Google will Anfragen offenlegen

Prism

Google hat im Skandal um die US-Internet-Überwachung laut eigenen Aussagen nichts zu verbergen - und möchte das nun mit der Veröffentlichung von Regierungsanfragen belegen.

11.06.2013

Google wagt in der brodelnden Affäre um das Ausspähen von Internetnutzern die Konfrontation mit der US-Regierung. Der Konzern will die Anfragen der Behörden nach Nutzerdaten öffentlich machen, um den Verdacht aus dem Weg zu räumen, das Unternehmen gewähre den Geheimdiensten uneingeschränkten Zugang zu seinen Systemen.

Chefjustiziar David Drummond forderte Justizminister Eric Holder und FBI-Chef Robert Mueller in einem am Dienstag veröffentlichten Brief auf, die Erlaubnis für die Veröffentlichung zu geben. Der Konzern will die Anzahl und die Breite der Anfragen offenlegen, nicht aber auf wen diese sich konkret beziehen.

«Transparenz dient dem öffentlichen Interesse, ohne die nationale Sicherheit zu gefährden», schrieb Drummond. Das Unternehmen hat ein Eigeninteresse an der Veröffentlichung, wie der Chefjustiziar klarmachte: «Google hat in den vergangenen 15 Jahren hart daran gearbeitet, das Vertrauen unserer Nutzer zu gewinnen.»

Momentan müssen Google und andere Internetfirmen schweigen, wenn sie auf Grundlage des Auslandsspionage-Gesetzes FISA verpflichtet werden, Daten ihrer Nutzer herauszugeben. Ein spezielles Gericht muss eine derartige Anfrage freigeben.

«Privatsphäre unserer Nutzer schützen»

Bereits Konzernchef Larry Page hatte am Wochenende versichert, dass die Regierung keinen direkten Zugang zu den Google-Rechenzentren habe. Die Zeitungen «Washington Post» und «Guardian» hatten dagegen von einem System mit dem Namen Prism berichtet, über das der Geheimdienst NSA sich einen direkten Zugang zu Nutzerdaten bei wichtigen Internetkonzernen verschaffen könne.

Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg wies derartige Berichte am Dienstag auf der Hauptversammlung erneut zurück. «Keine Behörde hat direkten Zugang zu unseren Servern», sagte er. Behörden könnten zwar einen Gerichtsbeschluss erwirken, doch auch dann gebe Facebook nur soweit Daten heraus, wie das Soziale Netzwerk dazu verpflichtet sei. «Wir kämpfen darum, die Privatsphäre unserer Nutzer zu schützen.»

Google gibt bereits heute einen Report heraus, in dem Anfragen von Behörden weltweit verzeichnet sind. Die Anfragen im Rahmen der nationalen Sicherheit sollten diesem Report hinzugefügt werden, erklärte Chefjustiziar Drummond. Diese Zahlen würden dann klar zeigen, dass Google in geringerem Umfang mit den Behörden kooperiere als dem Unternehmen vorgeworfen werde. «Google hat nichts zu verbergen.»

(tno/awp)

Diskussion
- Kommentare
Google Inc.
OneYear
543.34Mehr...
Mehr zum Thema
Stichworte:
Google NSA

Google wagt in der brodelnden Affäre um das Ausspähen von Internetnutzern die Konfrontation mit der US-Regierung. Der Konzern will die Anfragen der Behörden nach Nutzerdaten öffentlich machen, um den Verdacht aus dem Weg zu räumen, das Unternehmen gewähre den Geheimdiensten uneingeschränkten Zugang zu seinen Systemen.

Chefjustiziar David Drummond forderte Justizminister Eric Holder und FBI-Chef Robert Mueller in einem am Dienstag veröffentlichten Brief auf, die Erlaubnis für die Veröffentlichung zu geben. Der Konzern will die Anzahl und die Breite der Anfragen offenlegen, nicht aber auf wen diese sich konkret beziehen.

«Transparenz dient dem öffentlichen Interesse, ohne die nationale Sicherheit zu gefährden», schrieb Drummond. Das Unternehmen hat ein Eigeninteresse an der Veröffentlichung, wie der Chefjustiziar klarmachte: «Google hat in den vergangenen 15 Jahren hart daran gearbeitet, das Vertrauen unserer Nutzer zu gewinnen.»

