Warenhäuser ächzten unter dem Einkaufstourismus

Der starke Franken macht dem Schweizer Detailhandel zu schaffen. Allerdings leiden nicht die Grossverteiler wie Migros oder Coop am stärksten unter dem Einkaufstourismus, sondern die Einkaufszentren.

03.05.2012

Der tiefe Euro-Kurs hat vergangenes Jahr zu einem Anstieg des Einkaufstourismus geführt. Nun zeigt sich aber, dass die grössten Leidtragenden der Kauflust der Schweizer Bevölkerung ennet der Grenzen nicht Coop und Migros waren.

Die beiden Grossverteiler haben in absoluten Zahlen gerechnet zwar am meisten Umsatz an die Läden im Ausland verloren. Gemäss einer an der Detailhandelstagung in Horgen vorgestellten Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen Schweiz fielen ihre Einbussen gemessen an ihrem Marktanteil aber unterdurchschnittlich aus.

Warenhäuser leiden am stärksten

Der grösste Umsatzverlust wegen des Einkauftourismus hinnehmen mussten Warenhäuser sowie Drogerien, Apotheken und Parfümerien, führte Dominik Stocker von Nielsen Schweiz am Donnerstag aus. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit der Preiswahrnehmung der Bevölkerung, die insbesondere Körper- und Haarpflegeprodukte in der Schweiz als zu teuer empfindet.

Gemäss einer repräsentativen Umfrage von Anfang dieses Jahres glauben drei von vier Schweizern, dass sie für Seife, Deos, Shampoos und Zahnpaste in Laden um die Ecke im Vergleich zum Ausland zu viel bezahlen. Einzig die Preise von Fleisch wurden noch häufiger als zu hoch benannt.

5 Prozent kleinerer Absatz

Angesichts dieser Preiswahrnehmung ist naheliegend, dass die Schweizer Bevölkerung umso mehr im Ausland einkaufen ging, je schwächer der Euro wurde. Gemäss Nielsen Schweizer letztes Jahr im Ausland alleine für Güter des täglichen Bedarfs - Lebensmittel exklusive - ein Drittel mehr aus als früher.

Nur zu einem kleinen Teil handelte es sich dabei um einen Mehrkonsum, zu 95 Prozent wären die Waren früher in Schweizer Läden statt im Ausland erworben worden. Das schmerzt namentlich die Schweizer Detaillisten in der Nähe der Grenze, wo es deswegen sogar zum Abbau von Personal gekommen ist. Besonders in exponierten Regionen, beispielsweise in den Kantonen Genf und Tessin, ist das Verkaufsvolumen um über 5 Prozent zurückgegangen.

Während in der Schweiz die Preise von Konsumgütern währungsbedingt am Sinken sind, steigen sie in den Nachbarländern tendenziell eher an. Die Preisunterschied dürften deshalb mittlerweile gar nicht mehr so hoch sein, wie dies viele Leute glauben.

Windeln auf gleichem Preisniveau

An einer Podiumsdiskussion an der Detailhandelstagung mit Vertretern von Konsumgüter-Herstellern wies Ralf Gehlen, Länderchef von Procter&Gamble, darauf hin, dass beispielsweise Windeln mittlerweile in der Schweiz auf dem selben Preisniveau angelangt seien wie in Deutschland.

Windeln gehören zu jenen Artikeln, die besonders oft im Ausland gekauft wurden, als der Wert des Euros nachliess. Allerdings sei der Preisvergleich schwierig, sagte Gehlen, da angesichts der vielen Aktionen in der Schweiz oft Äpfel mit Birnen verglichen würden. So würden in der Schweiz 80 Prozent der Windeln während Preisaktionen verkauft. Deshalb dürfe nicht offizielle Schweizer Preise mit den Dauertiefpreisen in Deutschland verglichen werden.

In seinen Augen wäre eine Abkehr von Preisaktionen hin zu dauerhaften Tiefpreisen ein Mittel, um den Schweizer Detailhandel auch längerfristig im Vergleich zum Ausland konkurrenzfähig zu halten. Andere Teilnehmer des Podiums, etwa Marcel Rebmann von Hilcona oder Daniel Meyer von Kraft Foods, plädierten dafür, dass der Schweizer Detailhandel sich nicht alleine auf die Preise, sondern vermehrt wieder auf seine Stärken und Innovationen konzentrieren soll, um Kunden bei der Stange halten und Einkaufstouristen zurückzugewinnen zu können.

