Was bedeutet der Schritt der UBS für den Bankenplatz Schweiz?
Claude Baumann: Was mit den Mitarbeitern passiert, ist noch unklar. Die kleineren Banken in der Schweiz haben schon zu einem früheren Zeitpunkt ehemalige Mitarbeiter von Grossbanken übernommen, da wird es einen sehr kleinen Bedarf geben. Die UBS unternimmt sehr viel, um die Betroffenen umzuschulen und eventuell an einem anderen Ort weiter zu beschäftigen. Aber es ist schon so, diese Betroffenen sind Arbeitslose auf sehr hohem Niveau.
Vor allem von linker Seite ist zu hören, dass die UBS die Kosten für den Stellenabbau tragen muss und die Betroffenen nicht dem Staat, sprich dem RAV, auf der Tasche liegen sollen. Realistisch?
Ich glaube nein. Wir haben Strukturen in unserem Staat und es ist der normale Weg, dass auch diese Leute zum RAV gehen werden. Denn ich nehme an, es wird nicht nur die UBS sein, die Stellen streicht, es wird auch noch die CS nachziehen. Die CS hat einfach noch keine Zahlen genannt.
Bürgerliche Politiker, allen voran SVP-Präsident Toni Brunner, kritisierten die Politik. Die Rahmenbedingungen für die Banken seien viel zu streng ausgefallen, darum sei die Politik für die Entlassungen mitverantwortlich.
Ich glaube, so direkt kann man das nicht sagen. Der Punkt ist dieser: Die Schweizer haben eine Mentalität, dass alles, was eingeführt wird, auch so umgesetzt und angewendet wird. In anderen Ländern werden Gesetze zwar auch erlassen und eingeführt, aber nie so genau umgesetzt wie bei uns. Darum ist eine gewisse Angst bei den Banken da, dass sie im Vergleich zu Banken in anderen Ländern benachteiligt sind.
In Bezug auf eine nationale Finanzmarkt-Strategie befinden sich alle nationalen Institutionen in einem Blindflug.
Ja, das ist richtig. Und es ist ein Trauerspiel. Denn die Politik hat seit fünf Jahren keinen Plan. Wenn man bedenkt, dass die Finanzbranche und der Finanzplatz zu den wichtigsten Industriezweigen der Schweiz zählen, und es da keine einheitliche Finanzmarktstrategie gibt, dann ist das schon bedenklich.
Banken – Politik, Politik – Banken. Es ist eine schwierige Beziehung.
In der Vergangenheit haben die Banker die Politiker nicht gebraucht, und die Politiker haben sich übergangen gefühlt. Jetzt hat das Pendel umgeschlagen. Die Politiker sind am längeren Hebel und es gibt viele Berührungsängste. Es ist kein Miteinander, sondern vielmehr ein Nebeneinander. Das bringt keine nachhaltigen Ziele.
Die UBS hat heute eine spannende Personalie angekündigt. Auf Carsten Kengeter folgt Andrea Orcel an der Spitze des Investment Bankings.
Andrea Orcel ist erst vor einem halben Jahr zur UBS gestossen und ist ein ehemaliger Merrill-Lynch-Kollege von Sergio Ermotti. Da kann man gespannt sein, was das bringt. Zudem: Orcel verkörpert noch die alte «Master of the Universe»-Mentalität des Investmentbankers. Nach dem Fall Adoboli musste Kengeter nur noch aufputzen und jetzt wird er quasi verabschiedet. Aber er wird sicher weich landen.
(tke/chb/aho)
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