Telekom
Von:
Matthias Niklowitz
Foto:
Bild: Martin Guggisberg
 

«Ich tippe auf Swisscom»

Telecom-Experte Fritz Sutter über den möglichen Sieger des Festnetz-Infrastrukturkampfes, die grenzen der Feinverteilung und die Situation der KMU-Kunden in diesem Wettbewerb.

 

Gegenwärtig spielt sich der Wettbewerb vor allem bei der Festnetz-Infrastruktur ab. Wer hat hier die besseren Karten – Swisscom, Elektrizitätswerke oder Kabelnetzbetreiber?

Das ist langfristig abhängig von ihrer Investitionsbereitschaft in die Glasfasernetze. Sie besitzen die Kabelschächte. In den Städten und Agglomerationen wage ich keine Prognose, entscheidend wird letztlich der Kundendienst sein. Bei den Newcomern spielt zudem eine Rolle, wie rasch sie Telecom-Know-how aufbauen können. Zudem müssen sie ihre Infrastrukturen regional oder national auf gemeinsamen Plattformen konsolidieren. In ländlichen Gebieten tippe ich auf Swisscom, weil sie nach wie vor das Service-Public-Gen in sich trägt.

Vereinzelt kommt es zu Kooperationen. Wo und wie machen die Sinn (im Sinne des Wettbewerbs)?

Ich bin sicher, dass Kooperationen keine Einzelfälle bleiben. Das Verlegen von Glasfaserkabeln ist teuer. Bei allen bisher angekündigten Zusammenarbeitsformen wird angestrebt, diese Kosten zu teilen, unabhängig davon, wer baut. Das ist volkswirtschaftlich sinnvoll, und der Wettbewerb ist gewährleistet sowohl auf Netz- als auch Serviceebene. Aus Konsumentensicht ist überdies eine Standardisierung der Hausverkabelung wünschenswert, weil sie ebenfalls Kosten spart. Der von Marc Furrer, Präsident der ComCom, initiierte „Runde Tisch“ ist aus diesen Gründen und mit diesen Zielsetzungen ins Leben gerufen worden.

Wäre eine Aufteilung in Kabelnetzgesellschaft und Diensteanbieter sinnvoll?

Sie sprechen die nationale Netzgesellschaft an. Mit der Liberalisierung des Telecommarktes entschied sich der Gesetzgeber für den Weg des Netzwettbewerbs. Mit Erfolg: Die Schweiz findet sich in allen internationalen Infrastruktur-Vergleichen in der Spitzengruppe, nicht zuletzt dank der Fernseh-Kabelnetze. Jetzt treten zusätzlich die EWs auf den Markt, der Netzwettbewerb verschärft sich. Der Anteil der Swisscom am Festnetzumsatz liegt klar unter dem Durchschnitt der historischen Anbieter in den EU-Ländern. Ich sehe eigentlich keinen Grund, vom eingeschlagenen Weg abzukommen. Der erfolgreichste Weg, Wettbewerb zu verhindern, ist, ihn vom Staat zu verordnen.

Gibt es für die Trennung von Services und Infrastruktur im Ausland funktionierende und übertragbare Beispiele?

Meines Wissens hat das bisher nur BT umgesetzt – und zwar nicht ganz freiwillig. Der Erfolg hält sich in Grenzen, auch für die Konsumenten: Gemessen am Standard-Warenkorb der OECD sind die Telefonkosten in England sowohl für Privat- als auch für Geschäftskunden wesentlich höher als in der Schweiz.

Welche Feinverteilung macht Sinn – FTTH, FTTC?

Letztlich natürlich FTTH. Aber betriebswirtschaftlich wird sich das flächendeckend für die Investoren in den nächsten Jahren nicht rechnen. Der „Breitbandhunger“ des durchschnittlichen Privatkunden wird überschätzt. Es sind noch wenige, die FTTH-Kapazität wirklich brauchen und dafür bezahlen wollen. Das ist auch der Grund, dass sowohl die Kabelnetzgesellschaften wie auch Swisscom den Weg über die Zwischenstufe FTTC wählten. Aber ebenso klar ist, dass man in zehn Jahren mitleidig lächelt über die heutigen Bandbreiten von „nur“ 20 Mbits.

Wimax (Der Mobilfunk) könnte einen weiteren Zugang zu den Endkunden eröffnen – was ist hiervon für den Wettbewerb zu erwarten?

