29.09.2009 | 21:00
KONJUNKTUR
Von:
Matthias Niklowitz
Foto:
HZ-Montage/BCU
 

Weh und Ach mit der W-Erholung

Statt dem ersehnten V könnte der Verlauf der Weltwirtschaft doch noch einem W ähneln. Denn von den wichtigen vorlaufenden Indikatoren kommen jetzt Signale, die auf einen zweiten Taucher der Konjunktur hindeuten.

Auch wenn die Aktienmärkte immer noch in der Nähe ihrer Jahreshöchststände notieren und die Mehrheit der Analysten eine Fortsetzung der liquiditätsgetriebenen Hausse erwartet: Wichtige vorauslaufende Indikatoren weisen auf einen kommenden zweiten Abschwung hin.

So ist der Baltic Dry Index, der wichtige Preisindikator für die Verschiffung von Gütern und ein ausgezeichneter Konjunktur-Frühindikator, seit Juni um 40% gefallen. Auch der CRB-Commodity-Index, der die Preise von Rohstoffen abbildet, stagniert seit Monaten. Die Käufe aus China haben deutlich abgenommen, weil dort die Lager wieder gefüllt sind. Aus China kommen zudem Nachrichten von fallenden Stahlpreisen - ebenfalls kein gutes Konjunktursignal.

Derweil fällt der Dollar gegenüber wichtigen Währungen wie dem Euro und Franken auf Tiefstände. Rekordtief ist auch die Kapazitätsauslastung der US-Wirtschaft. Lediglich der Aktienmarkt und der Goldpreis sind die Ausreisser nach oben.

Zu wenig Schub für den Konsum

«Am Aktienmarkt scheint es so, als ob die grösste Kreditblase der Weltgeschichte nie stattgefunden hätte», warnt Albert Edwards, Analyst bei der Société Générale in London. Trotzdem seien Anleger zuversichtlich, dass eine nachhaltige Erholung aus den Trümmern des Absturzes erfolge. Dabei gäbe es Anzeichen für das genaue Gegenteil, so die Daten der Banken, sagt Edwards. «Wenn man hier das schrumpfende Kreditvolumen an den Privatsektor betrachtet, zeigt sich, dass die Weltwirtschaft immer noch sehr krank ist.»

Ein Anstieg der privaten Nachfrage käme durch steigende Saläre, höhere Verschuldung oder tiefere Sparquoten zustande. Eine Verbesserung einer dieser drei Faktoren sei aber nicht wahrscheinlich, bestätigt auch Fred Goodwin, Analyst bei Nomura, die pessimistische Einschätzung. Mit steigenden Arbeitslosenzahlen dürften auch die Konsumentenkredite zu einem Problem werden.

Zudem spreche der Anleihenmarkt eine klare Sprache. Trotz rekordhoher Emissionen würden die Renditen fallen, und wenn die Zinskurve ganz flach sei und eine Deflation drohte, werde auch die Politik wieder zum Panik-Modus wechseln», sagt Goodwin.

«Double dip» am S&P 500

Bereits vorher dürften die Aktienmärkte reagieren. Praktisch alle Rezessionen zogen am wichtigen US-Index S&P-500 einen doppelten «Taucher» nach sich. 1960 und 1980 bis 1982 waren diese zweiten Abstürze laut den Analysten von Nomura deutlich grösser als die ersten Einbrüche. Der laufende Zyklus erlebte, gemessen am S&P-500, einen Rückgang beim ersten Einbruch um 57%. Für einen zweiten Rückschlag ist laut den Analysten zwischen - 9 und - 33% alles möglich - je nachdem, welche vergangene Rezession als Blaupause für die gegenwärtige herangezogen wird.

Put-Warrants und Mini-Futures als Versicherung fürs Aktienportefeuille

Cash ist King» ist das Motto in deflationären Zeiten: Laut den Analysten der Bank Sarasin etwa kommen Aktien generell in deflationären Zeiten unter Druck.

Aber nicht alle Firmen leiden gleichermassen. Unternehmen mit niedriger Verschuldung und einem hohen Anteil von kurz laufenden Krediten kommen besser weg, weil sie flexibel bleiben und sich bei tiefen Zinsen günstiges Kapital beschaffen können. Beispiele sind Nestlé, McDonald?s, Roche, Bayer und Munich Re. Unzweckmässig sind Aktien aus aufstrebenden Märkten, weil oft nicht nur deren Börsen, sondern auch die Währungen unter möglichen Währungshandels- und Exportrestriktionen leiden.

Bei einem «double dip», einem erneuten Abtauchen der Aktienmärkte, sind Put-Warrants und Mini-Futures in der Short-Variante auf breite Indizes wie den EuroStoxx-50 oder bei schweizlastigen Depots auf den SMI ein brauchbares Mittel, den Wert der Aktienanlagen zu schützen. Eine solche Schutzstrategie kostet indes Geld und sollte als Versicherung betrachtet werden, die dann eben einige Prozente des Depotwertes pro Jahr kosten kann. Alternativ können Anleger auch in Zertifikate mit Teil- oder Vollschutz wechseln.

Laut den Analysten der Deutschen Bank sind die Aktien des Bankensektors einer möglichen Inflation oder Deflation am stärksten ausgesetzt. Bei einem zweiten Abtauchen der Weltwirtschaft dürfte wieder die Stunde der defensiven Pharma-, Healthcare- und Nahrungsmittelwerte schlagen. Relativ sicher sind auch Versorger und Telecom-Netzbetreiber aufgrund ihres berechenbaren Cashflows.

