12.05.2009 | 18:16
 

Swisscom stoppt VDSL-Ausbau in grössten Schweizer Städten - Fokus auf Glasfasern

Zürich (awp/sda) - Nicht einmal drei Jahre nach ihrer breiten Einführung wird die Breitbandinternet-Technik VDSL bereits von der Entwicklung überholt: Die Swisscom hat den VDSL-Ausbau in den grössten Schweizer Städten gestoppt, wo sie stattdessen ins Glasfasernetz investiert.

VDSL werde vor allem in den ländlichen Gebieten weitergeführt, sagte der Verantwortliche bei der Swisscom für den Glasfaserausbau, Patrice Haldemann am Dienstag vor den Medien in Zürich: "Nicht da, wo wir Glasfaser einführen."

Damit liegt die Aufrüstung des Kupferkabelnetzes mit der Weiterentwicklung der veralteten ADSL-Technik in den grossen Schweizer Städten auf Eis, die die Swisscom ab Ende 2006 mit Nachdruck vorangetrieben hatte. Denn seit vergangenem Jahr richtet die Swisscom ihren Fokus auf die noch leistungsfähigeren Glasfasern.

Bis 2015 will sie die Städte Zürich, Genf, Basel, St. Gallen, Bern, Lausanne und den Kanton Freiburg flächendeckend mit dem ultraschnellen Datennetz der Zukunft versorgen. Dabei baut die Swisscom entweder selber ein Glasfasernetz wie in Zürich oder setzt auf Kooperationen verschiedenster Art mit den lokalen Elektrizitätswerken.

Ziel sei es, 2015 über 1 Mio Haushalte zu angeschlossen zu haben, sagte Haldemann. Das wäre ein Drittel der Bevölkerung.

Treiber hinter der Entwicklung ist die Konkurrenz: Seit das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) mit der gewonnenen Volksabstimmung im März 2007 ernst mit dem Bau eines eigenen Glasfasernetzes ernst machte, gibt auch die Swisscom Gas.

Eigentlich hatte der "Blaue Riese" noch möglichst lange seine mehrere hundert Millionen Franken teuren Investitionen in die VDSL-Technik amortisieren wollen. Durch die Offensive des EWZ lief der grösste Schweizer Telekomkonzern allerdings Gefahr, technologisch in Rückstand zu geraten.

Während die Swisscom 60% der Bevölkerung mit Bandbreiten von 20 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) und 75% der Bevölkerung noch mit 12 Mbit/s versorgen kann, werden auf dem Glasfasernetz des EWZ derzeit Surfgeschwindigkeiten von 50 Mbit/s angeboten. Ausgelegt ist das EWZ-Netz derzeit für 100 Mbit/s.

Auch Cablecom rückt der Swisscom auf die Pelle: Noch in diesem Jahr will der grösste Kabelnetzbetreiber Surfgeschwindigkeiten von über 100 Mbit/s bieten. Nun plant auch die Swisscom auf ihrem neuen Glasfasernetz mit einer Bandbreite von zunächst 100 Mbit/s.

VDSL sei heute nur noch die Überbrückung bis ins Jahr 2013/14, sagte Haldemann. Dank dieser Technik könne die Swisscom den steigenden Bandbreitenbedarf noch abdecken. "Sonst hätten wir ein Loch."

Dieses bekommen nun Bewohner in jenen Quartieren der grossen Städte zu spüren, in denen bisher nicht die volle VDSL-Bandbreite zur Verfügung steht. Um auch diesen Bluewin TV anbieten zu können, geht die Swisscom an die Grenze dessen, was die Längen der Kupferleitungen zulassen.

Damit bekommen die Kunden ein eingeschränktes Bluewin-TV-Angebot (ohne HDTV) und müssen sich mit Surfgeschwindigkeiten von 8 Mbit/s bescheiden. Dies ist nicht mehr viel schneller als ADSL (5 Mbit/s).

Immerhin will die Swisscom laut Haldemann in diesen Quartieren, wo die VDSL-Versorgung am geringsten ist, zuerst mit dem Glasfaserausbau beginnen. In Zürich sind dies Aussersihl und Albisrieden.

Dagegen geht die Erschliessung auf dem Lande weiter. "In Gegenden, wo noch lange nicht mit Glasfaser zu rechnen ist und ein entsprechendes Marktpotential vorhanden ist, bauen wir weiterhin VDSL", hatte Swisscom-Chef Carsten Schloter vor kurzem gesagt.

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