02.06.2009 | 21:00
LATEINAMERIKA
Von:
Pascal Thorens
Foto:
Bild: Bruno Arnold
 

Haus in Ordnung gebracht

Die Börsen überflügeln seit Jahresbeginn die Industriestaaten. Die Länder sind gut aufgestellt und haben auch längerfristig Potenzial.

 

Während die Aktienkurse in den Industriestaaten gemessen am MSCI World per Mitte Mai nicht über das Niveau zum Jahresbeginn hinaus- gekommen sind, boten die Märkte in Südamerika eindrückliche Kurs-avancen (MSCI Latin America +31%). Diese Entwicklung einzig als Gegenbewegung zum massiven Kurssturz im vergangenen Jahr zu sehen, greift zu kurz. Eine genauere Analyse zeigt: Viele Staaten Lateinamerikas stehen besser da als die Industrienationen.

Drei Favoriten

Die drei führenden Volkswirtschaften in Lateinamerika sind Brasilien, Mexiko und Chile. Sie repräsentieren zusammen rund 90% der Marktkapitalisierung der Region. Brasilien und Mexiko sind die bevölkerungsreichsten Länder Lateinamerikas. Gemessen am BIP handelt es sich um die Nr. 10 bzw. Nr. 13 der grössten Volkswirtschaften der Welt. Chile ist die stabilste und reichste Nation des Kontinents mit dem höchsten BIP pro Kopf. Im Gegensatz zu anderen Schwellenländern können die Aktienmärkte Lateinamerikas vor allem durch ihre hohe Liquidität punkten.

Lateinamerika und insbesondere diese drei Länder werden sich im Vergleich mit den Industrienationen über die nächsten Jahre überdurchschnittlich entwickeln, ist Roberto Nemr, Fondsmanager beim brasilianischen Finanzinstitut Banco Itaú, überzeugt: «Die Länder zeichnen sich durch eine anziehende Binnennachfrage, solide Fiskal- und Zinspolitik und durch ein stabiles Bankensystem aus.» Ausgehend von diesem positiven Marktumfeld rechnet Nemr, der den Nordea Latin American Equity Fund verwaltet, längerfristig mit weiteren Kursanstiegen.

Solide Fundamentaldaten

Gemäss Nemr wird die Rezes-sion auch in Lateinamerika ihre Spuren hinterlassen. Aber während in vielen Industrienationen das BIP 2009 schrumpft, wird für einzelne Staaten Lateinamerikas ein Wirtschaftwachstum von über 4% prognostiziert. Viele Daten sprechen für die Krisenfestigkeit der Region. So sind die Banken weitgehend von den Turbulenzen, die von der Immobilienblase ausgegangen sind, isoliert. Von der Entschuldungswelle, welche viele andere Volkswirtschaften momentan belastet, ist in Lateinamerika wenig zu spüren. Die brasilianische Staatsverschuldung beläuft sich auf etwa 36% des BIP, während sie in den USA gegen 200% beträgt. Dank der hohen Devisenreserven von über 200 Mrd Dollar hätte Brasilien genug Mittel, um praktisch alle Staats- und Unternehmensschulden im Ausland zu begleichen.

Auch hinsichtlich Geldpolitik haben die Staaten überzeugende Arbeit geleistet. Mit den hohen Zinsen hielten die Zentralbanken die Inflation in den vergangenen Jahren im gewünschten Zielband. Dies kommt der Wirtschaft nun zugute: Mit 13,75% hatte Brasilien Anfang Jahr die höchsten Leitzinsen der Welt und damit noch ein wirksames Stimulations-Instrumentarium in der Hand. Mittlerweile liegen sie bei 11,25%. Weitere Zinssenkungen zur Ankurbelung der Konjunktur sind gemäss Nemr wahrscheinlich. Chile senkte dieses Jahr die Zinsen bereits um 6%. Keine andere grössere Volkswirtschaft weltweit hat die Zinsen stärker gesenkt.

Konsum statt Rohstoffe

In den vergangenen Jahren und in der Rally der letzten Wochen konnten die Aktienmärkte Lateinamerikas vor allem durch ihre starke Rohstoffgewichtung punkten. Beim MSCI Brazil ist der Sektor über 50% gewichtet. Dieser Anteil widerspiegelt aber nicht die Realwirtschaft, erklärt Nemr: «Rohstoffe sind für die Region zwar wichtig, aber lediglich 11% des brasilianischen BIP stammen von Unternehmen aus dem Rohstoffumfeld.» Die lateinamerikanischen Märkte werden in Zukunft auch von anderen Sektoren getrieben. Insbesondere der Binnenkonsum trägt in den nächsten Jahren zum überdurchschnittlichen Wachstum bei. Allein in Brasilien rückten über 10% der Bevölkerung in den letzten fünf Jahren aus der Armut in die Mittelschicht auf. Die Arbeitslosigkeit konnte gesenkt werden und die Pro-Kopf-Einkommen stiegen - auch dank den Unterstützungsprogrammen der Regierung.

Geringe Korrelation

Nemr setzt mit dem Nordea Latin American Equity Fund derzeit auf die Sektoren Finanz, Telekommunikation, Konsumgüter sowie Roh- und Betriebsstoffe. Bei den momentan anziehenden Rohstoffpreisen sind Titel wie Ultrapar, Vale oder Petrobras interessant. Im Telekommunikationssektor hat aufgrund der noch geringen Handy-Verbreitung der grösste Mobilfunkanbieter der Region, América Móvil, enormes Wachstumspotenzial. Der Titel nimmt die zweitgrösste Position im Portfolio ein. «Mexiko spielt auf dem Markt der spanischsprachigen Medien eine bedeutende Rolle. Davon werden Medienunternehmen wie Televisa profitieren», sagt Nemr.

Bei einem Engagement in Lateinamerika sollten Anleger die unterschiedliche Dynamik der einzelnen Länder beachten. Aufgrund der geringen Korrelation untereinander und der grossen Gewichtung des Rohstoffsektors in den Indizes ist eine Diversifikation über Länder und Branchen hinweg wichtig. Es empfehlen sich aktiv verwaltete Anlagefonds, deren Manager die Unternehmen in der Region gut kennen und die Branchen und Titel gezielt gewichten.

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Dow Jones Ind.12.884,05,8plus0,0%
S&P 5001.263,013,4plus1,1%
NASDAQ Composite Index2.648,4-0,4minus-0,0%
Nikkei 2259.015,698,1plus1,1%
EUR/CHF1,21020,0plus0,1%
USD/CHF0,91260,0plus0,1%
Ölpreis (WTI)99,10,7plus0,7%
Goldpreis1.736,0-12,4minus-0,7%

Top und Flops

NameKurs+/-+/- %
25,230,230,92
162,301,300,81
36,100,280,78
13,100,080,61
230,400,900,39
46,50-0,55-1,17
394,20-4,10-1,03
53,40-0,50-0,93
291,80-2,10-0,71
51,30-0,35-0,68
NameKurs+/-+/- %
2,100,157,58
22,840,441,96
34,470,521,53
29,850,210,71
32,520,160,48
7,51-0,11-1,47
56,71-0,84-1,46
77,03-1,02-1,31
54,25-0,67-1,22
17,00-0,20-1,13
NameKurs+/-+/- %
3,320,206,56
1,620,053,33
17,250,553,29
34,660,982,89
37,911,052,83
55,65-0,81-1,44
7,28-0,09-1,18
54,45-0,55-1,00
123,94-1,23-0,98
25,12-0,24-0,95

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