Pilatus: Geschäftsmodell ist auf Deal mit Indien ausgerichtet

Der 479-Millionen-Deal der Stanser Pilatus-Werke mit Indien steht kurz vor dem Abschluss. Die indische Regierung bestellt 75 PC-7-Trainingsflugzeuge. Indien ist weltweit der grösste Waffenimporteur.

08.05.2012

Die Trainingsflugzeuge Pilatus PC-7 Mark-II waren die billigsten im Vergleich mit den Konkurrenten Hawker Beechcraft T-6C Texan-II und dem Modell KT-1 von Korean Aerospace.

Der Vertrag wurde im Juni 2011 publik, doch die Unterzeichnung verzögerte sich wegen Korruptionsvorwürfen in Indien. Der Deal beläuft sich auf umgerechnet 479'704'000 Schweizer Franken (2900 Crore), berichtet die «Times of India». Die Stanser sprachen gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» aber von einem Volumen von 700 Millionen Dollar.

Die Inder haben ein grosses Problem mit ihren veralteten Trainingsflugzeugen und der schlechten Ausbildung der Kampfpiloten. Seit 1970 sind über 39 Prozent der Abstürze auf menschliches Versagen zurückzuführen.

Südkorea protestierte

Indien ist der weltgrösste Waffenimporteur und wurde in den letzten Jahren durch diverse Skandale bei Waffendeals erschüttert. Ende Januar 2012 stoppte der Sicherheitsausschuss (Cabinet Committee on Security, CCS) den Pilatus-Deal, weil sich Südkorea Ende Dezember 2011 offiziell beim indischen Premierminister über das Auswahlprozedere beschwerte.

Korean Aerospace Industries verlor gegen Pilatus während der Selektion. Pilatus habe nicht alle Kosten aufgelistet und sei deshalb billiger gewesen. Obendrein habe Pilatus diverse Dokumente erst verspätet eingereicht, was ein Verstoss gegen die Vergaberichtlinien bedeute.

Mit der Beschwerde hatte es sich Konkurrent Korean Aerospace offenbar mit den indischen Parlamentariern verscherzt, nun stehen die Zeichen für den Pilatus-Deal definitv auf Grün. Die «Times of India» berichtet, dass das Sicherheitskommitee (CCS) diese Woche den Vertrag durchwinken werde.

Ganze Strategie auf diesen Deal ausgerichtet

Für die Pilatuswerke ist der Indien-Deal von enormer Bedeutung. So hat man in Stans die ganze Strategie zusammen mit einem Saudi-Arabien-Geschäft auf Indien ausgerichtet. Pilatus-Chef Oscar J. Schwenk sagte gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» Ende April, dass er davon überzeugt sei, dass der Vetrag innerhalb eines Monats unterschrieben sein werde.

Schwenk weiter: «Wir haben bereits vor zwei Monaten mit der Produktion in Stans angefangen, obwohl wir den Auftrag aus Indien noch nicht haben.» Indien sei ein «zuverlässiger Partner», meinte der Pilatus-Chef. Der Grossauftrag aus Indien garantiert zusammen mit dem Saudi-Arabien-Geschäft bis 2015 volle Auslastung in den Stanser Werken.

Indischer Lizenzpartner hat Lieferprobleme

Die Lieferung der 75 Pilatus-Flugzeuge beginnt 15 Monate nach der Vertragsunterzeichnung - innerhalb von 10 Monaten sollen die ersten 24 PC-7 geliefert werden. Pilatus-Chef Schwenk sagte gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung», dass der Vertrag zusätzlich zu den 75 Fliegern eine Option für die Lieferung weiterer 30 Flugzeuge vorsehe. 145 davon werde der staatliche Rüstungskonzern Hindustan Aeronautics - ein Unternehmen vergleichbar mit der Ruag - in Lizenz bauen.

Das ist eine erstaunliche Neuigkeit, denn Hindustan Aeronautics hat bereits jetzt grosse Probleme, bestehende fällige Flugzeug-Lieferungen von Trainings-Jets zu erfüllen, schreibt die «Times of India».

