Rezession: Krise in Spanien trifft Schweizer Unternehmen

Die fünftgrösste Wirtschaft der Europäischen Union findet nicht aus dem Tief. Darunter leiden Konzerne wie Holcim, Roche & Co.

VonJürg Meier und Armin Müller
09.04.2012

Griechenland ist dank dem zweiten Rettungspaket aus den Schlagzeilen verschwunden. Und schon sorgt die Lage in Spanien für Nervosität. 27 Milliarden Euro muss die fünftgrösste Wirtschaft der Europäischen Union dieses Jahr einsparen. An den Finanzmärkten stösst die Sparpolitik auf Skepsis. Die erste Anleihe-Auktion seit der Präsenta­tion des Budgets verlief am Mittwoch enttäuschend, die Zinsen zogen deutlich an. Das Sparprogramm wird die angeschlagene Volkswirtschaft weiter schwächen. Die Arbeitslosenquote ist mit über 23 Prozent bereits höher als irgendwo sonst in der EU.

Nicht nur die Bevölkerung leidet unter der Dauerkrise. Auch Schweizer Unternehmen spüren das iberische Malaise. Immerhin war Spanien bis vor der Krise der sechstwichtigste Abnehmer weltweit für ihre Güter. Doch die Umsätze sind in den letzten Jahren massiv eingebrochen. Zudem zahlen viele Kunden nur noch sporadisch oder spät.

Rechnungen seit drei Jahren offen

Roche etwa erklärte kürzlich, die ­Rechnungen gewisser spanischer Spitäler stünden seit drei Jahren offen. Actelion berichtet, dass die Ausstände bislang ­immer beglichen worden seien, aber nur mit langen Zahlungsfristen. Wegen der Krise habe sich die Zahlungsmoral nochmals deutlich verschlechtert. «Zudem ist das Risiko von Zahlungsausfällen gestiegen», so ein Sprecher.

Der Zementkonzern ­Holcim spürt die Zahlungsverzögerungen indirekt, weil seine Kunden von staatlichen Stellen erst mit grosser Verspätung bezahlt werden. Die spanische Zentralregierung hat neue Kreditlimiten gesprochen, mit denen die Regionen endlich ihre Schulden begleichen können. Holcim erwartet aber, dass dies erst im Mai Wirkung zeigt.

Zentraler Auslöser der spanischen Krise war die Überhitzung im Bausektor. Inzwischen liegt die Branche darnieder, Besserung ist nicht in Sicht. Holcim musste letztes Jahr in Spanien 243 Millionen Franken abschreiben und Betonwerke schlies­sen. «Seit 2007 ist unser Umsatz im Land um mehr als die Hälfte zurückgegangen», bestätigt Holcim. Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht in Sicht.

«Markt auf der Iberischen Halbinsel ist derzeit am Boden»

Auch das Beispiel Geberit belegt, in welch desolatem Zustand der spanische Markt ist. Der Sanitärtechnik-Konzern legte 2011 in Ländern wie Grossbritannien und Frankreich zweistellige Wachstumsraten hin. «Der Markt auf der Iberischen Halbinsel dagegen ist derzeit am Boden», heisst es bei Geberit. In Spanien und Portugal musste der Konzern 2011 ein Umsatzminus von 9,5 Prozent verbuchen.

Beim Liechtensteiner Baugeräte-Hersteller Hilti liegen die Umsätze in Spanien ebenfalls deutlich unter dem Niveau vor Ausbruch der Wirtschaftskrise. Im Land mussten deshalb Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Bauchemikalien-Hersteller Sika ver-zeichnet seit 2008 stark rückläufige Umsätze in ­Spanien.

Immer mehr Firmen wenden sich darum an die Schweizerische Exportrisikoversicherung. Ihre Versicherungssumme in Spanien hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt. Neu versichert werden vor allem Geschäfte, die hiesige Firmen mit staatlichen Schuldnern in den spanischen Provinzen abwickeln wollen.

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Griechenland ist dank dem zweiten Rettungspaket aus den Schlagzeilen verschwunden. Und schon sorgt die Lage in Spanien für Nervosität. 27 Milliarden Euro muss die fünftgrösste Wirtschaft der Europäischen Union dieses Jahr einsparen. An den Finanzmärkten stösst die Sparpolitik auf Skepsis. Die erste Anleihe-Auktion seit der Präsenta­tion des Budgets verlief am Mittwoch enttäuschend, die Zinsen zogen deutlich an. Das Sparprogramm wird die angeschlagene Volkswirtschaft weiter schwächen. Die Arbeitslosenquote ist mit über 23 Prozent bereits höher als irgendwo sonst in der EU.

Nicht nur die Bevölkerung leidet unter der Dauerkrise. Auch Schweizer Unternehmen spüren das iberische Malaise. Immerhin war Spanien bis vor der Krise der sechstwichtigste Abnehmer weltweit für ihre Güter. Doch die Umsätze sind in den letzten Jahren massiv eingebrochen. Zudem zahlen viele Kunden nur noch sporadisch oder spät.

Rechnungen seit drei Jahren offen

Roche etwa erklärte kürzlich, die ­Rechnungen gewisser spanischer Spitäler stünden seit drei Jahren offen. Actelion berichtet, dass die Ausstände bislang ­immer beglichen worden seien, aber nur mit langen Zahlungsfristen. Wegen der Krise habe sich die Zahlungsmoral nochmals deutlich verschlechtert. «Zudem ist das Risiko von Zahlungsausfällen gestiegen», so ein Sprecher.

Der Zementkonzern ­Holcim spürt die Zahlungsverzögerungen indirekt, weil seine Kunden von staatlichen Stellen erst mit grosser Verspätung bezahlt werden. Die spanische Zentralregierung hat neue Kreditlimiten gesprochen, mit denen die Regionen endlich ihre Schulden begleichen können. Holcim erwartet aber, dass dies erst im Mai Wirkung zeigt.

Zentraler Auslöser der spanischen Krise war die Überhitzung im Bausektor. Inzwischen liegt die Branche darnieder, Besserung ist nicht in Sicht. Holcim musste letztes Jahr in Spanien 243 Millionen Franken abschreiben und Betonwerke schlies­sen. «Seit 2007 ist unser Umsatz im Land um mehr als die Hälfte zurückgegangen», bestätigt Holcim. Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht in Sicht.

«Markt auf der Iberischen Halbinsel ist derzeit am Boden»

Auch das Beispiel Geberit belegt, in welch desolatem Zustand der spanische Markt ist. Der Sanitärtechnik-Konzern legte 2011 in Ländern wie Grossbritannien und Frankreich zweistellige Wachstumsraten hin. «Der Markt auf der Iberischen Halbinsel dagegen ist derzeit am Boden», heisst es bei Geberit. In Spanien und Portugal musste der Konzern 2011 ein Umsatzminus von 9,5 Prozent verbuchen.

Beim Liechtensteiner Baugeräte-Hersteller Hilti liegen die Umsätze in Spanien ebenfalls deutlich unter dem Niveau vor Ausbruch der Wirtschaftskrise. Im Land mussten deshalb Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Bauchemikalien-Hersteller Sika ver-zeichnet seit 2008 stark rückläufige Umsätze in ­Spanien.

Immer mehr Firmen wenden sich darum an die Schweizerische Exportrisikoversicherung. Ihre Versicherungssumme in Spanien hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt. Neu versichert werden vor allem Geschäfte, die hiesige Firmen mit staatlichen Schuldnern in den spanischen Provinzen abwickeln wollen.

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