Interview polarisiert: Twitter und Facebook nur für Blöde?

Werber Hermann Strittmatter ist mit Facebook und Twitter «intellektuell unterfordert». Diese und weitere Aussagen im Gespräch mit der «Handelszeitung» erhitzen die Gemüter in der Social-Media-Communit

VonVolker Strohm
27.07.2012

Ein Interview in der «Handelszeitung» erregt die Gemüter. Ausgerechnet im sozialen Netzwerk Twitter. Ausgerechnet deshalb, weil der Interviewte an diesem Kanal der modernen Kommunikation kein gutes Haar liess: «Da bin ich intellektuell unterfordert, einfach nicht blöd genug», sagte Hermann Strittmatter, Chef der Zürcher Werbeagentur GGK.

Und bei der Frage, ob denn die Agentur keinerlei Werbung über Facebook und Twitter mache, legte Strittmatter nach: «Wir setzen da externe Spezialisten ein, die nichts dagegen haben, für solche Sachen blöd genug zu sein.»

Anschluss an die Online-Welt

Diese Aussagen haben nicht nur die Twitter-Gemeinde, sondern auch die Werbebranche auf den Plan gerufen. So will Peter Leutenegger, Geschäftsführer des Verbands der führenden Werbe- und Kommunikationsagenturen, im Gespräch mit «Handelszeitung Online» bewusst nicht auf den Mann spielen - sagt aber: «Wenn durch das Interview der Eindruck entsteht, dass die Schweizer Werbebranche den Anschluss an die Online-Welt verpasst hat, so ist das unglücklich.»

Deutlich dezidierter ist die Meinung von Politologin Adrienne Fichter, die in ihrem Blog einen offenen Brief an Strittmatter formuliert hat. «Selten habe ich eine so herablassende Äusserung über die professionelle Nutzung von Social Media in der Medienöffentlichkeit gehört.»

Visionär - in der Vergangenheit

Der Beitrag wurde gemäss Fichter bereits weit über 1500 Mal aufgerufen und hat bei Twitter, Facebook und Google+ über 200 Reaktionen hervorgerufen. Auch die Kommentare auf der Blog-Seite selbst sind eindeutig: «Hermann Strittmatter war ein brillianter Denker und kreativer Werber, ja, sogar ein Visionär», schreibt Roger Hausmann - «doch die Betonung liegt auf ‹war›.»

Fichter rät Strittmatter: «Schon alleine aufgrund des Muts, sich den kritischen Meinungen der Weböffentlichkeit zu stellen, würde ich aber auf die Verwendung des Abjektivs ‹blöd› verzichten. Die Web-Netiquette in Social Media hat nämlich eine disziplinierende Wirkung unter den Webnutzern - gerade Kraftausdrücke gelten in der Online-Community oft als verpönt.»

 

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Ein Interview in der «Handelszeitung» erregt die Gemüter. Ausgerechnet im sozialen Netzwerk Twitter. Ausgerechnet deshalb, weil der Interviewte an diesem Kanal der modernen Kommunikation kein gutes Haar liess: «Da bin ich intellektuell unterfordert, einfach nicht blöd genug», sagte Hermann Strittmatter, Chef der Zürcher Werbeagentur GGK.

Und bei der Frage, ob denn die Agentur keinerlei Werbung über Facebook und Twitter mache, legte Strittmatter nach: «Wir setzen da externe Spezialisten ein, die nichts dagegen haben, für solche Sachen blöd genug zu sein.»

Anschluss an die Online-Welt

Diese Aussagen haben nicht nur die Twitter-Gemeinde, sondern auch die Werbebranche auf den Plan gerufen. So will Peter Leutenegger, Geschäftsführer des Verbands der führenden Werbe- und Kommunikationsagenturen, im Gespräch mit «Handelszeitung Online» bewusst nicht auf den Mann spielen - sagt aber: «Wenn durch das Interview der Eindruck entsteht, dass die Schweizer Werbebranche den Anschluss an die Online-Welt verpasst hat, so ist das unglücklich.»

Deutlich dezidierter ist die Meinung von Politologin Adrienne Fichter, die in ihrem Blog einen offenen Brief an Strittmatter formuliert hat. «Selten habe ich eine so herablassende Äusserung über die professionelle Nutzung von Social Media in der Medienöffentlichkeit gehört.»

Visionär - in der Vergangenheit

Der Beitrag wurde gemäss Fichter bereits weit über 1500 Mal aufgerufen und hat bei Twitter, Facebook und Google+ über 200 Reaktionen hervorgerufen. Auch die Kommentare auf der Blog-Seite selbst sind eindeutig: «Hermann Strittmatter war ein brillianter Denker und kreativer Werber, ja, sogar ein Visionär», schreibt Roger Hausmann - «doch die Betonung liegt auf ‹war›.»

Fichter rät Strittmatter: «Schon alleine aufgrund des Muts, sich den kritischen Meinungen der Weböffentlichkeit zu stellen, würde ich aber auf die Verwendung des Abjektivs ‹blöd› verzichten. Die Web-Netiquette in Social Media hat nämlich eine disziplinierende Wirkung unter den Webnutzern - gerade Kraftausdrücke gelten in der Online-Community oft als verpönt.»

 

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