Das Apple-Universum In einer Garage entstanden, wurde der Konzern zum Kultunternehmen. Zum Dossier...

Neue Vorwürfe gegen Apple und Zulieferer

China

Bei weiteren Apple-Zulieferern sollen laut einem Bericht skandalöse Arbeitsbedingungen herrschen. Auch Minderjährige und Schwangere leiden offenbar darunter.

28.07.2013

Apple steht erneut in der Kritik: Die Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken, die Apple-Produkte wie iPad und iPhone herstellen, sind schlimmer als bislang bekannt - das behauptet ein umfangreicher Report der Nichtregierungsorganisation China Labor Watch (CLW), der diese Woche veröffentlicht werden soll, wie der «Spiegel» in einer Vorabmeldung seiner neuen Ausgabe berichtet. Das deutsche Nachrichenmagazin hat zudem vor Ort in Shanghai recherchiert und Autoren des Reports getroffen. 

Die Vertragsfabriken von Apple verstossen laut CLW systematisch gegen chinesisches Arbeitsrecht. Über 10'000 Schüler und Studenten müssten in den Fabriken unter teils gefährlichen Umständen arbeiten. Vermittelt würden sie von ihren Lehrern und Schulen, die angeblich einen Teil des Lohns für sich einbehalten, so der Report. Einige Beschäftigte müssten den ganzen Tag stehen, eine Schicht dauere oft länger als zwölf Stunden, 80 Überstunden pro Monat sind keine Seltenheit. 

Auch Minderjährige und Schwangere müssten weit länger als acht Stunden am Tag arbeiten, schreibt der «Spiegel» unter Bezug auf den Bericht. Kaschiert würden diese Missstände angeblich durch ein betrügerisches Abrechnungssystem, das Überstunden systematisch unterschlage.

«Den Preis zahlen die Arbeiter»

Der Umgangston in den Fabriken sei ausgesprochen rüde, die Arbeiter würden systematisch angepöbelt und eingeschüchtert, so CLW. Ausserdem mangele es in den Fabriken am Sicherheitstraining, an Fluchtwegen und sogar an grundlegender Erste-Hilfe-Ausrüstung. Viele der jungen Arbeiter würden vorzeitig kündigen. Doch wer kürzer als ein Dutzend Tage gearbeitet habe, werde oft einfach um den Lohn geprellt.

Apple steht seit Jahren in der Kritik wegen der Zustände beim Hardware-Zulieferer Foxconn. Die Verlagerung eines Teils der Produktion zu anderen Herstellern sollte auch den drohenden Imageschaden begrenzen. Doch die Arbeitsbedingungen bei neuen Herstellern wie Pegatron sind dem «Spiegel» zufolge offenbar sogar noch schlechter als bei Foxconn: «Apple hat diese Fabriken gewählt, weil sie zu noch geringeren Kosten produzieren – aber den Preis dafür zahlen die Arbeiter», zitiert das Magazin einen Informanten.

Apple wollte sich bis zum «Spiegel»-Redaktionsschluss am Freitag nicht zu den Vorwürfen äussern. Ein Sprecher von Pegatron versichert: «Der besondere Schutz unserer Mitarbeiter ist unsere oberste Priorität.»

(tno)

Diskussion
- Kommentare
Apple Inc.
OneYear
102.5Mehr...
Mehr zum Thema
Stichworte:
Apple China

Apple steht erneut in der Kritik: Die Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken, die Apple-Produkte wie iPad und iPhone herstellen, sind schlimmer als bislang bekannt - das behauptet ein umfangreicher Report der Nichtregierungsorganisation China Labor Watch (CLW), der diese Woche veröffentlicht werden soll, wie der «Spiegel» in einer Vorabmeldung seiner neuen Ausgabe berichtet. Das deutsche Nachrichenmagazin hat zudem vor Ort in Shanghai recherchiert und Autoren des Reports getroffen. 

Die Vertragsfabriken von Apple verstossen laut CLW systematisch gegen chinesisches Arbeitsrecht. Über 10'000 Schüler und Studenten müssten in den Fabriken unter teils gefährlichen Umständen arbeiten. Vermittelt würden sie von ihren Lehrern und Schulen, die angeblich einen Teil des Lohns für sich einbehalten, so der Report. Einige Beschäftigte müssten den ganzen Tag stehen, eine Schicht dauere oft länger als zwölf Stunden, 80 Überstunden pro Monat sind keine Seltenheit. 

