10.05.2005 | 18:20
Von:
Claudia Laubscher
Foto:
|
 

Online-Partnerbörsen: Boom dank einsamer Herzen

Die Nachfrage nach Onlinekupplern ist massiv. Reich wird damit noch niemand. Doch bei den zunehmend zahlungswilligen Singles liegt ein riesiges Marktpotenzial.

Auf Online-Partnerbörsen in der Schweiz suchen derzeit gegen 1 Mio registrierter Benutzer ihr Glück. Glaubt man den Marktleadern, funktioniert die Liebe per Mausklick. «Monatlich 830 glückliche Paare dank Partnerwinner», wirbt die Tamedia-Tochter auf ihrer Homepage. Parship, die Online-Partneragentur der Holzbrinck-Gruppe («Die Zeit»), hat laut Schweiz-Chef Martin Dobner eine Erfolgsquote von 40 bis 50%. Auf den Homepages lächeln als Beweis glückliche Paare, die sich per Internet gefunden haben, um die Wette.
Am auffälligsten ist das anhaltende Mitgliederwachstum. Dass die Portale, die sich im Schnitt seit drei Jahren im Markt befinden, immer mehr Dienstleistungen kostenpflichtig machen, scheint nicht abzuschrecken. Bei Partnerwinner beispielsweise gehen täglich rund 150 neue Singles auf die Pirsch. Parship rechnet in den nächsten Jahren mit einem deutlich zweistelligen Umsatz- und Mitgliederwachstum.
Das Marktpotenzial ist riesig: Gemäss einer Marktstudie von Jupiter Research wird sich der Online-Dating-Markt in Europa von 88 Mio Euro (132 Mio Fr.) im Jahr 2004 im laufenden Jahr verdoppeln und bis 2009 auf 352 Mio Euro (528 Mio Fr.) ansteigen.
*Teure Tochterfirmen*
Doch wie eine Umfrage der «HandelsZeitung» zeigt, ist das Geschäft mit der Liebe im Netz heute noch keine Goldgrube. Partnerwinner schrieb zwar letztes Jahr einen positiven Betriebsgewinn (auf Ebitda-Stufe), doch ein Nettogewinn bleibe Ziel für das laufende Jahr, erklärt Claudia Wyss, die Partnerwinner-Projektleiterin. 70% der Einnahmen stammten von kostenpflichtigen Mitgliedschaften.
Knapp profitabel sind Singles.ch (Tochter der Onlinefirma Argoviaonline) und Friendscout24 (Tochter von T-Online). Swissflirt, eine Tochter des IT-Unternehmens Puzzle ITC aus Bern, erzielt einen Umsatz von rund 750000 Fr. Ihre schwarzen Zahlen verdankt sie der Werbung, welche die Hälfte der Einnahmen ausmacht, sowie Zusatzdiensten wie Partys. Eine Präservativ-Werbung, wie sie bei Swissflirt zu finden ist, gäbe es bei Parship nicht. Von (Werbe-)Kooperationen mit Single-Reiseanbietern oder anderen Unternehmen will Parship ebenfalls nichts wissen, auch wenn es der Gewinnmaximierung dienlich wäre. Dobner: «Wir sind knapp profitabel und können unser Wachstum selbst finanzieren.»
Ein gemeinnütziges Unternehmen sei Parship trotzdem nicht. Firmenziel ist es, Menschen zu helfen, den Partner fürs Leben zu finden. Im Zentrum steht ein ausgeklügelter Persönlichkeitstest, der ein anonymisiertes Kennenlernen erlaubt. Das Unternehmen mit Sitz in Deutschland erzielt einen Jahresumsatz von über 15 Mio Fr. und hat in den letzten Monaten nach Italien, England, Frankreich, Spanien und Holland expandiert. Zu den mehr als 100 Partnerunternehmen, die an dem über ihre Webseite generierten Umsatz beteiligt sind, zählen unter anderem die «Neue Zürcher Zeitung», Bluewin und die «Weltwoche».
Parship positioniert sich am oberen Ende des wachsenden Marktes, gibt sich bewusst konservativ und seriös - und schneidet in unabhängigen Tests punkto Qualität gut ab. Der stolze Abopreis (siehe Tabelle) gilt als gerechtfertigt.
Allerdings ist es die Strategie der meisten Portale, qualitativ aufzurüsten und dafür mehr zu kassieren. So war das Online-Balzen bei Singles.ch bis vor einem Jahr gratis. Doch nun, wo viele die Plattform kennen gelernt hätten und die Internetpartnersuche langsam akzeptiert sei, seien die Kunden auch bereit zu zahlen, sagt Firmenchef Daniel Hauri. Geht seine Rechnung auf, kann er mehr in das Portal investieren, es mit besseren Suchkriterien und Dienstleistungen wie Coaching erweitern und dafür auch mehr verlangen. Von Seiten der Werber erwartet er keinen Geldsegen. Die Werbebanner von Postfinance und Cablecom, die neben Erotik-Links flackern, seien jedenfalls nicht sehr einträglich.
*Frauenanteil als Indikator*
Seit dem Auftritt von Vergleichs- und Bewertungsdiensten wie Comparis grenzen sich immer mehr Portale von Erotik- und Sexangeboten ab. Auch wenn damit viel höhere Renditen zu erzielen wären. «Friendscout24 ist zwar nicht der Grösste, aber der Seriöseste - wir legen starken Wert auf unseren Kundendienst, der Bilder und Texte aus dem Graubereich entfernt», sagt Friendscout24-Sprecher Reto Zurflüh.
Ein guter Indikator für die Seriosität eines Portals ist gemäss Experten ein hoher Frauenanteil. Der liegt bei Friendscout bei 43%, bei Swissflirt bei 31%, bei Parship bei 50% und bei Meetic bei 38%.
Die Konkurrenz aus dem Internet mache das Leben der konventionellen Vermittler via Zeitungsannoncen zwar härter, einige Renommierte hätten Konkurs gemacht, sagt Martin Wyss, der seit knapp 20 Jahren die Amor Dienstleistungs AG führt. Doch: «In meiner Kartei befinden sich viele Singles, auch ganz junge, die die Nase voll haben vom Internet.»