(muv/sda)

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Die beiden Grossverteiler haben in absoluten Zahlen gerechnet zwar am meisten Umsatz an die Läden im Ausland verloren. Gemäss einer an der Detailhandelstagung in Horgen vorgestellten Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen Schweiz fielen ihre Einbussen gemessen an ihrem Marktanteil aber unterdurchschnittlich aus.

Warenhäuser leiden am stärksten

Der grösste Umsatzverlust wegen des Einkauftourismus hinnehmen mussten Warenhäuser sowie Drogerien, Apotheken und Parfümerien, führte Dominik Stocker von Nielsen Schweiz am Donnerstag aus. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit der Preiswahrnehmung der Bevölkerung, die insbesondere Körper- und Haarpflegeprodukte in der Schweiz als zu teuer empfindet.

Gemäss einer repräsentativen Umfrage von Anfang dieses Jahres glauben drei von vier Schweizern, dass sie für Seife, Deos, Shampoos und Zahnpaste in Laden um die Ecke im Vergleich zum Ausland zu viel bezahlen. Einzig die Preise von Fleisch wurden noch häufiger als zu hoch benannt.

5 Prozent kleinerer Absatz

Angesichts dieser Preiswahrnehmung ist naheliegend, dass die Schweizer Bevölkerung umso mehr im Ausland einkaufen ging, je schwächer der Euro wurde. Gemäss Nielsen Schweizer letztes Jahr im Ausland alleine für Güter des täglichen Bedarfs - Lebensmittel exklusive - ein Drittel mehr aus als früher.

Nur zu einem kleinen Teil handelte es sich dabei um einen Mehrkonsum, zu 95 Prozent wären die Waren früher in Schweizer Läden statt im Ausland erworben worden. Das schmerzt namentlich die Schweizer Detaillisten in der Nähe der Grenze, wo es deswegen sogar zum Abbau von Personal gekommen ist. Besonders in exponierten Regionen, beispielsweise in den Kantonen Genf und Tessin, ist das Verkaufsvolumen um über 5 Prozent zurückgegangen.

Während in der Schweiz die Preise von Konsumgütern währungsbedingt am Sinken sind, steigen sie in den Nachbarländern tendenziell eher an. Die Preisunterschied dürften deshalb mittlerweile gar nicht mehr so hoch sein, wie dies viele Leute glauben.

Windeln auf gleichem Preisniveau

An einer Podiumsdiskussion an der Detailhandelstagung mit Vertretern von Konsumgüter-Herstellern wies Ralf Gehlen, Länderchef von Procter&Gamble, darauf hin, dass beispielsweise Windeln mittlerweile in der Schweiz auf dem selben Preisniveau angelangt seien wie in Deutschland.

Windeln gehören zu jenen Artikeln, die besonders oft im Ausland gekauft wurden, als der Wert des Euros nachliess. Allerdings sei der Preisvergleich schwierig, sagte Gehlen, da angesichts der vielen Aktionen in der Schweiz oft Äpfel mit Birnen verglichen würden. So würden in der Schweiz 80 Prozent der Windeln während Preisaktionen verkauft. Deshalb dürfe nicht offizielle Schweizer Preise mit den Dauertiefpreisen in Deutschland verglichen werden.

In seinen Augen wäre eine Abkehr von Preisaktionen hin zu dauerhaften Tiefpreisen ein Mittel, um den Schweizer Detailhandel auch längerfristig im Vergleich zum Ausland konkurrenzfähig zu halten. Andere Teilnehmer des Podiums, etwa Marcel Rebmann von Hilcona oder Daniel Meyer von Kraft Foods, plädierten dafür, dass der Schweizer Detailhandel sich nicht alleine auf die Preise, sondern vermehrt wieder auf seine Stärken und Innovationen konzentrieren soll, um Kunden bei der Stange halten und Einkaufstouristen zurückzugewinnen zu können.

(muv/sda)

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