Kartellklage der Ifpi gegen Google am Horizont

Musikindustrie

Der Musikverband Ifpi erwägt, Google wegen Monopolmissbrauches einzuklagen. Die Musikindustrie ist über Googles Suchresultate erbost.

VonChristian Bütikofer
17.02.2012

Google muss sich warm anziehen. Der Suchmaschine droht eine Klage seitens des internationalen Musikverbandes Ifpi wegen angeblichen Monopolmissbrauches.

Als Google im Dezember 2011 in den USA den Musikshop «Google Music» startete, wurde für amerikanische Benutzer von Android-Handys oder dem Facebook-Rivalen «Google+» das Teilen und Kaufen von MP3s Realität. Die Geburt von Google Music war schwierig: Im Vorfeld lagen sich die Firma und Vertreter der Musikindustrie wegen fälligen Abgaben in den Haaren.

«Höchst vertrauliches» Rechtsgutachten

Doch das war nur ein Nebenschauplatz, der Konflikt zwischen dem IT-Giganten und dem Verband der Musikindustrie Ifpi ist weit grösser.

Im Juli 2011 bestellte das Team von Ifpi Londons Leiterin der Rechtsabteilung Jo Oliver ein «höchst vertrauliches» Rechtsgutachten. Das Ziel: Ausloten, wie man gegen Google eine Kartellrechtsklage aufgleist. 

Ifpi passt nicht, wie Google momentan die Suchresultate präsentiert. Die Suchmaschine macht zwischen Links zu Raubkopien und völlig legalen Download-Angeboten keinen Unterschied. Ifpi will, dass Google die Treffer präventiv filtert und legale Angebote bevorzugt präsentiert. Etwas, das Google kategorisch ablehnt, mit der Begründung, dies sei technisch gar nicht möglich.

In vier Monaten 460'000 Webseiten gemeldet

In der Tat kam Google der Musikindustrie letztes Jahr einen grossen Schritt entgegen. Dokumente, die «Handelszeitung Online» vorliegen, zeigen, dass der Musikverband Ifpi alleine zwischen August und Dezember 2011 Google über 460'000 Suchtreffer fürs «delisting», also zum Löschen, meldete.

Dies ist möglich, weil Google den Inhaltsanbietern der Unterhaltungsindustrie seit Mitte letzten Jahres spezielle Online-Suchmasken anbietet, die Massenabfragen zulassen. Ifpis Anwälte durchwühlen momentan Googles Trefferliste sowie Inhalte der firmeneigenen Blog-Software Blogger. Damit werden nicht nur Links entfernt, sondern auch Blogs, die nach Ansicht der Ifpi Raubkopien anbieten oder Links dazu veröffentlichen.

Google löschte hunderte Blogs

Zudem meldet Ifpi Links zur Bittorrent-Suchmaschine Pirate Bay sowie Werbung auf Google, die auf mögliche Raubkopien verweist. Bereits 2010 sandte Ifpis Antipiraterie-Team fast 400 Anträge auf Löschung von Blogger-Webseiten, die «wiederholt» Copyright-Rechte verletzten. Das führte zu 315 Schliessungen. Seit Januar 2011 meldet das Ifpi-Team Google auch Blogger-Seiten, die gegen Googles Nutzerbestimmungen verstossen würden - etwa weil sie Links zu urheberrechtsverletzenden Webseiten enthalten. 352 mal wurden 2011 solche Meldungen gemacht - offenbar immer mit Erfolg, Google löschte die angezeigten Blogger-Seiten.

Schweigen bei der Ifpi

Wie Google sicherstellt, dass es bei den gemeldeten Webseiten nicht die falschen trifft, konnte ein Google-Sprecher nicht beantworten. Die Firma hielt fest, dass man das Urheberrecht sehr ernst nehme und man deshalb den Rechteinhabern verschiedene Möglichkeiten anbiete, ihre Werke zu schützen. Letztes Jahr habe man 5 Millionen Copyright-verletzende Links entfernt. Die Leiterin Rechtsabteilung, Jo Oliver von Ifpi London, antwortete auf diverse Fragen nicht.