Top 2011

Die Listen der 1300 grössten Unternehmen in der Schweiz sind eine einzigartige Sammlung von Daten und Kennzahlen.
Zu den neuen Listen

SMI6.155,9-1,7minus-0,0%
SPI5.583,7-1,4minus-0,0%
SLI940,30,2plus0,0%
SMIM1.197,4-2,9minus-0,2%
DAX 306.748,8-5,4minus-0,1%
EURO STOXX 502.512,9-1,2minus-0,0%
Dow Jones Ind.12.884,05,8plus0,0%
S&P 5001.263,013,4plus1,1%
NASDAQ Composite Index2.648,4-0,4minus-0,0%
Nikkei 2259.015,698,1plus1,1%
EUR/CHF1,21010,0minus-0,0%
USD/CHF0,91400,0plus0,1%
Ölpreis (WTI)98,70,6plus0,6%
Goldpreis1.731,3-14,0minus-0,8%

Top und Flops

NameKurs+/-+/- %
25,230,230,92
162,301,300,81
36,100,280,78
13,100,080,61
230,400,900,39
46,50-0,55-1,17
394,20-4,10-1,03
53,40-0,50-0,93
291,80-2,10-0,71
51,30-0,35-0,68
NameKurs+/-+/- %
2,100,157,58
22,840,441,96
34,470,521,53
29,850,210,71
32,520,160,48
7,51-0,11-1,47
56,71-0,84-1,46
77,03-1,02-1,31
54,25-0,67-1,22
17,00-0,20-1,13
NameKurs+/-+/- %
3,320,206,56
1,620,053,33
17,250,553,29
34,660,982,89
37,911,052,83
55,65-0,81-1,44
7,28-0,09-1,18
54,45-0,55-1,00
123,94-1,23-0,98
25,12-0,24-0,95

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