10.03.2010 | 05:30
RIET CADONAU
Von:
Interview: Nicole Kircher und Alice Chalupny
Foto:
Bild: Renate Wernli
 

«Keine Pläne für eine Kapitalerhöhung»

Der Technologiekonzern Ascom hat das Krisenjahr 2009 erstaunlich gut überstanden. CEO Cadonau will künftige Zukäufe mit selbst erwirtschaftetem Geld bezahlen. Für das 20-Prozent-Aktienpaket, das die Zürcher Kantonalbank hält, könnte sich 2010 eine Lösung finden lassen.

 

2009 steht Ascom solide da. In früheren Rezessionen war das jeweils anders. Warum?

Riet Cadonau: Es ist tatsächlich anders als früher. Alle drei Divisionen der Ascom sind profitabel, und das Unternehmen verzeichnet auch Wachstum. Wir haben unsere Strategie konsequent umgesetzt und uns auf Nischenmärkte im Firmenkundengeschäft unter dem Dach von Mission-Critical Communication fokussiert. Bereits 2008 haben wir den Grossteil der Hausaufgaben erledigt. Seit 2008 wurden sechs Devestitionen und drei Akquisitionen getätigt. Parallel lief ein Restrukturierungsprogramm, das bereits Ende 2008 abgeschlossen wurde. Darum ist Ascom heute sehr solide aufgestellt.

Das haben wir auch von Ihren Vorgängern oft gehört.

Cadonau: Die Vergangenheit will ich nicht kommentieren. Auf der Basis des im Herbst 2007 initiierten Investitions- und Restrukturierungsprogramms verfügten wir über die notwendigen Mittel, um die erforderlichen Bereinigungen vorzunehmen. Ascom hatte in der Vergangenheit im Vergleich zu ihren Mitbewerbern zu viele Unzulänglichkeiten. Das ist heute anders. Natürlich gibt es immer noch Herausforderungen, doch diesen können wir uns stellen. Zudem haben wird das Management verstärkt. Das Top-40-Management der Ascom wurde in den letzten beiden Jahren zu zwei Dritteln erneuert.

Sie sagen, Ascom verfüge über die nötigen Mittel. Wie viel haben Sie in der Kasse?

Cadonau: Eine tiefe dreistellige Millionensumme. Die Liquidität des Unternehmens ist solide und wir haben einen entsprechenden Handlungsspielraum.

Mit diesen Mitteln planen Sie für dieses Jahr eine Akquisition im Bereich Wireless Solutions. Wie sieht der Fahrplan aus?

Cadonau: Kurzfristig ist keine Akquisition geplant. Grundsätzlich müssen für eine weitere Akquisition drei Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens: Die Integration von Tems - ein Geschäftsbereich, den wir 2009 für 190 Mio Fr. von Ericsson akquiriert haben - muss planmässig verlaufen. Zweitens müssen die operativen Zahlen auf Gruppenstufe stimmen und drittens darf sich die allgemeine Wirtschaftslage nicht verschlechtern. Zu diesen Punkten sehe ich heute keine Hindernisse. Weiter muss ein konkretes Übernahmeobjekt unseren Akquisitionskriterien entsprechen. Für eine Akquisition steht die Division Wireless Solutions im Vordergrund, welche seit Jahren gute Ergebnisse liefert und reif ist, einen Zukauf professionell zu integrieren.

In welchem Zeitrahmen soll ein Kauf über die Bühne gehen?

Cadonau: Ein Zukauf wird - wenn er denn tatsächlich stattfindet - aus heutiger Sicht frühestens im 2. Halbjahr vollzogen.

Wie finanzieren Sie?

Cadonau: Es bestehen keine Pläne für eine Kapitalerhöhung. Eine allfällige Akquisition wird primär aus eigenen Mitteln finanziert.

In welcher Grössenordnung könnte eine solche Akquisition ausfallen?

Cadonau: Es wird sicher ein deutlich kleinerer Zukauf werden als Tems. Ein allfälliges Übernahmeobjekt sehe ich im zweistelligen Umsatzbereich, wobei ich heute noch nicht sagen kann, ob es ein tiefer oder mittlerer zweistelliger Umsatz sein wird. Das hängt vom Übernahmeobjekt ab.

Wie ist denn das allgemeine Umfeld der Division Wireless Solutions? Ihr deutscher Konkurrent Funkwerk jammert ja stark.

Cadonau: Wireless Solutions ist sehr solide unterwegs. Wir haben in die Prozesse investiert, beispielsweise in die Verkaufsproduktivität. Und: Trotz wirtschaftlicher Krise haben wir die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung auf Gruppenstufe im Jahr 2008 weiter erhöht.

Wie viel war das?

Cadonau: In absoluten Zahlen steigerten wir die Aufwendungen für F&E von knapp 33 Mio Fr. im Jahr 2008 auf 47 Mio Fr. im Jahr 2009, wobei auch die Akquisition von Tems zu dieser Entwicklung beigetragen hat. Die Ausgaben für F&E betragen 2009 8,7% gegenüber 6,5% im Vorjahr. Ich sage ganz klar: Solange eine Division profitabel arbeitet, kürzen wir Forschung und Entwicklung nicht. Damit verbessern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Jahrelang jagte eine Restrukturierung die nächste. Ist das nun vorbei?