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Google muss sich warm anziehen. Der Suchmaschine droht eine Klage seitens des internationalen Musikverbandes Ifpi wegen angeblichen Monopolmissbrauches.

Als Google im Dezember 2011 in den USA den Musikshop «Google Music» startete, wurde für amerikanische Benutzer von Android-Handys oder dem Facebook-Rivalen «Google+» das Teilen und Kaufen von MP3s Realität. Die Geburt von Google Music war schwierig: Im Vorfeld lagen sich die Firma und Vertreter der Musikindustrie wegen fälligen Abgaben in den Haaren.

«Höchst vertrauliches» Rechtsgutachten

Doch das war nur ein Nebenschauplatz, der Konflikt zwischen dem IT-Giganten und dem Verband der Musikindustrie Ifpi ist weit grösser.

Im Juli 2011 bestellte das Team von Ifpi Londons Leiterin der Rechtsabteilung Jo Oliver ein «höchst vertrauliches» Rechtsgutachten. Das Ziel: Ausloten, wie man gegen Google eine Kartellrechtsklage aufgleist. 

Ifpi passt nicht, wie Google momentan die Suchresultate präsentiert. Die Suchmaschine macht zwischen Links zu Raubkopien und völlig legalen Download-Angeboten keinen Unterschied. Ifpi will, dass Google die Treffer präventiv filtert und legale Angebote bevorzugt präsentiert. Etwas, das Google kategorisch ablehnt, mit der Begründung, dies sei technisch gar nicht möglich.

In vier Monaten 460'000 Webseiten gemeldet

In der Tat kam Google der Musikindustrie letztes Jahr einen grossen Schritt entgegen. Dokumente, die «Handelszeitung Online» vorliegen, zeigen, dass der Musikverband Ifpi alleine zwischen August und Dezember 2011 Google über 460'000 Suchtreffer fürs «delisting», also zum Löschen, meldete.

Dies ist möglich, weil Google den Inhaltsanbietern der Unterhaltungsindustrie seit Mitte letzten Jahres spezielle Online-Suchmasken anbietet, die Massenabfragen zulassen. Ifpis Anwälte durchwühlen momentan Googles Trefferliste sowie Inhalte der firmeneigenen Blog-Software Blogger. Damit werden nicht nur Links entfernt, sondern auch Blogs, die nach Ansicht der Ifpi Raubkopien anbieten oder Links dazu veröffentlichen.

Google löschte hunderte Blogs

Zudem meldet Ifpi Links zur Bittorrent-Suchmaschine Pirate Bay sowie Werbung auf Google, die auf mögliche Raubkopien verweist. Bereits 2010 sandte Ifpis Antipiraterie-Team fast 400 Anträge auf Löschung von Blogger-Webseiten, die «wiederholt» Copyright-Rechte verletzten. Das führte zu 315 Schliessungen. Seit Januar 2011 meldet das Ifpi-Team Google auch Blogger-Seiten, die gegen Googles Nutzerbestimmungen verstossen würden - etwa weil sie Links zu urheberrechtsverletzenden Webseiten enthalten. 352 mal wurden 2011 solche Meldungen gemacht - offenbar immer mit Erfolg, Google löschte die angezeigten Blogger-Seiten.

Schweigen bei der Ifpi

Wie Google sicherstellt, dass es bei den gemeldeten Webseiten nicht die falschen trifft, konnte ein Google-Sprecher nicht beantworten. Die Firma hielt fest, dass man das Urheberrecht sehr ernst nehme und man deshalb den Rechteinhabern verschiedene Möglichkeiten anbiete, ihre Werke zu schützen. Letztes Jahr habe man 5 Millionen Copyright-verletzende Links entfernt. Die Leiterin Rechtsabteilung, Jo Oliver von Ifpi London, antwortete auf diverse Fragen nicht.

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