Bei den Obligationen hingegen dürften laut der Bank Sarasin lang laufende Papiere gut wegkommen, weil die Coupons einen Schutz gegen fallende Zinserträge bilden. Wenig resistent sind dagegen kurz laufende Anleihen-Papiere. (mn)

Suite 150


Auf Initiative der «Handelszeitung» geben Traditions- unternehmen, die mindestens 150 Jahre alt sind, ihr Know-how an Jungunternehmer weiter. Hier erfahren Sie, welche Firmen zum Kreis «Suite 150» gehören.
Details erfahren

Top 2011

Die Listen der 1300 grössten Unternehmen in der Schweiz sind eine einzigartige Sammlung von Daten und Kennzahlen.
Zu den neuen Listen

SMI 5'817.9 -92.3 -1.6%
SPI 5'437.5 -84.8 -1.5%
SLI 874.2 -16.4 -1.8%
SMIM 1'118.6 -20.7 -1.8%
DAX 30 6'285.8 -149.9 -2.3%
EURO STOXX 215.2 -5.9 -2.7%
FTSE 100 5'266.4 -136.9 -2.5%
Dow Jones 30 Industrial 12'432.4 -70.4 -0.6%
NASDAQ 100 2'531.1 -8.1 -0.3%
S&P 500 1'316.6 0.6 0.1%
Nikkei 225 8'556.6 -172.7 -2.0%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
155.80 -0.60 -0.38
54.65 -0.30 -0.55
1'709.00 -16.00 -0.93
49.05 -0.53 -1.07
864.50 -9.50 -1.09
37.89 -1.03 -2.65
30.49 -0.83 -2.65
40.23 -1.14 -2.76
56.25 -2.45 -4.17
375.50 -18.90 -4.79
Name Kurs +/- +/- %
75.63 0.04 0.05
23.75 -0.08 -0.31
47.38 -0.43 -0.90
52.58 -0.50 -0.94
37.91 -0.45 -1.17
29.34 -1.16 -3.79
39.32 -1.64 -3.99
MAN
78.14 -3.30 -4.05
8.39 -0.37 -4.26
14.64 -0.77 -5.00
Name Kurs +/- +/- %
14.35 0.53 3.84
14.40 0.48 3.41
25.14 -0.12 -0.46
67.79 -0.61 -0.89
47.38 -0.43 -0.90
0.70 -0.04 -4.80
9.50 -0.49 -4.90
4.71 -0.26 -5.14
14.46 -0.80 -5.21
11.12 -0.73 -6.12

Aktuelle Ausgabe - Morgen am Kiosk!

Aktuelle Ausgabe der Handelszeitung

  • Deutsche Banken buhlen um Schweizer Schwarzgeld. Lesen
     
  • Affäre um griechischen Ex-Minister trifft Schweizer Banken. Lesen
     
  • Griechenland: Das grosse Pokern um den Euro. Lesen
     
  • Kioske sollen auch Poststellen sein. Lesen
     

 

 

Dieses und vieles mehr finden Sie in der aktuellen Handelszeitung.
Zum Inhaltsverzeichnis
Abonnement bestellen

Top-Ten


Der schönste Strand, das meistgekaufte Auto oder die angesagteste Stadt? Unsere wöchentliche Top-Ten Liste gibt Aufschluss.
Zu den Top-Ten-Listen

finanzen.ch


Die aktuellen Börsenberichte aus aller Welt und weitere Infos für Anleger finden Sie laufend aktualisiert auf dem Schweizer Börsen- und Finanzportal finanzen.ch - einer Partner-Seite der Handelszeitung.
www.finanzen.ch

Kostenloses Probeabo


4 Wochen lang gratis am Puls der Wirtschaft.
Zur Bestellseite

Sesselwechsel


Gewerbeverband wählt Rime zum Präsidenten.
Zum aktuellen Sesselwechsel
Zur Übersichtsseite

Verlosung:

Gewinnen Sie ein edles Besteckset „duetto“, 24-teilig, von Casa Bugatti.

Mitmachen und gewinnen

Newsletter bestellen

Der Newsletter von Handelszeitung informiert Sie wöchentlich über die wichtigsten News der Schweizer WirtschaftAbonnieren Sie unseren Newsletter und Sie erhalten wöchentlich die wichtigsten News der Schweizer Wirtschaft per E-Mail.
Newsletter abonnieren

ANZEIGE

Dossiers

Die grosse Analyse - auch abseits des Spielfelds: «Handelszeitung Online»...
Alt und schön: Von klassischen Oldtimern geht eine ungewöhnliche Faszination...
Griechenland steckt in einer politischen Krise - die finanzielle Zukunft des...
Hollande oder Sarkozy? Alle Fakten und Hintergründe im Vorfeld der Stichwahl am...
Am Mittwoch hat die Schweizerische Nationalbank wieder eine komplette...
Verbissene Verhandlungen: In Deutschland herrscht keine Einigkeit, ob das...
Das 42. St. Gallen Symposium findet am 3. und 4. Mai 2012 statt.
Die «Handelszeitung» kürt die besten Nobelherbergen für Wellnessferien in der...

RSS abonnieren

ANZEIGE

Werden Sie angemessen bezahlt?

Unser Lohnvergleichs-Tool gibt Aufschluss darüber, ob Sie genügend entlöhnt werden
Das Lohnvergleichs-Tool gibt Aufschluss.
Zum Tool

ANZEIGE