Cadonau: Die Frage nach weiteren Restrukturierungen stellten mir Mitarbeiter anfangs auch immer wieder. Bei Ascom gab es in den vergangenen Jahren derart viele Veränderungen, dass gewisse Beschäftigte geradezu damit rechneten. Aber allfällige Restrukturierungen gibt es bei Ascom nicht nach dem Giesskannenprinzip, sondern nur selektiv. Gegenwärtig sind keine Restrukturierungen geplant.

Es gab aber Ende 2009 noch Kurzarbeit am Ascom-Standort Solothurn.

Cadonau: Ja, aber diese wurde Anfang 2010 aufgehoben. Der Grund war ein verzögerter Auftrag aus den USA, der inzwischen eingetroffen ist. Kurzarbeit ist ein sehr gutes Instrument, um solche Situationen zu überbrücken.

Wie sind die Aussichten fürs laufende Jahr?

Cadonau: Wir bleiben vorsichtig mit Prognosen. Aber ich kann sagen, dass wir 2010 weiter wachsen werden, getragen durch die Vollkonsolidierung von Tems. Und was die Profitabilität angeht: Wir streben an, auch diese im Jahr 2010 weiter zu verbessern.

Was ist mit dem Ziel, eine Betriebs- marge auf Stufe Ebit von 10% zu erzielen?

Cadonau: Unsere künftige Masszahl wird Ebitda sein, da damit die wirkliche operative Performance gezeigt wird. Nachdem wir im Jahr 2009 eine gute einstellige Ebitda-Marge erreicht haben, streben wir 2010 eine zweistellige Ebitda-Marge an. Mittelfristig halten wir aber an unserer Zielsetzung 10% Ebit bei 5% organischem Wachstum fest. 2009 war 5% organisches Wachstum aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage nicht möglich. Dennoch haben wir im Jahr 2009 ein erfreuliches Ergebnis erzielt. Unter Ausschluss von Sonderbelastungen kam die Ebit-Marge schon recht nahe an unsere Mittelfristzielsetzung.

Welche Folgen haben die Währungsschwankungen?

Cadonau: Sie haben klar gegen uns gearbeitet. Bei Tems war es substanziell: Wir haben das Unternehmen gekauft, als der Dollar bei 1.20 Fr. lag. Aufgrund der Währungsschwankungen fiel der Umsatz um fast 20% tiefer aus.

Sichert sich Ascom gegen Währungsschwankungen ab?

Cadonau: Transaktionsrisiken sichern wir für grössere Aufträge ab. Translationsrisiken, d.h. Währungsumrechnungen, im Rahmen der Konsolidierung können wir nicht absichern.

Sie betonen, wie solide aufgestellt Ascom heute ist. Wäre nun ein guter Zeitpunkt, um einen Käufer für das 20%-Aktienpaket zu finden, das die Zürcher Kantonalbank hält?

Cadonau: Die ZKB wird selber entscheiden, wann sie das Paket veräussert. Die Bank hat mehrmals betont, dass sie kein langfristiger industrieller Investor ist.

Aber sie benimmt sich doch sicher artig und hält Rücksprache mit Ihnen.

Cadonau: Ein Aktionär ist nicht verpflichtet, mit uns Rücksprache zu nehmen.

Gabs wirklich nie ein Veto von Seiten der Ascom gegen potenzielle Investoren?

Cadonau: Nein. Und wenn Sie mich nach meiner ganz persönlichen Meinung fragen: Ich schliesse nicht aus, dass das Thema «neue Investoren» im Jahr 2010 angegangen wird, gerade weil das Unternehmen nun auf einer soliden Basis steht.

Sieht das auch Ihr VR-Präsident Juhani Anttila so?

Cadonau: Wir arbeiten sehr gut zusammen und pflegen einen regelmässigen Austausch. Und, ganz wichtig: Wir erzielten bis heute in allen fürs Unternehmen wichtigen Punkte Konsens.

Top 2011

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Zu den neuen Listen

SMI6.155,9-1,7minus-0,0%
SPI5.583,7-1,4minus-0,0%
SLI940,30,2plus0,0%
SMIM1.197,4-2,9minus-0,2%
DAX 306.748,8-5,4minus-0,1%
EURO STOXX 502.512,9-1,2minus-0,0%
Dow Jones Ind.12.884,05,8plus0,0%
S&P 5001.263,013,4plus1,1%
NASDAQ Composite Index2.648,4-0,4minus-0,0%
Nikkei 2259.015,698,1plus1,1%
EUR/CHF1,21010,0minus-0,0%
USD/CHF0,91400,0plus0,1%
Ölpreis (WTI)98,70,6plus0,6%
Goldpreis1.731,3-14,0minus-0,8%

Top und Flops

NameKurs+/-+/- %
25,230,230,92
162,301,300,81
36,100,280,78
13,100,080,61
230,400,900,39
46,50-0,55-1,17
394,20-4,10-1,03
53,40-0,50-0,93
291,80-2,10-0,71
51,30-0,35-0,68
NameKurs+/-+/- %
2,100,157,58
22,840,441,96
34,470,521,53
29,850,210,71
32,520,160,48
7,51-0,11-1,47
56,71-0,84-1,46
77,03-1,02-1,31
54,25-0,67-1,22
17,00-0,20-1,13
NameKurs+/-+/- %
3,320,206,56
1,620,053,33
17,250,553,29
34,660,982,89
37,911,052,83
55,65-0,81-1,44
7,28-0,09-1,18
54,45-0,55-1,00
123,94-1,23-0,98
25,12-0,24-0,95

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