«Das Mobiltelefon als Brieftasche»

RIM-Schweiz-Chef Paulo Baptista erklärt im Interview mit «Handelszeitung Online», warum er den «Blackberry» immer noch für erfolgreich hält - und weshalb Vergleiche mit dem kriselnden Konkurrenten Nok

VonJorgos Brouzos (Interview)
18.04.2012

Sie betreuen die Schweiz und Israel. Eine besondere Kombination. Sind die Märkte vergleichbar?
Paulo Baptista: Ja, beides sind High-End-Märkte, sie sind von der Technologie getrieben. Die Penetration von Smartphones ist sehr hoch und es hat viele internationale Unternehmen.

Welche Verbreitung hat der Service Blackberry Messenger (BBM)?
Rund zwei Drittel aller Blackberry-User nutzen BBM. Es ist fast schon eine Social-Media-Plattform. Die Schweiz hat das gleiche BBM-Niveau wie Frankreich oder Österreich. Aber viele Firmen erlauben BBM nicht. Es gibt daher zahlreiche Nutzer, die vom Dienst ausgeschlossen sind. Unter Schweizer Nutzern könnte BBM eine Verbreitung von 85 Prozent haben, wenn alle den Service nutzen dürften. Aber das ist nur eine Vermutung.

Wie viele Blackberry-User gibt es denn nun in der Schweiz?
Wir geben keinen Länderzahlen bekannt. Nur soviel: Wir schlagen uns beachtlich.

In der Schweiz wird der Blackberry oft als reines Business-Gerät angesehen. Im Ausland ist das anders. Weshalb?
Blackberry galt wegen der kostenpflichtigen Blackberry-Option lange als ein teures Business-Gerät. Seit die Option bei einigen Anbietern gratis ist, beginnt sich das Bild zu ändern. Daher können wir bei jedem Mobilfunkanbieter starkes Wachstum verzeichnen. Blackberry ist kein reines Business-Phone mehr.

Wie unterscheiden sich die Sprachregionen in der Schweiz?
Im französischsprachigen Teil der Schweiz ist Blackberry viel populärer als im deutschsprachigen Teil. 60 Prozent unserer Kunden sind aus dem Welschland, 40 Prozent aus der Deutschschweiz.

Swisscom ist für Blackberry wichtiger als Sunrise und Orange.
Wir gehen mit allen Anbietern gleich um, doch der Kontakt zu Swisscom ist sehr wichtig. Swisscom hat einen Marktanteil von 60 Prozent und ist in der Schweiz der klare Leader. Kunden wie Roche, UBS oder Richemont sind Swisscom-Kunden - und eben auch Blackberry-Kunden.

Wie entwickelt sich das Geschäft mit den grossen Firmenkunden?
Bei diesen Kunden bauen wir unseren Anteil aus. Sicher gibt es viele iPhones oder Samsung-Geräte in den Firmen, sie nehmen uns aber keine Kunden weg. Unsere Kunden sind loyal, weil ein Blackberry für Vielreisende günstig ist. Zudem ist unsere Lösung sicher verschlüsselt.

Die negativen Schlagzeilen zu RIM haben doch viele Kunden verunsichert.  
Bislang haben wir noch keinen Kunden erlebt, der die Zukunft von RIM in Frage stellt. Wer sich unsere Resultate anschaut, sieht, dass wir über ausreichend Cash verfügen und viele zukunftsträchtige Lösungen haben.

Manche vergleichen Blackberry bereits mit Nokia. Das finnische Unternehmen musste sich in ein Joint Venture mit Microsoft retten.
Wir hören das seit einiger Zeit. Wir sind ein profitables Unternehmen, das mehr als 11 Millionen Smartphones pro Quartal ausliefert. Der Quartalsumsatz beträgtmehr als 4 Milliarden Dollar. Auch als im letzten Quartal die Zahlen durchzogen waren, haben wir noch Cash generiert.

Sie sind sehr optimistisch.
Das Betriebssystem Android war vor zwei Jahren noch bedeutungslos. Das gilt heute nicht mehr - und auch Apple schlägt sich gut. Doch RIM hat alles selbst in der Hand. Mit Blackberry 10 wurde ein zukunftsträchtiges Betriebssystem lanciert. Die Software wird in den nächsten sechs Monaten weltweit gelauncht werden und unsere Stärken zeigen.

Die Hersteller von Smartphones überziehen sich mit Patentklagen. Was halten Sie davon?
Patentklagen wird es immer geben. Es ist ein Spiel. RIM hat dabei eine gute Figur gemacht und hatte bislang keine bedeutenden Patentprobleme. Die Rechtsabteilung ist bei diesen Themen sehr vorsichtig.

Zahlungslösungen die auf Near Field Communication (NFC) aufbauen, kommen nicht recht vom Fleck. Welche Rolle übernimmt dabei Blackberry?
NFC ist enorm wichtig für Blackberry. Die neuen Blackberry-Geräte sind NFC-kompatibel. Doch die Technologie ist nur das eine, es braucht auch entsprechende Anwendungen dafür.

Was meinen Sie damit?
Das Mobiltelefon soll sich als Brieftasche verwenden lassen. RIM arbeitet mit Mastercard an einem entsprechenden Projekt. Zudem können zwischen Blackberry-Geräten Daten per NFC übertragen werden und die Technologie könnte auch dazu dienen, um Zutritt-Badges überflüssig zu machen.  

