre forderten sie in Auskunftsbegehren mehr Transparenz und von der politischen Schweiz eine bessere Regulation des Rohstoffsektors. Dabei gehe es etwa um die Offenlegung der Steuer- und Abgabezahlungen in den Förderländern, sagte der Rohstoff-Experte von Swissaid, Lorenz Kummer, auf Anfrage. In den USA und der EU würde Gesetzen vorbereitet, die eine länderweise Publikation vorschreiben. Andere Bergbaukonzerne wie Rio Tinto erfüllten dies bereits.

Schärfere Transparenz- und Sorgfaltsstandards für den Sektor fordert auch die NGO-Kampagne «Recht ohne Grenzen». Kummer zeigte sich nach der nur 40 Minuten dauernden GV von Glencore ernüchtert darüber, dass alle Anträge des Verwaltungsrates mit über 99 Prozent angenommen worden seien. Am Rande der GV demonstrierten Aktivisten der JUSO Schweiz mit Transparenten und zwei Vampir-Schauspielern gegen «die Blutsauger von Glencore».

Schwere Vorwürfe

Die britische Nichtregierungsorganisation Global Witness publizierte für die GV einen Bericht über das Geschäftsgebaren des Konzerns in Kongo. Demnach soll Kongos Regierung unter Präsident Joseph Kabila Kupferund Kobaltminen weit unter Marktwert verkauft haben, viele davon an den Mittelsmann Dan Gertler. Dadurch könnten Kongos Bevölkerung Einnahmen von über 5 Mrd. Dollar entgangen sein, hiess es. Zudem gebe es Berichte über Kinderarbeit und massive Gewässerverschmutzung. In Kolumbien laufe eine Untersuchung des Rechnungsprüfungshofes, wonach Glencore den Staat bei Bergbau-Lizenzen übervorteilt habe.

[[nid:311040]]

Glencore-Sprecher Simon Buerk wies die Vorwürfe, die nicht neu seien, zurück. Glencore habe an der GV die Auskunftsbegehren beantwortet, Fragen seien keine gestellt worden. Die erwähnte Flussverschmutzung etwa habe seit 50 Jahren bestanden. Glencore habe nach der Übernahme der fraglichen Anlage im Jahr 2009 investiert und das Problem gelöst. Konzernchef Ivan Glasenberg habe bereits in einem BBC-Interview erklärt, dass Kinderarbeit nicht toleriert werde und Glencore sei auch nicht am kritisierten Kabila-Deal beteiligt.

Gute Geschäfte

Mit dem Geschäftsgang zeigte sich Glencore zufrieden. In den ersten drei Monaten 2012 habe sich der Handel in allen Segmenten gut entwickelt. Aus der im Februar angekündigten Fusion mit dem britisch-schweizerischen Bergbauunternehmen Xstrata seien vorsteuerliche Synergieeffekte von mindestens 500 Millionen Dollar zu erwarten. Auch an der Generalversammlung von Xstrata haben diverse Organisationen Umweltverschmutzungen und Menschenrechtsverletzungen kritisiert.

Die in Baar im Tiefsteuer-Kanton Zug ansässige Glencore war im Mai 2011 an die Börsen von London und Hongkong gegangen. Dabei wurden einige Manager, darunter Konzernchef Ivan Glasenberg, zu Milliardären. Das Unternehmen erzielte 2011 bei einem Umsatz von 186,2 Milliarden US-Dollar einen Gewinn von 4,3 Milliarden.

(rcv/chb/awp)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Der Rohstoffkonzern Glencore hat knapp ein Jahr nach dem Börsengang in Zug seine erste Generalversammlung abgehalten.

Vertreter der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien, der Erklärung von Bern, von Brot für alle, Fastenopfer und Swissaid zogen in einer Medienmitteilung eine «ernüchternde Bilanz». Weitere Hilfswerke, Entwicklungsorganisationen und Politaktivisten warfen dem Multi Korruption, Steuerflucht und Missachtung von Menschen- und Umweltrechten vor.

An der GV selbst jedoch blieb es erstaunlich still, die Fragen der NGO konnte man an einer Hand abzählen. 

Als Einzelaktionäre forderten sie in Auskunftsbegehren mehr Transparenz und von der politischen Schweiz eine bessere Regulation des Rohstoffsektors. Dabei gehe es etwa um die Offenlegung der Steuer- und Abgabezahlungen in den Förderländern, sagte der Rohstoff-Experte von Swissaid, Lorenz Kummer, auf Anfrage. In den USA und der EU würde Gesetzen vorbereitet, die eine länderweise Publikation vorschreiben. Andere Bergbaukonzerne wie Rio Tinto erfüllten dies bereits.

Schärfere Transparenz- und Sorgfaltsstandards für den Sektor fordert auch die NGO-Kampagne «Recht ohne Grenzen». Kummer zeigte sich nach der nur 40 Minuten dauernden GV von Glencore ernüchtert darüber, dass alle Anträge des Verwaltungsrates mit über 99 Prozent angenommen worden seien. Am Rande der GV demonstrierten Aktivisten der JUSO Schweiz mit Transparenten und zwei Vampir-Schauspielern gegen «die Blutsauger von Glencore».

