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Nanotechnologie: Sorgen im Land der Zwerge

Die Technologie wird in der Schweiz stark forschungslastig und in kleinen Nischen betrieben. Das macht Sinn, schreckt aber die Investoren ab.

VonBeat Schmid
02.09.2003

Nanosurf, Nanoworld und Nanolight haben mehr gemeinsam als nur den Wortstamm. Alle drei Unternehmen sind Aushängeschilder der Schweizer Hochtechnologie, die sich im Bereich der Nanotechnologie einen über die Landesgrenzen hinaus reichenden Namen geschaffen haben (siehe Kasten). Am weitesten gediehen ist das Unternehmertum bei Nanosurf und Nanoworld, die beide vollständig eigenfinanziert sind und seit Beginn ihrer Unternehmenstätigkeit Gewinne erwirtschaften. Beide Firmen sind im Bereich der Nanomikroskopie tätig, wobei Nanoworld sich auf die Entwicklung von Sensoren spezialisiert hat, während Nanosurf die entsprechenden Mikroskope herstellt, in die auch die Sensoren von Nanosurf eingesetzt werden können.

Der Bereich der Mikroskopie, in dem die beiden Unternehmen beheimatet sind, kann auf eine reiche Geschichte in der Schweiz zurückblicken. Einen Meilenstein der jüngeren Mikroskopie setzte vor über 20 Jahren die Erfindung des Rastertunnelmikroskops, das erstmals den Blick auf kleinste atomare Strukturen offen legte und zwei Forschern am IBMForschungslabor in Rüschlikon den Nobelpreis für Physik einbrachte.

*Folgenreicher Nobelpreis*

Von diesem Forschungserfolg zehrt die Schweiz noch heute. Für Robert Sum, einen der Gründer von Nanosurf, ist klar, dass die revolutionäre Erfindung für die Schweiz richtungsweisend war. Sie löste eine nachhaltige Forschungsaktivität aus, die den Forschungsplatz Schweiz an die internationale Spitze im Feld der Mikroskopie hievte. Gleicher Meinung ist auch Hans-Joachim Güntherodt, Physikprofessor an der Universität Basel und einer der Leiter des vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie gesponserten Förderungsprogramms Top Nano 21: «Im Bereich der Nano-Mikroskopie ist die Schweiz weltweit führend», ist er überzeugt.

Doch nicht nur in der Forschung nimmt die Schweiz einen Spitzenplatz ein, sondern auch in der Ummünzung von Forschungsergebnissen in weltweit vermarktbare Produkte. Neben den Aushängeschildern Nanosurf und Nanoworld schätzt Güntherodt die Zahl der im mikroskopischen Bereich aktiven Firmen und Start-ups auf immerhin zehn bis zwölf.

Damit ist aber auch gesagt, dass die Schweiz längst nicht in allen Bereichen der Nanotechnologie führend oder auch nur aktiv ist. Daran stört sich der Basler Professor allerdings nicht. In Anbetracht des breiten Spektrums der Technologie sei dies auch gar nicht realistisch. Deshalb findet er die Konzentration auf ein Kerngebiet sinnvoll, was auch eines der Fazite des zu Ende gehenden Top-Nano-21-Förderprogramms sein dürfte, dessen Schlussbericht in diesen Tagen erwartet wird.

*Viel Brachland*

Die Konzentration auf die Mikroskopie schliesst allerdings die Forschung in anderen Feldern nicht aus ? obschon hier die Schweiz nicht allzu viel vorzuweisen hat. Eine Ausnahme ist Nanolight, ein Spin-off der Lausanner Hochschule EPFL, die sich trotz dieses Handicaps in weniger schweiztypische Forschungsbereiche vorwagt. Jan Kjellmann, der Kopf des Unternehmens, hat eine neuartige Lichtquelle auf Nanoröhrchenbasis entwickelt, die dereinst die Halogenleuchten ersetzen soll. Der Clou der Lampe, so Kjellmann, sei der vollständige Verzicht auf Quecksilber und ein wesentlich höherer Wirkungsgrad als bei herkömmlichen Lichtquellen. Ein funktionsfähiger Prototyp steht in seinen Labors ? jetzt gilt es, die drei grossen Lampenhersteller der Welt, Philips, Osram und General Electric, von der Erfindung zu überzeugen.

