VW plant neues Werk in Chinas Unruheregion

Der Autobauer Volkswagen will in China ein Werk in der nordwestlichen Provinz Xinjiang bauen. Damit entsteht erstmals ein ausländisches Autowerk in der berüchtigten Unruheregion.

18.04.2012

Volkswagen plant in China ein weiteres Autowerk. Es soll in in Ürümqi in der nordwestchinesischen Unruheregion Xinjiang gebaut werden. Ein entsprechendes Abkommen wird nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in Peking am Montag beim Deutschland-Besuch von Chinas Regierungschef Wen Jiabao im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel unterzeichnet.

Der VW-Aufsichtsrat segnete das Vorhaben am Mittwochabend in Hamburg grundsätzlich ab. Details wollte ein Sprecher mit Verweis auf den Termin am Montag nicht nennen.

Wen Jiabao und Merkel werden am Sonntag die Hannover Messe eröffnen, wo China in diesem Jahr das Partnerland ist. Beide Regierungschefs reisen am Montag nach Wolfsburg weiter, wo der Vertrag bei einem Besuch des VW-Stammwerkes unterzeichnet werden soll. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hatte erst vor einer Woche Xinjiang besucht.

Bei einem Treffen mit dem Parteichef der autonomen Region, Zhang Chunxian, am 11. April dankte Winterkorn für die Unterstützung des Parteikomitees und der Regierung von Xinjiang, wie die offizielle Webseite tianshannet.com.cn berichtete.

«Autos mit der fortschrittlichsten Technologie»

Volkswagen wolle das Projekt möglichst schnell auf die Beine stellen und «Autos mit der fortschrittlichsten Technologie» in Xinjiang bauen, wurde Winterkorn zitiert. Der Parteichef sprach von einem «vielversprechenden Markt» in Xinjiang und verwies auch auf «das Potenzial» in angrenzenden Nachbarstaaten.

Die neue Fabrik in Ürümqi wird nach dpa-Informationen für die Produktion von 20'000 bis 50'000 Autos ausgelegt. Das ist vergleichsweise wenig, da andere VW-Werke in China mehr als 300'000 Fahrzeuge produzieren. Das Investitionsvolumen wird laut offiziellen Medien in Xinjiang rund zwei Milliarden Yuan, heute 240 Millionen Euro, betragen.

Das Werk soll 2013 die Produktion aufnehmen. Es ist Teil der Strategie von Volkswagen, stärker neue Märkte in den westlichen Regionen des Landes zu erschliessen.

Die Wolfsburger haben im ersten Quartal des Jahres mit 633 000 Autos 15,6 Prozent mehr Autos in China verkauft als im Vorjahreszeitraum. Bis 2016 sollen 14 Milliarden Euro investiert werden. In das neue Werk in Ürümqi wird gemeinsam mit dem chinesischen Partner Shanghai Automotive (SAIC) investiert.

Unruheregion seit 2009

Damit baut erstmals ein ausländischer Autobauer ein Werk in der Region, die immer wieder wegen Unruhen in die Schlagzeilen gerät. 2009 gab es schwere Ausschreitungen in Ürümqi, bei denen rund 200 Menschen ums Leben kamen. In Xinjiang herrschen Spannungen zwischen der Minderheit der Uiguren und den Chinesen.

Das muslimische Turkvolk fühlt sich von den Chinesen politisch und kulturell unterdrückt. Auch gibt es immer wieder Klagen über wirtschaftliche Benachteiligungen.

Nach der Machtübernahme 1949 in Peking hatten sich die Kommunisten die Nordwestregion einverleibt. Viele Uiguren wollen die chinesische Herrschaft nicht anerkennen und berufen sich auf die frühere Existenz einer ostturkestanischen Republik in der Region.

Chinas Regierung wirft uigurischen Gruppen hingegen Separatismus und Terrorismus vor. Zuletzt hatte es Ende Februar einen blutigen Zwischenfall in Xinjiang mit mindestens 20 Toten gegeben.