Schwere Vorwürfe

Die britische Nichtregierungsorganisation Global Witness publizierte für die GV einen Bericht über das Geschäftsgebaren des Konzerns in Kongo. Demnach soll Kongos Regierung unter Präsident Joseph Kabila Kupferund Kobaltminen weit unter Marktwert verkauft haben, viele davon an den Mittelsmann Dan Gertler. Dadurch könnten Kongos Bevölkerung Einnahmen von über 5 Mrd. Dollar entgangen sein, hiess es. Zudem gebe es Berichte über Kinderarbeit und massive Gewässerverschmutzung. In Kolumbien laufe eine Untersuchung des Rechnungsprüfungshofes, wonach Glencore den Staat bei Bergbau-Lizenzen übervorteilt habe.

Glencore in der Kritik

Menschenrechtsorganisationen werfen dem Rohstoffriesen Glencore vor, in der Demokratischen Republik Kongo Menschenrechte und Umweltschutz zu missachten.

16.04.2012

Glencore-Sprecher Simon Buerk wies die Vorwürfe, die nicht neu seien, zurück. Glencore habe an der GV die Auskunftsbegehren beantwortet, Fragen seien keine gestellt worden. Die erwähnte Flussverschmutzung etwa habe seit 50 Jahren bestanden. Glencore habe nach der Übernahme der fraglichen Anlage im Jahr 2009 investiert und das Problem gelöst. Konzernchef Ivan Glasenberg habe bereits in einem BBC-Interview erklärt, dass Kinderarbeit nicht toleriert werde und Glencore sei auch nicht am kritisierten Kabila-Deal beteiligt.

Gute Geschäfte

Mit dem Geschäftsgang zeigte sich Glencore zufrieden. In den ersten drei Monaten 2012 habe sich der Handel in allen Segmenten gut entwickelt. Aus der im Februar angekündigten Fusion mit dem britisch-schweizerischen Bergbauunternehmen Xstrata seien vorsteuerliche Synergieeffekte von mindestens 500 Millionen Dollar zu erwarten. Auch an der Generalversammlung von Xstrata haben diverse Organisationen Umweltverschmutzungen und Menschenrechtsverletzungen kritisiert.

Die in Baar im Tiefsteuer-Kanton Zug ansässige Glencore war im Mai 2011 an die Börsen von London und Hongkong gegangen. Dabei wurden einige Manager, darunter Konzernchef Ivan Glasenberg, zu Milliardären. Das Unternehmen erzielte 2011 bei einem Umsatz von 186,2 Milliarden US-Dollar einen Gewinn von 4,3 Milliarden.

(rcv/chb/awp)

Meistgelesen

Nur Kleinanleger glauben noch an Gold
Kurs

Grossinvestoren verkaufen weiterhin Gold en masse. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Daran ändert auch die ungebrochen hohe Nachfrage von Kleinanlegern nach Münzen und Barren nichts. Mehr...

22.05.2013
Schwarzgeld

Die deutsche Regierung kritisiert seit Jahren Steueroasen im Ausland. Doch bei genauer Betrachtung ist Deutschland für Ausländer sogar selbst ein Hort für unversteuerte Gelder. Mehr...

VonMichael Houben (ARD)
16.05.2013
Goldman-Sachs-Chefökonom: «Rezession in Europa geht weiter»
Eurokrise

Goldman-Sachs-Chefökonom Jan Hatzius befürchtet eine Rückkehr der Eurokrise, falls die Peripherieländer ihre Sparpolitik aufgeben. Mehr...

VonTim Höfinghoff
22.05.2013
Lohnstudie

Wer eine Schweizer Fachhochschule durchlaufen hat, verdient 2013 leicht weniger als vor zwei Jahren. In einigen Management-Stufen gibt es dagegen grosse Lohnsprünge nach oben. Mehr...

VonNorman Bandi
22.05.2013
Immobilienboom: Der Leichtsinn der Hausfrauen*
Kommentar

Es herrscht Leichtsinn im Land. Doch an der Schweizer Betonfront wächst die Beunruhigung, denn zwei von fünf neuen Hausbesitzern droht bei höheren Zinsen die Pleite. Mehr...

15.05.2013
Gold droht der Fall unter die 1000 Dollar
Szenario

Die Erholung nach dem Crash scheint nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Ein Rohstoffexperte der Credit Suisse sieht das Edelmetall nun vor einem noch drastischeren Preissturz. Mehr...

17.05.2013
Neuheit

Das Projekt wurde über Jahre streng geheim gehalten. Nun stellte der Schweizer Flugzeugbauer in Genf seinen PC-24 erstmals vor. Der neue Businessjet kann auf kürzesten Pisten starten. Mehr...

VonStefan Eiselin
21.05.2013

Die Handelszeitung – jetzt am Kiosk

 

 

Unsere Partner    

Kommentar: Economiesuisse - das Grounding von 2013 Lesen

Fachhochschul-Absolventen stossen an Salärgrenzen. Lesen

Unterirdischer Güterverkehr: Geldsorgen. Lesen

Experten warnen vor Essen aus China. Lesen

Goldman-Sachs: «Rezession in Europa geht weiter». Lesen

Salat und Hemden im Schliessfach. Lesen

«Alstom ist keine Sozialversicherung ». Lesen

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...