Es sind Geschichten wie die der neuartigen Leuchtkraft der Nanolampe, die stets die Fantasie der Investoren beflügelt und der Nanotechnologie einen technologierevolutionären Nimbus verliehen haben. Insofern reiht sich Nanolight in ein Glied mit anderen Aufsehen erregenden Forschungsprojekten wie dem Millipede-Projekt von IBM oder dem Quantencomputer.

Doch so heiss, wie diese Nanogeschichten auch sind, die langen Produktentwicklungszeiten von bis zu zehn Jahren haben Investoren im Nachgang zum New-Economy-Hype zurückschrecken lassen. «Die Investoren waren nach dem Dotcom-Crash gebrannte Kinder und entsprechend vorsichtig», erinnert sich Bernd Samsinger, der für die Risikokapitalgesellschaft Capital Stage einen Nanotech-Fonds zu äufnen versuchte, aber mangels Interesse der Investoren die Idee wieder verwarf.

*Grosse mischen mit*

Aber auch der Umstand, dass Nanotechnologie als Querschnittsdisziplin in sämtliche Bereiche eindringt, macht es für Investoren nicht einfach. Die brauchen etwas Fassbares. Dies ist auch die Erfahrung von Samuel Schär, der mit Partnern ebenfalls eine auf Nanotechnologie spezialisierte VC-Firma auf die Beine stellen wollte. Typisch deshalb, dass Schär jetzt für den bodenständigen Uzwiler Industriekonzern Bühler arbeitet, wo er für die Nanotechnologie-Aktivitäten zuständig ist. Um an das nötige Know-how zu kommen, ist der Müllereimaschinen-Marktführer eine Kooperation mit dem Saarbrückener Forschungsinstitut INM eingegangen. Laut Schär ist der Aufbau eines gemeinsamen Unternehmens geplant, das unter anderem Schmutz abweisende Oberflächen für die Lebensmittelindustrie entwickeln wird. Das Beispiel Bühler zeigt: Nanotechnologie ist nicht einfach Neuland, das von vielen neuen Firmen besiedelt wird, sondern auch ein Gebiet, in dem sich zunehmend auch alteingesessene Unternehmen heimisch fühlen. Der Platz für Start-ups wird damit zwar nicht grösser, bleibt aber immer noch gross genug.