Die Unterzeichnung des Abkommens für das neue Werk ist einer der Höhepunkte des Besuches von Regierungschef Wen Jiabao, bei dem auch 40 Jahre deutsch-chinesische Beziehungen gefeiert werden. «Der Besuch wird die Kommunikationen zwischen beiden Seiten weiter verbessern», sagte ein Sprecher des Aussenministeriums in Peking.

Auch die Kooperation der Unternehmen, insbesondere im Maschinenbau, bei der Energieeffizienz und im Umweltschutz, soll vorangebracht werden. Mit China gibt es in diesem Jahr den grössten Auftritt eines Gastlandes auf der Hannover Messe. Es ist die bisher umfassendste chinesische Industrieschau im Ausland.

(aho/awp)

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Volkswagen plant in China ein weiteres Autowerk. Es soll in in Ürümqi in der nordwestchinesischen Unruheregion Xinjiang gebaut werden. Ein entsprechendes Abkommen wird nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in Peking am Montag beim Deutschland-Besuch von Chinas Regierungschef Wen Jiabao im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel unterzeichnet.

Der VW-Aufsichtsrat segnete das Vorhaben am Mittwochabend in Hamburg grundsätzlich ab. Details wollte ein Sprecher mit Verweis auf den Termin am Montag nicht nennen.

Wen Jiabao und Merkel werden am Sonntag die Hannover Messe eröffnen, wo China in diesem Jahr das Partnerland ist. Beide Regierungschefs reisen am Montag nach Wolfsburg weiter, wo der Vertrag bei einem Besuch des VW-Stammwerkes unterzeichnet werden soll. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hatte erst vor einer Woche Xinjiang besucht.

Bei einem Treffen mit dem Parteichef der autonomen Region, Zhang Chunxian, am 11. April dankte Winterkorn für die Unterstützung des Parteikomitees und der Regierung von Xinjiang, wie die offizielle Webseite tianshannet.com.cn berichtete.

«Autos mit der fortschrittlichsten Technologie»

Volkswagen wolle das Projekt möglichst schnell auf die Beine stellen und «Autos mit der fortschrittlichsten Technologie» in Xinjiang bauen, wurde Winterkorn zitiert. Der Parteichef sprach von einem «vielversprechenden Markt» in Xinjiang und verwies auch auf «das Potenzial» in angrenzenden Nachbarstaaten.

Die neue Fabrik in Ürümqi wird nach dpa-Informationen für die Produktion von 20'000 bis 50'000 Autos ausgelegt. Das ist vergleichsweise wenig, da andere VW-Werke in China mehr als 300'000 Fahrzeuge produzieren. Das Investitionsvolumen wird laut offiziellen Medien in Xinjiang rund zwei Milliarden Yuan, heute 240 Millionen Euro, betragen.

Das Werk soll 2013 die Produktion aufnehmen. Es ist Teil der Strategie von Volkswagen, stärker neue Märkte in den westlichen Regionen des Landes zu erschliessen.

Die Wolfsburger haben im ersten Quartal des Jahres mit 633 000 Autos 15,6 Prozent mehr Autos in China verkauft als im Vorjahreszeitraum. Bis 2016 sollen 14 Milliarden Euro investiert werden. In das neue Werk in Ürümqi wird gemeinsam mit dem chinesischen Partner Shanghai Automotive (SAIC) investiert.

Unruheregion seit 2009

Damit baut erstmals ein ausländischer Autobauer ein Werk in der Region, die immer wieder wegen Unruhen in die Schlagzeilen gerät. 2009 gab es schwere Ausschreitungen in Ürümqi, bei denen rund 200 Menschen ums Leben kamen. In Xinjiang herrschen Spannungen zwischen der Minderheit der Uiguren und den Chinesen.

Das muslimische Turkvolk fühlt sich von den Chinesen politisch und kulturell unterdrückt. Auch gibt es immer wieder Klagen über wirtschaftliche Benachteiligungen.

Nach der Machtübernahme 1949 in Peking hatten sich die Kommunisten die Nordwestregion einverleibt. Viele Uiguren wollen die chinesische Herrschaft nicht anerkennen und berufen sich auf die frühere Existenz einer ostturkestanischen Republik in der Region.

