Frisierter Lebenslauf: Verwaltungsrat tritt ab

Die Ereignisse bei Yahoo überschlagen sich: Im Zuge der Affäre um Konzernchef Scott Thompson muss nun ein prominentes Verwaltungsratsmitglied den Hut nehmen.

09.05.2012

Der falsche akademische Titel im Lebenslauf von Yahoo-CEO Scott Thompson hat erste personelle Konsequenzen zur Folge: Patti Hart, die dem Ausschuss vorstand, der Thompson vor vier Monaten einstellte, kündigte ihren Rückzug aus dem Verwaltungsrat an.

«Es war ein Privileg für mich, den Yahoo-Aktionären zu dienen», erklärte sie. Thompson selbst hat sich bei seinen Mitarbeitern entschuldigt. Ein Hedgefonds-Manager und Grossaktionär von Yahoo hatte die Affäre aufgedeckt.

Yahoo hatte jüngst bestätigt, dass Thompson - anders als bei der US-Börsenaufsicht SEC angegeben - keinen Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften habe.

Konzernchef wird durchleuchtet

Der erst zum Jahresbeginn angetretene Yahoo-Chef Scott Thompson muss sich derweil einer unangenehmen Untersuchung stellen. Nachdem ein Hedgefonds-Manager aufgedeckt hatte, dass Thompsons Lebenslauf geschönt war, hat der Yahoo-Verwaltungsrat nun einen Untersuchungsausschuss eingesetzt.

Das Komitee des Internetkonzerns soll zum einen den akademischen Werdegang von Thompson gründlich überprüfen und zum anderen aufklären, wie bei seiner Verpflichtung unentdeckt bleiben konnte, dass er nicht wie behauptet einen Bachelor-Titel in Computerwissenschaften hat.

Dem Verwaltungsrat sei die Dringlichkeit der Angelegenheit bewusst, erklärte Yahoo. Es ist das erste Mal, dass sich das oberste Konzerngremium öffentlich zu der Affäre äussert, die in der vergangenen Woche ins Rollen gekommen war.

Frisierter Lebenslauf: «Unbeabsichtigter Fehler»

Bislang hatte sich nur die Presseabteilung zu Wort gemeldet und in einer ersten Reaktion von einem «unbeabsichtigten Fehler» gesprochen. Sowohl in der Biographie Thompsons bei Yahoo als auch bei seinem früheren Arbeitgeber Ebay war der Abschluss in Computerwissenschaften aufgetaucht.

Der Untersuchungsausschuss besteht aus drei Mitgliedern, die allesamt erst nach der Ernennung Thompsons zum Konzernchef in das Aufsichtsgremium gekommen sind. Einer ist seit Februar im Amt, zwei erst seit April. Das Trio wird von einer spezialisierten Anwaltskanzlei unterstützt.

Neben Thompson steht auch Patti Hart unter Beschuss. Das unabhängige Verwaltungsratsmitglied, das im Hauptberuf den Spielespezialisten International Game Technology leitet, hatte Thompson als Chef zu Yahoo geholt.

Wie mehrere US-Medien unter Berufung auf eingeweihte Personen berichteten, will sich Hart bei Yahoo zurückziehen. Sie werde sich auf der nächsten Hauptversammlung nicht erneut zur Wahl für den Verwaltungsrat stellen, mutmasste der Blog «All Things Digital».

(muv/chb/awp/sda)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Der falsche akademische Titel im Lebenslauf von Yahoo-CEO Scott Thompson hat erste personelle Konsequenzen zur Folge: Patti Hart, die dem Ausschuss vorstand, der Thompson vor vier Monaten einstellte, kündigte ihren Rückzug aus dem Verwaltungsrat an.

«Es war ein Privileg für mich, den Yahoo-Aktionären zu dienen», erklärte sie. Thompson selbst hat sich bei seinen Mitarbeitern entschuldigt. Ein Hedgefonds-Manager und Grossaktionär von Yahoo hatte die Affäre aufgedeckt.

Yahoo hatte jüngst bestätigt, dass Thompson - anders als bei der US-Börsenaufsicht SEC angegeben - keinen Bachelor-Abschluss in Computerwissenschaften habe.

Konzernchef wird durchleuchtet

Der erst zum Jahresbeginn angetretene Yahoo-Chef Scott Thompson muss sich derweil einer unangenehmen Untersuchung stellen. Nachdem ein Hedgefonds-Manager aufgedeckt hatte, dass Thompsons Lebenslauf geschönt war, hat der Yahoo-Verwaltungsrat nun einen Untersuchungsausschuss eingesetzt.