Auch Minderjährige und Schwangere müssten weit länger als acht Stunden am Tag arbeiten, schreibt der «Spiegel» unter Bezug auf den Bericht. Kaschiert würden diese Missstände angeblich durch ein betrügerisches Abrechnungssystem, das Überstunden systematisch unterschlage.

«Den Preis zahlen die Arbeiter»

Der Umgangston in den Fabriken sei ausgesprochen rüde, die Arbeiter würden systematisch angepöbelt und eingeschüchtert, so CLW. Ausserdem mangele es in den Fabriken am Sicherheitstraining, an Fluchtwegen und sogar an grundlegender Erste-Hilfe-Ausrüstung. Viele der jungen Arbeiter würden vorzeitig kündigen. Doch wer kürzer als ein Dutzend Tage gearbeitet habe, werde oft einfach um den Lohn geprellt.

Apple steht seit Jahren in der Kritik wegen der Zustände beim Hardware-Zulieferer Foxconn. Die Verlagerung eines Teils der Produktion zu anderen Herstellern sollte auch den drohenden Imageschaden begrenzen. Doch die Arbeitsbedingungen bei neuen Herstellern wie Pegatron sind dem «Spiegel» zufolge offenbar sogar noch schlechter als bei Foxconn: «Apple hat diese Fabriken gewählt, weil sie zu noch geringeren Kosten produzieren – aber den Preis dafür zahlen die Arbeiter», zitiert das Magazin einen Informanten.

Apple wollte sich bis zum «Spiegel»-Redaktionsschluss am Freitag nicht zu den Vorwürfen äussern. Ein Sprecher von Pegatron versichert: «Der besondere Schutz unserer Mitarbeiter ist unsere oberste Priorität.»

(tno)

Meistgelesen

Ukrainische Truppen geben Flughafen Lugansk auf
Krieg

Ukrainische Soldaten haben den Flughafen Lugansk vorerst aufgegeben. Sie wurden offenbar von einem russischen Panzerbataillon zu diesem Schritt gezwungen. Mehr...

01.09.2014
Aviatik

Das Flugmeeting Air14 dauert zehn Tage. Bereits am ersten Wochenende strömten Zehntausende nach Payerne. Das schaffte Probleme. Mehr...

31.08.2014
Kredit

Spanien versucht mit einer 50-Jahre-Anleihe die Investorenbasis zu verbreitern und die Verschuldung über einen längeren Zeitraum zu strecken. Mehr...

01.09.2014
Wann gibt Mario Draghi nach?
Politik

Der Druck auf Mario Draghi ist riesig. Die Preise in der Euro-Zone steigen kaum noch, globale Krisen verderben immer mehr Firmen die Stimmung. Wann handelt der EZB-Präsident? Mehr...

31.08.2014
Apple-Deal: iPhone 6 soll mobiles Zahlen bieten
Kredit

Apple hat laut Bloomberg einen Deal mit den grossen Kreditkartenanbietern Visa, Mastercard und American Express. Nutzern soll das nächste iPhone demnach auch als digitale Brieftasche dienen. Mehr...

01.09.2014
Kein Dreamteam: Swatch erteilt Apple eine Absage
Technologie

Nick Hayek will für die lang erwartete Smartwatch nicht mit Apple zusammenarbeiten. Swatch sei in der Lage, die nötigen Technologien selbst zu entwickeln, sagte Hayek in einem Interview mit Reuters. Mehr...

01.09.2014
Angela Merkel ist offen für Änderungen an der Maut
Gesetz

Der Verkehrsminister Alexander Dobrindt bringt einen Gegenvorschlag zur Maut-Konzept. Abgaben sollen nur auf der Autobahn fällig werden. Der Finanzminister möchte weitere Geldquellen erschliessen. Mehr...

01.09.2014

Die aktuelle Ausgabe der Handelszeitung
 

Cover der aktuellen Ausgabe

 

Unsere Partner      
 

Stadler Rail entgeht Grossauftrag in Lettland. Mehr

Zigarren-Villigers grosse Deals mit Castros Kuba. Mehr

Meyer Burger sucht nach Grossaufträgen. Mehr

Grand Casino Baden will nach Berlin expandieren. Mehr

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...