Lyoness: Top-Kader sahnten mit illegalem Schenkkreis ab

Pyramide

Die Einkaufsgemeinschaft Lyoness, die Mitgliedern Rabatte auf allerlei Produkte verspricht, erzielt in der Schweiz Millionenumsätze. Führende Schweizer waren in illegalen Schenkkreisen aktiv.

03.04.2013

Die Einkaufsgemeinschaft Lyoness, die Mitgliedern Rabatte auf allerlei Produkte verspricht, erzielt in der Schweiz Millionenumsätze. Angeblich weiss niemand, woher die Einkaufsgemeinschaft ihre Millionen hat. Nun zeigen Recherchen des «Beobachters»: Das Geschäftsmodell ist nicht nur pyramidenförmig aufgebaut, obendrein waren führende Personen von Lyoness in der Schweiz bis vor wenigen Jahren auch in illegalen Schenkkreisen aktiv und machten damit ihr Geld.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft, seit einem Jahr mit zusätzlichen Kompetenzen im Kampf gegen Schneeballfirmen und unlautere Geschäftspraktiken ausgestattet, bleibt untätig. Angeblich liegen zu wenig Beschwerden über das schwer durchschaubare Geschäftsmodell von Lyoness vor, schreibt der «Beobachter», der wie handelszeitung.ch zum Verlag Axel Springer Schweiz gehört.

Schweiz Finanzdrehscheibe

Hinter 
Lyoness verbirgt sich ein schwer durchschaubares Geschäftsmodell. Sich selbst bezeichnet Lyoness als Einkaufsgemeinschaft. Wer bei Partnerfirmen einkauft, erhält Rabatte im tiefen einstelligen Prozentbereich. Diese Rabatte lassen sich die Mitglieder in «Einheiten» gutschreiben, um später Prämien zu erreichen. Weil das mit normalen Einkäufen zu lange dauert, wird den Mitgliedern empfohlen, solche «Einheiten» mit «Gutscheinanzahlungen» zu kaufen und dank neugeworbenen Mitgliedern und deren zugekauften «Einheiten» in der Hierarchie aufzusteigen – um so noch höhere Prämien zu erreichen. Der Umsatz der gesamten Gruppe wird auf einen hohen dreistelligen Millionen­betrag geschätzt.

Die Schweiz bildet im Lyoness-System de facto die Finanzdrehscheibe. Hierhin fliessen die Gelder, die Lyoness in Europa und in der Welt zusammenträgt. In Buchs SG ist Lyoness Inter­national mit ihren Tochterfirmen domiziliert, darunter die Lyoness Europe AG mit rund 30 weiteren Tochtergesellschaften. Recherchen von handelszeitung.ch machten Millionenausschüttungen an die Österreicher um Hubert Freidl öffentlich.

Perpetuum Mobile seit 20 Jahren

In der Schweiz kann Firmengründer Freidl auf eine besonders aktive Anhängerschaft zählen. Allerdings hat die hiesige Spitze ­eine zweifelhafte Vergangenheit. In führender Stellung agiert eine illustre Dreiergruppe um Giovanni Cefariello, Jörg Flubacher und Eveline Rost. Die Truppe hat Erfahrung in der wundersamen Geldvermehrung: Sie gründeten mit den Buchstaben ihrer Nach­namen zusammen die CeFluRo GmbH. Der Firmenzweck laut Handelsregistereintrag: «[…] Förderung von Ein­kaufs­gemein­schaf­ten und Handelspartnern zum Kauf von Waren und Gütern aller Art  […]» Noch vor wenigen Jahren waren die drei an vorderster Front für den Schenkkreis «Spirit of Independence» aktiv, etwa im deutschen Meersburg.

Bis dahin dreht sich das Perpetuum mobile weiter – seit 20 Jahren. Ein halbes Dutzend Firmen hat Hubert Freidl in dieser Zeit betrieben. Das Geschäfts­modell war immer wieder ähnlich: Erst verkaufte er «Gutscheine», später liquidierte er die Firmen. Einmal nannte er das Konstrukt Global Trade System, GTS. Böse Zungen behaupten, Freidl habe eine andere Erklärung für diese Abkürzung gehabt: «Gemma Teppen suchen».

(chb)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Die Einkaufsgemeinschaft Lyoness, die Mitgliedern Rabatte auf allerlei Produkte verspricht, erzielt in der Schweiz Millionenumsätze. Angeblich weiss niemand, woher die Einkaufsgemeinschaft ihre Millionen hat. Nun zeigen Recherchen des «Beobachters»: Das Geschäftsmodell ist nicht nur pyramidenförmig aufgebaut, obendrein waren führende Personen von Lyoness in der Schweiz bis vor wenigen Jahren auch in illegalen Schenkkreisen aktiv und machten damit ihr Geld.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft, seit einem Jahr mit zusätzlichen Kompetenzen im Kampf gegen Schneeballfirmen und unlautere Geschäftspraktiken ausgestattet, bleibt untätig. Angeblich liegen zu wenig Beschwerden über das schwer durchschaubare Geschäftsmodell von Lyoness vor, schreibt der «Beobachter», der wie handelszeitung.ch zum Verlag Axel Springer Schweiz gehört.