Eine der spannendsten Fragen überhaupt. Der mobile Hochgeschwindigkeits-Zugang mit über 100 Mbps wird das Kommunikationsverhalten ausserhalb von Gebäuden nochmals revolutionieren. So wie das Mobiltelefon teilweise den Festnetzanschluss ersetzt, werden künftig drahtlose Technologien die Festnetze zwar nicht ersetzen, aber ergänzen.

Aus Grossbritannien hiess es, dass fünf Wettbewerber zu viel sind für ein auskömmliches Geschäft. Die Schweiz hat – je nach Bereich – zwei bis vier. Würde ein Newcomer das Geschäft noch aufmischen?

Also grundsätzlich aufmischen, das wäre für einen neuen Anbieter nun wirklich nicht einfach. Ich  rechne in unserem doch relativ kleinen Markt eher mit einer gegenteiligen Entwicklung, also einer Konsolidierung. Erste Schritte sind im Festnetz- und Mobilbereich zu beobachten, wie beispielsweise Netzoutsourcing oder die gemeinsame Nutzung vom Mobilfunk-Infrastrukturen. Für innovative Nischenanbieter hat es jedoch weiterhin Platz. Ich darf darauf hinweisen, dass heute über 70 Telecom-Anbieter in der Schweiz registriert sind, die aktiv auf dem Markt sind.

Die schlechteste Situation haben Firmenkunden aus dem KMU-Umfeld: Sie zahlen soviel wie Privatkunden, haben aber nicht die Privilegien der ganz grossen Firmenkunden. Warum spezialisiert sich kaum jemand auf dieses Segment?

Sie haben recht. Allerdings stellen die meisten der 300'000 KMU ähnliche Anforderungen wie Privatkunden, zudem fehlen den meisten die Telecom-Fachleute. Für die grösseren und fortschrittlicheren müssten integrierte Branchenlösungen und Beratung angeboten werden. Ich stelle in letzter Zeit erfreulicherweise eine zunehmende Aktivität mehrerer Telecomanbieter fest, sich bei den KMU zu positionieren.

Bei den Services scheint sich die privilegierte Situation der Telecom-Gesellschaften zugunsten der Inhalteanbieter (Apple, Google, Cisco mit Telepresence) zu verlagern – welche Dienste könnten die Telecom-Gesellschaften jetzt noch lancieren, damit sie nicht nur zu Datentransporteuren abgestuft werden?

Vorerst: Die Inhalteproduktion gehörte noch nie zum Kerngeschäft der Telcos. Daran wird sich nur wenig ändern. Sie fokussieren sich mehr auf die kundengerechte Bereitstellung von Inhalten, seien das Fernsehprogramme, Filme, Musik, Archive usw. Aber die Frage ist berechtigt, wie das Geschäftsmodell der Telecomanbieter langfristig aussehen wird. Sie wollen vermutlich auch am Geschäftserfolg der Googles und Amazones teilhaben. Inhalteanbieter oder -nutzer müssten dann für den zeitlich oder sicherheitsmässig privilegierten Internetverkehr bezahlen. There is no free lunch: Auf Dauer gibt es kein Menschenrecht auf Gratisleistungen. 

Fritz Sutter war während der gesamten Berufszeit in der ICT-Branche tätig, davon über 30 Jahre in Verkaufs- und Managementpositionen bei IBM Schweiz. 1996 wechselte er zu Swisscom, wo er die Aufgabe als Stabschef der Change-Projekte übernahm und anschliessend bis zu seiner Pensionierung verantwortlich wurde für den Bereich "Regulatory Affairs". Seither organisiert er den jährlichen ICT-Networkingparty-Branchenanlass in Bern. Er ist zudem im Vorstand des Schweizerischen Telekommunikationsverbandes asut und des Dachverbandes ICTswitzerland, äussert im Interview jedoch seine persönliche Meinung.

 

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Top und Flops

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25,230,230,92
162,301,300,81
36,100,280,78
13,100,080,61
230,400,900,39
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394,20-4,10-1,03
53,40-0,50-0,93
291,80-2,10-0,71
51,30-0,35-0,68
NameKurs+/-+/- %
2,100,157,58
22,840,441,96
34,470,521,53
29,850,210,71
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NameKurs+/-+/- %
3,320,206,56
1,620,053,33
17,250,553,29
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