Das Komitee des Internetkonzerns soll zum einen den akademischen Werdegang von Thompson gründlich überprüfen und zum anderen aufklären, wie bei seiner Verpflichtung unentdeckt bleiben konnte, dass er nicht wie behauptet einen Bachelor-Titel in Computerwissenschaften hat.

Dem Verwaltungsrat sei die Dringlichkeit der Angelegenheit bewusst, erklärte Yahoo. Es ist das erste Mal, dass sich das oberste Konzerngremium öffentlich zu der Affäre äussert, die in der vergangenen Woche ins Rollen gekommen war.

Frisierter Lebenslauf: «Unbeabsichtigter Fehler»

Bislang hatte sich nur die Presseabteilung zu Wort gemeldet und in einer ersten Reaktion von einem «unbeabsichtigten Fehler» gesprochen. Sowohl in der Biographie Thompsons bei Yahoo als auch bei seinem früheren Arbeitgeber Ebay war der Abschluss in Computerwissenschaften aufgetaucht.

Der Untersuchungsausschuss besteht aus drei Mitgliedern, die allesamt erst nach der Ernennung Thompsons zum Konzernchef in das Aufsichtsgremium gekommen sind. Einer ist seit Februar im Amt, zwei erst seit April. Das Trio wird von einer spezialisierten Anwaltskanzlei unterstützt.

Neben Thompson steht auch Patti Hart unter Beschuss. Das unabhängige Verwaltungsratsmitglied, das im Hauptberuf den Spielespezialisten International Game Technology leitet, hatte Thompson als Chef zu Yahoo geholt.

Wie mehrere US-Medien unter Berufung auf eingeweihte Personen berichteten, will sich Hart bei Yahoo zurückziehen. Sie werde sich auf der nächsten Hauptversammlung nicht erneut zur Wahl für den Verwaltungsrat stellen, mutmasste der Blog «All Things Digital».

(muv/chb/awp/sda)

Meistgelesen

Schweizer Steuergelder für BVB und Co.
Fussball

Gerne kommen internationale Spitzenklubs für ein Trainingslager in die Schweiz. Die Vereine mit Millionenbudget zahlen den Gemeinden oft nur einen Teil der Kosten. Mehr...

VonTobias Keller
18.06.2013
Mirgos Basel schliesst Filialen in Deutschland
Rückzug

Die Expansion über die Grenze ist gescheitert. Der Detailhandelskonzern gibt seine vier Filialen in Baden-Württemberg auf. Es kommt zu Entlassungen. Mehr...

VonStefan Eiselin
18.06.2013
Notenstein-Chef hält Bankenspaltung für gangbare Lösung
Steuerdeal

Adrian Künzi warnt die Politik vor einer Eskalation im Steuerstreit. Der Chef der Bank Notenstein erklärt auch, weshalb die Nationalbank die Banken nicht vor der US-Machtpolitik schützen kann. Mehr...

VonVasilije Mustur
18.06.2013
Commerzbank: Mehr als 5000 Stellen weg
Stellenabbau

Nach langen Verhandlungen haben sich die Führung der teilverstaatlichten Bank und die Gewerkschaften geeinigt. Für den Stellenabbau ist eine halbe Milliarde Euro bereitgestellt. Mehr...

18.06.2013
«Die Schweiz in der Höhle des Löwen»
Steuerdeal

Der Nationalrat gab der Lex USA keine Chance und ist nicht auf die Vorlage eingetreten. Ohne Gesetz drohe eine Eskalation, sagte Finanzministerin Widmer-Schlumpf. Mehr...

18.06.2013
Philipp Müller nimmt zur Ablehnung Stellung
Interview

FDP-Präsident Philipp Müller erklärt, weshalb seine Partei gegen den Steuerdeal im Nationalrat stimmte und welcher Handlungsspielraum der Schweiz im Streit mit den USA nun noch bleibt. Mehr...

Interview vonVasilije Mustur
18.06.2013
«Eine Katastrophe, wie man uns behandelt»
Interview

Die Wirtschaftskommission rät dem Nationalrat, nicht auf die Steuer-Deal-Vorlage einzutreten. SVP-Politiker Hans Kaufmann erklärt, warum – und spricht über seinen Interessenkonflikt als ZKB-Bankrat. Mehr...

VonTimo Nowack
14.06.2013

Die Handelszeitung – jetzt am Kiosk

 

Aktuelle Ausgabe

 

Unsere Partner    

Art Basel: Warnung vor Geldwäsche im Kunsthandel Lesen

Expansion: Kuoni buhlt um weitere Visa-Aufträge Lesen

Kommentar: Innovationsparks - Falscher Griff in die Zauberkiste Lesen

Unruhe: Sunrise bekommt einen neuen Informatikchef Lesen

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...