Chinas Regierung wirft uigurischen Gruppen hingegen Separatismus und Terrorismus vor. Zuletzt hatte es Ende Februar einen blutigen Zwischenfall in Xinjiang mit mindestens 20 Toten gegeben.

Die Unterzeichnung des Abkommens für das neue Werk ist einer der Höhepunkte des Besuches von Regierungschef Wen Jiabao, bei dem auch 40 Jahre deutsch-chinesische Beziehungen gefeiert werden. «Der Besuch wird die Kommunikationen zwischen beiden Seiten weiter verbessern», sagte ein Sprecher des Aussenministeriums in Peking.

Auch die Kooperation der Unternehmen, insbesondere im Maschinenbau, bei der Energieeffizienz und im Umweltschutz, soll vorangebracht werden. Mit China gibt es in diesem Jahr den grössten Auftritt eines Gastlandes auf der Hannover Messe. Es ist die bisher umfassendste chinesische Industrieschau im Ausland.

(aho/awp)

Meistgelesen

Schwarzgeld

Die deutsche Regierung kritisiert seit Jahren Steueroasen im Ausland. Doch bei genauer Betrachtung ist Deutschland für Ausländer sogar selbst ein Hort für unversteuerte Gelder. Mehr...

VonMichael Houben (ARD)
16.05.2013
Nur Kleinanleger glauben noch an Gold
Kurs

Grossinvestoren verkaufen weiterhin Gold en masse. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht. Daran ändert auch die ungebrochen hohe Nachfrage von Kleinanlegern nach Münzen und Barren nichts. Mehr...

22.05.2013
Lohnstudie

Wer eine Schweizer Fachhochschule durchlaufen hat, verdient 2013 leicht weniger als vor zwei Jahren. In einigen Management-Stufen gibt es dagegen grosse Lohnsprünge nach oben. Mehr...

VonNorman Bandi
22.05.2013
Goldman-Sachs-Chefökonom: «Rezession in Europa geht weiter»
Eurokrise

Goldman-Sachs-Chefökonom Jan Hatzius befürchtet eine Rückkehr der Eurokrise, falls die Peripherieländer ihre Sparpolitik aufgeben. Mehr...

VonTim Höfinghoff
22.05.2013
Immobilienboom: Der Leichtsinn der Hausfrauen*
Kommentar

Es herrscht Leichtsinn im Land. Doch an der Schweizer Betonfront wächst die Beunruhigung, denn zwei von fünf neuen Hausbesitzern droht bei höheren Zinsen die Pleite. Mehr...

15.05.2013
Prognose

Der massive Absturz des des Goldes führt zu Verunsicherung. Der bekannte Anlageguru Mohamed El-Erian sieht darin Parallelen zum Einbruch der Apple- und Facebook-Aktie. Mehr...

23.05.2013
Schwarzer Börsentag: Der ganz normale Wahnsinn
Analyse

Die Aktienkurse tauchen nach dem Kurssturz in Japan weltweit. Auch an der Schweizer Börse geht es abwärts. Eine panische Reaktion ist trotzdem fehl am Platz. Mehr...

VonVolker Strohm
23.05.2013

Die Handelszeitung – jetzt am Kiosk

 

 

Unsere Partner    

Kommentar: Economiesuisse - das Grounding von 2013 Lesen

Fachhochschul-Absolventen stossen an Salärgrenzen. Lesen

Unterirdischer Güterverkehr: Geldsorgen. Lesen

Experten warnen vor Essen aus China. Lesen

Goldman-Sachs: «Rezession in Europa geht weiter». Lesen

Salat und Hemden im Schliessfach. Lesen

«Alstom ist keine Sozialversicherung ». Lesen

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die Handelszeitung jede Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis.

Abonnemente

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Die Handelszeitung ist Gründerin und Mitglied von Suite 150 – dem Klub der ältesten Unternehmen der Schweiz.
Zur Übersicht...