Die Region Kaschmir in Indien gilt seit Jahrzehnten als heisse Zone - die beiden regionalen Mächte Pakistan und Indien lassen Grenzkonflikte immer wieder eskalieren.

(chb/vst/rcv)

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Der Vertrag wurde im Juni 2011 publik, doch die Unterzeichnung verzögerte sich wegen Korruptionsvorwürfen in Indien. Der Deal beläuft sich auf umgerechnet 479'704'000 Schweizer Franken (2900 Crore), berichtet die «Times of India». Die Stanser sprachen gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» aber von einem Volumen von 700 Millionen Dollar.

Die Inder haben ein grosses Problem mit ihren veralteten Trainingsflugzeugen und der schlechten Ausbildung der Kampfpiloten. Seit 1970 sind über 39 Prozent der Abstürze auf menschliches Versagen zurückzuführen.

Südkorea protestierte

Indien ist der weltgrösste Waffenimporteur und wurde in den letzten Jahren durch diverse Skandale bei Waffendeals erschüttert. Ende Januar 2012 stoppte der Sicherheitsausschuss (Cabinet Committee on Security, CCS) den Pilatus-Deal, weil sich Südkorea Ende Dezember 2011 offiziell beim indischen Premierminister über das Auswahlprozedere beschwerte.

Korean Aerospace Industries verlor gegen Pilatus während der Selektion. Pilatus habe nicht alle Kosten aufgelistet und sei deshalb billiger gewesen. Obendrein habe Pilatus diverse Dokumente erst verspätet eingereicht, was ein Verstoss gegen die Vergaberichtlinien bedeute.

Mit der Beschwerde hatte es sich Konkurrent Korean Aerospace offenbar mit den indischen Parlamentariern verscherzt, nun stehen die Zeichen für den Pilatus-Deal definitv auf Grün. Die «Times of India» berichtet, dass das Sicherheitskommitee (CCS) diese Woche den Vertrag durchwinken werde.

Ganze Strategie auf diesen Deal ausgerichtet

Für die Pilatuswerke ist der Indien-Deal von enormer Bedeutung. So hat man in Stans die ganze Strategie zusammen mit einem Saudi-Arabien-Geschäft auf Indien ausgerichtet. Pilatus-Chef Oscar J. Schwenk sagte gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung» Ende April, dass er davon überzeugt sei, dass der Vetrag innerhalb eines Monats unterschrieben sein werde.

Schwenk weiter: «Wir haben bereits vor zwei Monaten mit der Produktion in Stans angefangen, obwohl wir den Auftrag aus Indien noch nicht haben.» Indien sei ein «zuverlässiger Partner», meinte der Pilatus-Chef. Der Grossauftrag aus Indien garantiert zusammen mit dem Saudi-Arabien-Geschäft bis 2015 volle Auslastung in den Stanser Werken.

Indischer Lizenzpartner hat Lieferprobleme

Die Lieferung der 75 Pilatus-Flugzeuge beginnt 15 Monate nach der Vertragsunterzeichnung - innerhalb von 10 Monaten sollen die ersten 24 PC-7 geliefert werden. Pilatus-Chef Schwenk sagte gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung», dass der Vertrag zusätzlich zu den 75 Fliegern eine Option für die Lieferung weiterer 30 Flugzeuge vorsehe. 145 davon werde der staatliche Rüstungskonzern Hindustan Aeronautics - ein Unternehmen vergleichbar mit der Ruag - in Lizenz bauen.

Das ist eine erstaunliche Neuigkeit, denn Hindustan Aeronautics hat bereits jetzt grosse Probleme, bestehende fällige Flugzeug-Lieferungen von Trainings-Jets zu erfüllen, schreibt die «Times of India».

Die Region Kaschmir in Indien gilt seit Jahrzehnten als heisse Zone - die beiden regionalen Mächte Pakistan und Indien lassen Grenzkonflikte immer wieder eskalieren.

(chb/vst/rcv)

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