Schweiz Finanzdrehscheibe

Hinter 
Lyoness verbirgt sich ein schwer durchschaubares Geschäftsmodell. Sich selbst bezeichnet Lyoness als Einkaufsgemeinschaft. Wer bei Partnerfirmen einkauft, erhält Rabatte im tiefen einstelligen Prozentbereich. Diese Rabatte lassen sich die Mitglieder in «Einheiten» gutschreiben, um später Prämien zu erreichen. Weil das mit normalen Einkäufen zu lange dauert, wird den Mitgliedern empfohlen, solche «Einheiten» mit «Gutscheinanzahlungen» zu kaufen und dank neugeworbenen Mitgliedern und deren zugekauften «Einheiten» in der Hierarchie aufzusteigen – um so noch höhere Prämien zu erreichen. Der Umsatz der gesamten Gruppe wird auf einen hohen dreistelligen Millionen­betrag geschätzt.

Die Schweiz bildet im Lyoness-System de facto die Finanzdrehscheibe. Hierhin fliessen die Gelder, die Lyoness in Europa und in der Welt zusammenträgt. In Buchs SG ist Lyoness Inter­national mit ihren Tochterfirmen domiziliert, darunter die Lyoness Europe AG mit rund 30 weiteren Tochtergesellschaften. Recherchen von handelszeitung.ch machten Millionenausschüttungen an die Österreicher um Hubert Freidl öffentlich.

Perpetuum Mobile seit 20 Jahren

In der Schweiz kann Firmengründer Freidl auf eine besonders aktive Anhängerschaft zählen. Allerdings hat die hiesige Spitze ­eine zweifelhafte Vergangenheit. In führender Stellung agiert eine illustre Dreiergruppe um Giovanni Cefariello, Jörg Flubacher und Eveline Rost. Die Truppe hat Erfahrung in der wundersamen Geldvermehrung: Sie gründeten mit den Buchstaben ihrer Nach­namen zusammen die CeFluRo GmbH. Der Firmenzweck laut Handelsregistereintrag: «[…] Förderung von Ein­kaufs­gemein­schaf­ten und Handelspartnern zum Kauf von Waren und Gütern aller Art  […]» Noch vor wenigen Jahren waren die drei an vorderster Front für den Schenkkreis «Spirit of Independence» aktiv, etwa im deutschen Meersburg.

Bis dahin dreht sich das Perpetuum mobile weiter – seit 20 Jahren. Ein halbes Dutzend Firmen hat Hubert Freidl in dieser Zeit betrieben. Das Geschäfts­modell war immer wieder ähnlich: Erst verkaufte er «Gutscheine», später liquidierte er die Firmen. Einmal nannte er das Konstrukt Global Trade System, GTS. Böse Zungen behaupten, Freidl habe eine andere Erklärung für diese Abkürzung gehabt: «Gemma Teppen suchen».

(chb)

Meistgelesen

Netflix unter der Lupe: Was taugt der Streaming-Dienst?
Vergleich

Der US-Streamingdienst Netflix ist in der Schweiz gestartet. Darum der grosse Vergleich: Kosten, Abo-Bedingungen, Serienangebot - was bietet Netflix, was kann die Konkurrenz? Mehr...

VonMarc Iseli
18.09.2014
Deutscher Softwareriese SAP tätigt Milliardenkauf
Expansion

Es ist die grössten Übernahme der Firmengeschichte. Mit dem Kauf von Concur Technologies will SAP das Geschäft mit Cloud-Software beflügeln. Mehr...

06:43
Sulzer plant Milliardenfusion mit US-Konzern
Deal

Der Winterthurer Industriekonzern verhandelt mit dem amerikanischen Maschinenbaukonzern Dresser-Rand über eine Fusion. Auch Sulzer-Grossaktionär Viktor Vekselberg ist involviert. Mehr...

VonStefan Barmettler
17.09.2014
Russland setzt Milliardär unter Hausarrest
Eingesperrt

Es erinnert an den Fall Chordorkowski: Der Milliardär Wladimir Jewtuschenkow wurde in Russland unter Hausarrest gestellt. Die Festsetzung des Sistema-Chefs löste Panik unter den Firmeninvestoren aus. Mehr...

17.09.2014
Alibaba-Aktien kommen zum Höchstpreis
IPO

Der chinesische Online-Händler kann seine Aktien in New York zum Höchstpreis von 68 Dollar losschlagen. Alibaba wird damit der grösste Börsengang aller Zeiten. Mehr...

06:57
Neuausrichtung

Die UBS hat vier neue Unternehmen gegründet. Einiges deutet darauf hin, dass dieser Schritt notwendig ist, um die gesetzlichen Vorgaben der «Too Big to fail»-Problematik umzusetzen. Mehr...

VonJorgos Brouzos
17.09.2014
Chodorkowski vermutet wirtschaftliche Motive
Analyse

Der Hausarrest von Milliardär Wladimir Jewtuschenkow sorgt für Nervosität auf dem russischen Aktienmarkt. Für Michail Chodorkowski und Andrei Borodin ist der Fall ein Déjà-vu. Mehr...

VonGabriel Knupfer
18.09.2014

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      
 

UBS gründet vier neue Gesellschaften. Mehr

Sulzer plant Milliardenfusion mit US-Konzern. Mehr

Die besten Startups der Schweiz. Mehr

Taxi-Schreck Uber sucht Rat bei Schweizer Edelberatern. Mehr

«Reiseberater wissen mehr als das Internet». Mehr

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...