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Nanosurf, Nanoworld und Nanolight haben mehr gemeinsam als nur den Wortstamm. Alle drei Unternehmen sind Aushängeschilder der Schweizer Hochtechnologie, die sich im Bereich der Nanotechnologie einen über die Landesgrenzen hinaus reichenden Namen geschaffen haben (siehe Kasten). Am weitesten gediehen ist das Unternehmertum bei Nanosurf und Nanoworld, die beide vollständig eigenfinanziert sind und seit Beginn ihrer Unternehmenstätigkeit Gewinne erwirtschaften. Beide Firmen sind im Bereich der Nanomikroskopie tätig, wobei Nanoworld sich auf die Entwicklung von Sensoren spezialisiert hat, während Nanosurf die entsprechenden Mikroskope herstellt, in die auch die Sensoren von Nanosurf eingesetzt werden können.
Der Bereich der Mikroskopie, in dem die beiden Unternehmen beheimatet sind, kann auf eine reiche Geschichte in der Schweiz zurückblicken. Einen Meilenstein der jüngeren Mikroskopie setzte vor über 20 Jahren die Erfindung des Rastertunnelmikroskops, das erstmals den Blick auf kleinste atomare Strukturen offen legte und zwei Forschern am IBMForschungslabor in Rüschlikon den Nobelpreis für Physik einbrachte.
*Folgenreicher Nobelpreis*
Von diesem Forschungserfolg zehrt die Schweiz noch heute. Für Robert Sum, einen der Gründer von Nanosurf, ist klar, dass die revolutionäre Erfindung für die Schweiz richtungsweisend war. Sie löste eine nachhaltige Forschungsaktivität aus, die den Forschungsplatz Schweiz an die internationale Spitze im Feld der Mikroskopie hievte. Gleicher Meinung ist auch Hans-Joachim Güntherodt, Physikprofessor an der Universität Basel und einer der Leiter des vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie gesponserten Förderungsprogramms Top Nano 21: «Im Bereich der Nano-Mikroskopie ist die Schweiz weltweit führend», ist er überzeugt.
Doch nicht nur in der Forschung nimmt die Schweiz einen Spitzenplatz ein, sondern auch in der Ummünzung von Forschungsergebnissen in weltweit vermarktbare Produkte. Neben den Aushängeschildern Nanosurf und Nanoworld schätzt Güntherodt die Zahl der im mikroskopischen Bereich aktiven Firmen und Start-ups auf immerhin zehn bis zwölf.
Damit ist aber auch gesagt, dass die Schweiz längst nicht in allen Bereichen der Nanotechnologie führend oder auch nur aktiv ist. Daran stört sich der Basler Professor allerdings nicht. In Anbetracht des breiten Spektrums der Technologie sei dies auch gar nicht realistisch. Deshalb findet er die Konzentration auf ein Kerngebiet sinnvoll, was auch eines der Fazite des zu Ende gehenden Top-Nano-21-Förderprogramms sein dürfte, dessen Schlussbericht in diesen Tagen erwartet wird.
*Viel Brachland*
Die Konzentration auf die Mikroskopie schliesst allerdings die Forschung in anderen Feldern nicht aus ? obschon hier die Schweiz nicht allzu viel vorzuweisen hat. Eine Ausnahme ist Nanolight, ein Spin-off der Lausanner Hochschule EPFL, die sich trotz dieses Handicaps in weniger schweiztypische Forschungsbereiche vorwagt. Jan Kjellmann, der Kopf des Unternehmens, hat eine neuartige Lichtquelle auf Nanoröhrchenbasis entwickelt, die dereinst die Halogenleuchten ersetzen soll. Der Clou der Lampe, so Kjellmann, sei der vollständige Verzicht auf Quecksilber und ein wesentlich höherer Wirkungsgrad als bei herkömmlichen Lichtquellen. Ein funktionsfähiger Prototyp steht in seinen Labors ? jetzt gilt es, die drei grossen Lampenhersteller der Welt, Philips, Osram und General Electric, von der Erfindung zu überzeugen.
Es sind Geschichten wie die der neuartigen Leuchtkraft der Nanolampe, die stets die Fantasie der Investoren beflügelt und der Nanotechnologie einen technologierevolutionären Nimbus verliehen haben. Insofern reiht sich Nanolight in ein Glied mit anderen Aufsehen erregenden Forschungsprojekten wie dem Millipede-Projekt von IBM oder dem Quantencomputer.
Doch so heiss, wie diese Nanogeschichten auch sind, die langen Produktentwicklungszeiten von bis zu zehn Jahren haben Investoren im Nachgang zum New-Economy-Hype zurückschrecken lassen. «Die Investoren waren nach dem Dotcom-Crash gebrannte Kinder und entsprechend vorsichtig», erinnert sich Bernd Samsinger, der für die Risikokapitalgesellschaft Capital Stage einen Nanotech-Fonds zu äufnen versuchte, aber mangels Interesse der Investoren die Idee wieder verwarf.
*Grosse mischen mit*
Aber auch der Umstand, dass Nanotechnologie als Querschnittsdisziplin in sämtliche Bereiche eindringt, macht es für Investoren nicht einfach. Die brauchen etwas Fassbares. Dies ist auch die Erfahrung von Samuel Schär, der mit Partnern ebenfalls eine auf Nanotechnologie spezialisierte VC-Firma auf die Beine stellen wollte. Typisch deshalb, dass Schär jetzt für den bodenständigen Uzwiler Industriekonzern Bühler arbeitet, wo er für die Nanotechnologie-Aktivitäten zuständig ist. Um an das nötige Know-how zu kommen, ist der Müllereimaschinen-Marktführer eine Kooperation mit dem Saarbrückener Forschungsinstitut INM eingegangen. Laut Schär ist der Aufbau eines gemeinsamen Unternehmens geplant, das unter anderem Schmutz abweisende Oberflächen für die Lebensmittelindustrie entwickeln wird. Das Beispiel Bühler zeigt: Nanotechnologie ist nicht einfach Neuland, das von vielen neuen Firmen besiedelt wird, sondern auch ein Gebiet, in dem sich zunehmend auch alteingesessene Unternehmen heimisch fühlen. Der Platz für Start-ups wird damit zwar nicht grösser, bleibt aber immer noch gross genug.

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