Paulo Baptista ist beim Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) für die Schweiz, Österreich und Israel verantwortlich.

 

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Sie betreuen die Schweiz und Israel. Eine besondere Kombination. Sind die Märkte vergleichbar?
Paulo Baptista: Ja, beides sind High-End-Märkte, sie sind von der Technologie getrieben. Die Penetration von Smartphones ist sehr hoch und es hat viele internationale Unternehmen.

Welche Verbreitung hat der Service Blackberry Messenger (BBM)?
Rund zwei Drittel aller Blackberry-User nutzen BBM. Es ist fast schon eine Social-Media-Plattform. Die Schweiz hat das gleiche BBM-Niveau wie Frankreich oder Österreich. Aber viele Firmen erlauben BBM nicht. Es gibt daher zahlreiche Nutzer, die vom Dienst ausgeschlossen sind. Unter Schweizer Nutzern könnte BBM eine Verbreitung von 85 Prozent haben, wenn alle den Service nutzen dürften. Aber das ist nur eine Vermutung.

Wie viele Blackberry-User gibt es denn nun in der Schweiz?
Wir geben keinen Länderzahlen bekannt. Nur soviel: Wir schlagen uns beachtlich.

In der Schweiz wird der Blackberry oft als reines Business-Gerät angesehen. Im Ausland ist das anders. Weshalb?
Blackberry galt wegen der kostenpflichtigen Blackberry-Option lange als ein teures Business-Gerät. Seit die Option bei einigen Anbietern gratis ist, beginnt sich das Bild zu ändern. Daher können wir bei jedem Mobilfunkanbieter starkes Wachstum verzeichnen. Blackberry ist kein reines Business-Phone mehr.

Wie unterscheiden sich die Sprachregionen in der Schweiz?
Im französischsprachigen Teil der Schweiz ist Blackberry viel populärer als im deutschsprachigen Teil. 60 Prozent unserer Kunden sind aus dem Welschland, 40 Prozent aus der Deutschschweiz.

Swisscom ist für Blackberry wichtiger als Sunrise und Orange.
Wir gehen mit allen Anbietern gleich um, doch der Kontakt zu Swisscom ist sehr wichtig. Swisscom hat einen Marktanteil von 60 Prozent und ist in der Schweiz der klare Leader. Kunden wie Roche, UBS oder Richemont sind Swisscom-Kunden - und eben auch Blackberry-Kunden.

Wie entwickelt sich das Geschäft mit den grossen Firmenkunden?
Bei diesen Kunden bauen wir unseren Anteil aus. Sicher gibt es viele iPhones oder Samsung-Geräte in den Firmen, sie nehmen uns aber keine Kunden weg. Unsere Kunden sind loyal, weil ein Blackberry für Vielreisende günstig ist. Zudem ist unsere Lösung sicher verschlüsselt.

Die negativen Schlagzeilen zu RIM haben doch viele Kunden verunsichert.  
Bislang haben wir noch keinen Kunden erlebt, der die Zukunft von RIM in Frage stellt. Wer sich unsere Resultate anschaut, sieht, dass wir über ausreichend Cash verfügen und viele zukunftsträchtige Lösungen haben.

Manche vergleichen Blackberry bereits mit Nokia. Das finnische Unternehmen musste sich in ein Joint Venture mit Microsoft retten.
Wir hören das seit einiger Zeit. Wir sind ein profitables Unternehmen, das mehr als 11 Millionen Smartphones pro Quartal ausliefert. Der Quartalsumsatz beträgtmehr als 4 Milliarden Dollar. Auch als im letzten Quartal die Zahlen durchzogen waren, haben wir noch Cash generiert.

Sie sind sehr optimistisch.
Das Betriebssystem Android war vor zwei Jahren noch bedeutungslos. Das gilt heute nicht mehr - und auch Apple schlägt sich gut. Doch RIM hat alles selbst in der Hand. Mit Blackberry 10 wurde ein zukunftsträchtiges Betriebssystem lanciert. Die Software wird in den nächsten sechs Monaten weltweit gelauncht werden und unsere Stärken zeigen.

Die Hersteller von Smartphones überziehen sich mit Patentklagen. Was halten Sie davon?
Patentklagen wird es immer geben. Es ist ein Spiel. RIM hat dabei eine gute Figur gemacht und hatte bislang keine bedeutenden Patentprobleme. Die Rechtsabteilung ist bei diesen Themen sehr vorsichtig.

Zahlungslösungen die auf Near Field Communication (NFC) aufbauen, kommen nicht recht vom Fleck. Welche Rolle übernimmt dabei Blackberry?
NFC ist enorm wichtig für Blackberry. Die neuen Blackberry-Geräte sind NFC-kompatibel. Doch die Technologie ist nur das eine, es braucht auch entsprechende Anwendungen dafür.

Was meinen Sie damit?
Das Mobiltelefon soll sich als Brieftasche verwenden lassen. RIM arbeitet mit Mastercard an einem entsprechenden Projekt. Zudem können zwischen Blackberry-Geräten Daten per NFC übertragen werden und die Technologie könnte auch dazu dienen, um Zutritt-Badges überflüssig zu machen.  

Paulo Baptista ist beim Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) für die Schweiz, Österreich und Israel verantwortlich.

 

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