SR Technics schreibt rote Zahlen

Billiganbieter in Asien haben das Ergebnis von SR Technics deutlich verhagelt. Neben dem erhöhten Preisdruck belastet auch die Frankenstärke das Ergebnis. Immerhin lag der Quartalsumsatz der ehemalige

17.04.2012

Das Flugzeugwartungsunternehmen SR Technics schreibt rote Zahlen. Billiganbieter in Asien sorgen für Preisdruck und die Frankenstärke lastet auf den meist in Dollar generierten Einnahmen. Dennoch hält die von Scheichs kontrollierte Firma am Sitz in Zürich fest.

Nach einem Stellenabbau zählt SR Technics am Flughafen Kloten noch rund 2300 Mitarbeitende. Der heutige Eigner der ehemaligen Swissair-Tochter, die Mubadala-Gruppe aus dem Emirat Abu Dhabi, schätze den Standort Zürich, sagte SR-Technics-Chef André Wall am Dienstag im Gespräch mit Journalisten.

Regierungen gehören zu Kunden

SR Technics investiere hier, unter anderem in das Logistikzentrum und in die Ausrüstung von VIP-Flugzeugen: So wurde im Februar das erste, luxuriös von SR Technics ausgestattete Grossraumflugzeug an einen Kunden im Mittleren Osten ausgeliefert. Auch Regierungen gehören zu den Zielkunden.

In diesem Geschäft, in dem nur das Neueste und Beste gut genug ist, will sich SR Technics etablieren. Hier zähle die erstklassige Ausbildung und die grosse Erfahrung der Mitarbeitenden besonders, sagte Wall.

In der personalintensiven Generalüberholung von Flugzeugen ist der Preisdruck stärker. SR Technics erzielt knapp ein Viertel des Umsatzes im Unterhalt von Flugzeugzellen. In dem Geschäft fallen hingegen über 60 Prozent der Personalkosten an. Die restlichen Umsätze erzielt SR Technics je rund zur Hälfte im Unterhalt von Komponenten und von Triebwerken.

Umsatz stagnierte

Insgesamt erzielte SR Technics 2010 und 2011 einen Umsatz von je rund 1,1 Milliarden Franken. Bei konstanten Wechselkursen wäre das Unternehmen spürbar gewachsen. «Die Frankenstärke hat uns das Ergebnis verhagelt», sagte Wall, ohne Zahlen zu nennen.

Gemäss Medienberichten hatte SR Technics bereits 2010 einen dreistelligen Millionenverlust angehäuft. Vergangenen September beschloss SR Technics den Abbau von bis zu 250 Stellen in Zürich. Auch dank internen Verlagerungen habe schliesslich weniger als 100 Mitarbeitenden gekündigt werden müssen, sagte Wall. Im gut laufenden Triebwerksgeschäft würden sogar wieder Leute eingestellt.

Das Umfeld blieb aber schwierig: Im ersten Quartal 2012 hätten Fluggesellschaften grössere Investitionen zurückgestellt. SR Technics erhielt Aufträge von 141,5 Millionen Franken. Eingeplant gewesen wären 750 Millionen Franken. Der Quartalsumsatz lag hingegen mit 281 Millionen Franken über den angestrebten 260 Millionen Franken.

Übernahme von Finair-Triebwerkwartung geplant

Um den im internationalen Vergleich hohen Lohnkosten zu begegnen, griff SR Technics zu weiteren Sparmassnahmen. So ist der 13. Monatslohn nur zur Hälfte garantiert, der Rest ist von der Entwicklung des Unternehmensergebnisses abhängig. Auch Gratifikationen zu Dienstjubiläen wurden gekürzt.

Neben Zürich beschäftigt SR Technics in Genf gut 100 Mitarbeitende. Wichtige Standorte sind auch in Cork, Madrid, Malta und Palma. Aus Dublin hat sich das Unternehmen vor drei Jahren zurückgezogen.

Demgegenüber ist geplant, dass SR Technics bald die Triebwerk- und Komponentenwartung der Finnair übernimmt. Ziel ist laut Wall, dass SR Technics 2013 wieder eine «schwarze Null» schreibt.

(muv/aho/awp)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Das Flugzeugwartungsunternehmen SR Technics schreibt rote Zahlen. Billiganbieter in Asien sorgen für Preisdruck und die Frankenstärke lastet auf den meist in Dollar generierten Einnahmen. Dennoch hält die von Scheichs kontrollierte Firma am Sitz in Zürich fest.

Nach einem Stellenabbau zählt SR Technics am Flughafen Kloten noch rund 2300 Mitarbeitende. Der heutige Eigner der ehemaligen Swissair-Tochter, die Mubadala-Gruppe aus dem Emirat Abu Dhabi, schätze den Standort Zürich, sagte SR-Technics-Chef André Wall am Dienstag im Gespräch mit Journalisten.

Regierungen gehören zu Kunden

SR Technics investiere hier, unter anderem in das Logistikzentrum und in die Ausrüstung von VIP-Flugzeugen: So wurde im Februar das erste, luxuriös von SR Technics ausgestattete Grossraumflugzeug an einen Kunden im Mittleren Osten ausgeliefert. Auch Regierungen gehören zu den Zielkunden.

In diesem Geschäft, in dem nur das Neueste und Beste gut genug ist, will sich SR Technics etablieren. Hier zähle die erstklassige Ausbildung und die grosse Erfahrung der Mitarbeitenden besonders, sagte Wall.

