Merck schliesst Zentrale in Genf: «Erdbeben für die Westschweiz»

Der deutsche Pharmakonzern schliesst seine Zentrale Merck Serono in Genf. Damit geht auch der Abbau von Hunderten Stellen einher.

VonLaura Frommberg
24.04.2012

«Bedauerlicherweise sehen die geplanten Massnahmen die Schliessung unserer Zentrale in Genf vor», lässt sich Merck-Geschäftsleitungsmitglied Stefan Oschmann in einer Mitteilung des Unternehmens zitieren. Nur so könne man langfristig die globale Wettbewerbsposition von Merck sichern und in einem sich rasch ändernden Markt bestehen. Der Personalabbau und die Verlagerung bestimmter in der Schweiz beheimateter Funktionen an andere Merck-Standorte sei daher nötig.

Und die sind zum Teil ziemlich weit weg: Wichtige Positionen im Bereich Forschung und Entwicklung sollen von Genf nach Darmstadt, Boston (USA) und Peking (China) verlagert werden. 750 der 1250 Stellen in Genf sind davon betroffen. 500 Stellen streicht der Konzern ganz. In der zweiten Jahreshälfte soll der Stellenabbau und die Umstrukturierung beginnen. Anfang 2013 soll er bereits abgeschlossen sein. Auch an den anderen Schweizer Standorten Aubonne, Corsier-sur-Vevey und Coinsins sollen 80 Stellen gestrichen werden, schreibt das Unternehmen weiter.

Ab morgen Mittwoch sollen Konsultationsgespräche mit den Mitarbeitern beginnen. Deren Alternativvorschläge will der Konzern sammeln und auswerten. Schon im Februar hatte der Konzern ein Effizienzsteigerungsprogramm angekündigt. Die nun angekündigten Schritte seien ein Teil davon, heisst es bei Merck.

Politiker entsetzt

Schon am Vormittag hatte die Tageszeitung Tribune de Geneve vom Stellenabbau berichtet. Dort hiess es allerdings noch, dass 900 Stellen in Genf gestrichen werden sollen. Politiker zeigen sich entsetzt. Für die Genfer und Westschweizer Wirtschaft sei das ein «Erdbeben», so der der Genfer Regierungsrat Pierre-François Unger gegenüber der Zeitung.

Für François Naef, den Verwaltungsratspräsidenten von Merck Serono, ist die Schliessung des Hauptsitzes in Genf sehr unangenehm. Der Unterhalt von zwei Hauptquartieren in Europa sei aber schlicht nicht möglich, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Naef ist nicht nur Verwaltungsratspräsidenten von Merck Serono, er amtiert gleichzeitig auch als Präsident der Genfer Handelskammer.

Laut Naef wende das Unternehmen alles auf, um die Restrukturierungsmassnahmen so schmerzlos wie möglich zu vollziehen. Die entlassenen Mitarbeitenden würden bei der Stellensuche unterstützt und es gebe ein Sozialplan. Zur Gründung neuer Unternehmen schaffe Merck Serono zudem einen Fonds von 30 Millionen Franken.

Der Branchenverband Interpharma hat am Dienstag die Schliessung in Genf als Rückschlag für die Schweizer Forschung bezeichnet. Der Schritt zeige, wie dringlich der von der Branche beim Bundesrat geforderte Masterplan zur Revitalisierung des Pharmastandorts sei. Merck Serono, Mitglied der Interpharma, sei das drittgrösste Pharmaunternehmen in der Schweiz. Entsprechend einschneidend sei der Rückschlag für den Pharmastandort, zumal er vor allem die Forschung betreffe.

Mit Material der Nachrichtenagenturen sda und awp erweitert

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Genf Merck Stellenabbau

«Bedauerlicherweise sehen die geplanten Massnahmen die Schliessung unserer Zentrale in Genf vor», lässt sich Merck-Geschäftsleitungsmitglied Stefan Oschmann in einer Mitteilung des Unternehmens zitieren. Nur so könne man langfristig die globale Wettbewerbsposition von Merck sichern und in einem sich rasch ändernden Markt bestehen. Der Personalabbau und die Verlagerung bestimmter in der Schweiz beheimateter Funktionen an andere Merck-Standorte sei daher nötig.

Und die sind zum Teil ziemlich weit weg: Wichtige Positionen im Bereich Forschung und Entwicklung sollen von Genf nach Darmstadt, Boston (USA) und Peking (China) verlagert werden. 750 der 1250 Stellen in Genf sind davon betroffen. 500 Stellen streicht der Konzern ganz. In der zweiten Jahreshälfte soll der Stellenabbau und die Umstrukturierung beginnen. Anfang 2013 soll er bereits abgeschlossen sein. Auch an den anderen Schweizer Standorten Aubonne, Corsier-sur-Vevey und Coinsins sollen 80 Stellen gestrichen werden, schreibt das Unternehmen weiter.

Ab morgen Mittwoch sollen Konsultationsgespräche mit den Mitarbeitern beginnen. Deren Alternativvorschläge will der Konzern sammeln und auswerten. Schon im Februar hatte der Konzern ein Effizienzsteigerungsprogramm angekündigt. Die nun angekündigten Schritte seien ein Teil davon, heisst es bei Merck.

Politiker entsetzt

Schon am Vormittag hatte die Tageszeitung Tribune de Geneve vom Stellenabbau berichtet. Dort hiess es allerdings noch, dass 900 Stellen in Genf gestrichen werden sollen. Politiker zeigen sich entsetzt. Für die Genfer und Westschweizer Wirtschaft sei das ein «Erdbeben», so der der Genfer Regierungsrat Pierre-François Unger gegenüber der Zeitung.

Für François Naef, den Verwaltungsratspräsidenten von Merck Serono, ist die Schliessung des Hauptsitzes in Genf sehr unangenehm. Der Unterhalt von zwei Hauptquartieren in Europa sei aber schlicht nicht möglich, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Naef ist nicht nur Verwaltungsratspräsidenten von Merck Serono, er amtiert gleichzeitig auch als Präsident der Genfer Handelskammer.

Laut Naef wende das Unternehmen alles auf, um die Restrukturierungsmassnahmen so schmerzlos wie möglich zu vollziehen. Die entlassenen Mitarbeitenden würden bei der Stellensuche unterstützt und es gebe ein Sozialplan. Zur Gründung neuer Unternehmen schaffe Merck Serono zudem einen Fonds von 30 Millionen Franken.

Der Branchenverband Interpharma hat am Dienstag die Schliessung in Genf als Rückschlag für die Schweizer Forschung bezeichnet. Der Schritt zeige, wie dringlich der von der Branche beim Bundesrat geforderte Masterplan zur Revitalisierung des Pharmastandorts sei. Merck Serono, Mitglied der Interpharma, sei das drittgrösste Pharmaunternehmen in der Schweiz. Entsprechend einschneidend sei der Rückschlag für den Pharmastandort, zumal er vor allem die Forschung betreffe.

Mit Material der Nachrichtenagenturen sda und awp erweitert

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