Momentan müssen Google und andere Internetfirmen schweigen, wenn sie auf Grundlage des Auslandsspionage-Gesetzes FISA verpflichtet werden, Daten ihrer Nutzer herauszugeben. Ein spezielles Gericht muss eine derartige Anfrage freigeben.

«Privatsphäre unserer Nutzer schützen»

Bereits Konzernchef Larry Page hatte am Wochenende versichert, dass die Regierung keinen direkten Zugang zu den Google-Rechenzentren habe. Die Zeitungen «Washington Post» und «Guardian» hatten dagegen von einem System mit dem Namen Prism berichtet, über das der Geheimdienst NSA sich einen direkten Zugang zu Nutzerdaten bei wichtigen Internetkonzernen verschaffen könne.

Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg wies derartige Berichte am Dienstag auf der Hauptversammlung erneut zurück. «Keine Behörde hat direkten Zugang zu unseren Servern», sagte er. Behörden könnten zwar einen Gerichtsbeschluss erwirken, doch auch dann gebe Facebook nur soweit Daten heraus, wie das Soziale Netzwerk dazu verpflichtet sei. «Wir kämpfen darum, die Privatsphäre unserer Nutzer zu schützen.»

Google gibt bereits heute einen Report heraus, in dem Anfragen von Behörden weltweit verzeichnet sind. Die Anfragen im Rahmen der nationalen Sicherheit sollten diesem Report hinzugefügt werden, erklärte Chefjustiziar Drummond. Diese Zahlen würden dann klar zeigen, dass Google in geringerem Umfang mit den Behörden kooperiere als dem Unternehmen vorgeworfen werde. «Google hat nichts zu verbergen.»

(tno/awp)

Meistgelesen

Nespresso öffnet Kapselmarkt in Frankreich
Aufforderung

Der Hersteller von Kaffee-Kapseln beugt sich dem Druck der französischen Behörden. Gegenüber der Konkurrenz muss er Details zu den Maschinen offenlegen. Das könnte aber noch nicht alles sein. Mehr...

17.04.2014
Sell in May? Warum sich der Ausstieg nicht lohnt
Strategie

«Sell in May and go away» lautet eine alte Börsenweisheit. Nimmt man allerdings die Statistik, so ist der Mai alles andere als ein schwacher Börsenmonat. Mehr...

VonGeorg Pröbstl
17.04.2014
Mammut will Amazon ausschalten
Kampf

Outdoor-Hersteller Mammut will die Preise seiner Produkte besser unter Kontrolle haben. In Deutschland wurde bereits ein Verkaufsverbot eingeführt. Mehr...

VonBenita Vogel
16.04.2014
Wenn eine Schweizer Superjacht das Aus bedeutet
Schiffbau

Die Superjacht eines Schweizer Firmengründers gibt in Neuseeland zu reden. Die Werft ging gleich nach der Schiffstaufe bankrott. Mehr...

VonChristian Bütikofer
16.04.2014
Frick-Mörder: Suche in Liechtenstein beendet
Vergeblich

Der mutmassliche Todesschütze und Mörder des Chefs der Bank Frick bleibt verschollen. Die Polizei stellt die Suche am Rhein ein. Dennoch wollen die Behörden nicht aufgeben. Mehr...

16.04.2014
Orascom-Chef glaubt an den baldigen Ägypten-Boom
Tourismus

Ist der Ägyptentourismus am Ende? Mitnichten, sagt Orascom-Chef Samih Sawiris. Der Investor leidet stark unter dem Rückgang im Ägypten-Tourismus – doch er sieht einen Aufschwung noch in diesem Jahr. Mehr...

VonGabriel Knupfer
16.04.2014
Fast jede zweite Firma fürchtet Personalmangel
Einwanderung

Die Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative hat die Ängste der Schweizer Wirtschaft befeuert. Fast jeder zweite Schweizer Konzern fürchtet Engpässe beim Personal, ergab eine Umfrage der UBS. Mehr...

16.04.2014

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      

Sixt greift Mobility an Mehr

UPC fürchtet Importrestriktionen für TV-Boxen Mehr

Mammut will Amazon ausschalten. Mehr

Schweizer Aufpasser untersuchen Hypo-Bankenpleite. Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...