In der personalintensiven Generalüberholung von Flugzeugen ist der Preisdruck stärker. SR Technics erzielt knapp ein Viertel des Umsatzes im Unterhalt von Flugzeugzellen. In dem Geschäft fallen hingegen über 60 Prozent der Personalkosten an. Die restlichen Umsätze erzielt SR Technics je rund zur Hälfte im Unterhalt von Komponenten und von Triebwerken.

Umsatz stagnierte

Insgesamt erzielte SR Technics 2010 und 2011 einen Umsatz von je rund 1,1 Milliarden Franken. Bei konstanten Wechselkursen wäre das Unternehmen spürbar gewachsen. «Die Frankenstärke hat uns das Ergebnis verhagelt», sagte Wall, ohne Zahlen zu nennen.

Gemäss Medienberichten hatte SR Technics bereits 2010 einen dreistelligen Millionenverlust angehäuft. Vergangenen September beschloss SR Technics den Abbau von bis zu 250 Stellen in Zürich. Auch dank internen Verlagerungen habe schliesslich weniger als 100 Mitarbeitenden gekündigt werden müssen, sagte Wall. Im gut laufenden Triebwerksgeschäft würden sogar wieder Leute eingestellt.

Das Umfeld blieb aber schwierig: Im ersten Quartal 2012 hätten Fluggesellschaften grössere Investitionen zurückgestellt. SR Technics erhielt Aufträge von 141,5 Millionen Franken. Eingeplant gewesen wären 750 Millionen Franken. Der Quartalsumsatz lag hingegen mit 281 Millionen Franken über den angestrebten 260 Millionen Franken.

Übernahme von Finair-Triebwerkwartung geplant

Um den im internationalen Vergleich hohen Lohnkosten zu begegnen, griff SR Technics zu weiteren Sparmassnahmen. So ist der 13. Monatslohn nur zur Hälfte garantiert, der Rest ist von der Entwicklung des Unternehmensergebnisses abhängig. Auch Gratifikationen zu Dienstjubiläen wurden gekürzt.

Neben Zürich beschäftigt SR Technics in Genf gut 100 Mitarbeitende. Wichtige Standorte sind auch in Cork, Madrid, Malta und Palma. Aus Dublin hat sich das Unternehmen vor drei Jahren zurückgezogen.

Demgegenüber ist geplant, dass SR Technics bald die Triebwerk- und Komponentenwartung der Finnair übernimmt. Ziel ist laut Wall, dass SR Technics 2013 wieder eine «schwarze Null» schreibt.

(muv/aho/awp)

Meistgelesen

Nur Kleinanleger glauben noch an Gold
Kurs

Grossinvestoren verkaufen weiterhin Gold en masse. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Daran ändert auch die ungebrochen hohe Nachfrage von Kleinanlegern nach Münzen und Barren nichts. Mehr...

22.05.2013
Schwarzgeld

Die deutsche Regierung kritisiert seit Jahren Steueroasen im Ausland. Doch bei genauer Betrachtung ist Deutschland für Ausländer sogar selbst ein Hort für unversteuerte Gelder. Mehr...

VonMichael Houben (ARD)
16.05.2013
Neuheit

Das Projekt wurde über Jahre streng geheim gehalten. Nun stellte der Schweizer Flugzeugbauer in Genf seinen PC-24 erstmals vor. Der neue Businessjet kann auf kürzesten Pisten starten. Mehr...

VonStefan Eiselin
21.05.2013
Goldman-Sachs-Chefökonom: «Rezession in Europa geht weiter»
Eurokrise

Goldman-Sachs-Chefökonom Jan Hatzius befürchtet eine Rückkehr der Eurokrise, falls die Peripherieländer ihre Sparpolitik aufgeben. Mehr...

VonTim Höfinghoff
22.05.2013
Gold droht der Fall unter die 1000 Dollar
Szenario

Die Erholung nach dem Crash scheint nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Ein Rohstoffexperte der Credit Suisse sieht das Edelmetall nun vor einem noch drastischeren Preissturz. Mehr...

17.05.2013
Abercrombie & Fitch: Die extravaganten Wünsche des Chefs
Modemarke

Die Stewards von Abercrombie-&-Fitch-Chef Michael Jeffries müssen in Boxershorts arbeiten, das Silberbesteck nur mit schwarzen Handschuhen anfassen und ihn mit einem Phil-Collins-Song begrüssen. Mehr...

22.10.2012
Immobilienboom: Der Leichtsinn der Hausfrauen*
Kommentar

Es herrscht Leichtsinn im Land. Doch an der Schweizer Betonfront wächst die Beunruhigung, denn zwei von fünf neuen Hausbesitzern droht bei höheren Zinsen die Pleite. Mehr...

15.05.2013

Die Handelszeitung – morgen am Kiosk

 

 

Unsere Partner    

Kommentar: Economiesuisse - das Grounding von 2013 Lesen

Fachhochschul-Absolventen stossen an Salärgrenzen. Lesen

Unterirdischer Güterverkehr: Geldsorgen. Lesen

Experten warnen vor Essen aus China. Lesen

Goldman-Sachs: «Rezession in Europa geht weiter». Lesen

Salat und Hemden im Schliessfach. Lesen

«Alstom ist keine Sozialversicherung ». Lesen

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...