02.06.2009 | 21:00
MANAGED FUTURES
Von:
Kurt Speck
Foto:
Bild: Bruno Arnold
 

Wenn das Computerprogramm bestimmt

Nicht alle Anlageprodukte, die sich auf kotierte Derivate abstützen, haben in der Finanzkrise gut abgeschnitten. Als erfolgreich erwies sich ein Vehikel mit dem Trendfolge-Ansatz. Emotional geprägte Entscheidungen von Fondsmanagern gibt es bei dieser Methode nicht.

Die Hedge-Fonds sind im Gefolge der Finanzmarktkrise arg unter die Räder geraten. Registrierte man Ende 2007 noch über 7600 Single Hedge- Fonds weltweit, so ist diese Zahl mittlerweile auf gegen 6650 abgesunken. Bei den Dachfonds war der Aderlass mit einem Minus von 4% auf rund 2200 etwas weniger gravierend. Die Bereinigung ist in dieser Assetklasse im vollen Gang. Nicolas Campiche, CEO von Pictet Alternative Investments, rechnet damit, dass bis 2010 gegen 40% aller Hedge-Fonds verschwinden: «Die Industrie wird sich halbieren.»

Warnlampen

Bisher konnten die Hedge- Fonds ihre Fertigprodukte anbieten, ohne auf die Käuferschaft gross Rücksicht zu nehmen. Das wird sich ändern. Das Geld der vermögenden Privatkunden ist zu einem guten Teil abgeflossen. Damit wird der Markt erneut von den institu-tionellen Investoren dominiert. «In einem Buyers Market wird sich einiges verändern», gibt sich Nicolas Campiche überzeugt. Pictet überprüft die Tätigkeit der Fondsmanager im Monatsrhythmus. In den vergangenen 18 Monaten hat sich die Genfer Privatbank von über fünfzig Hedge-Fonds getrennt und zahlreiche Fonds sind derzeit auf einer speziellen Watch List. Die Warnlampen leuchten auf, wenn sich die Volatiliät bei einem Fonds deutlich über 10% bewegt oder sich im Management ungewöhnliche personelle Wechsel ergeben. Wichtig ist auch ein langer Track Record bei den Fondsmanagern.

Weil die meisten Hedge-Fonds in den turbulenten Zeiten keinen Absolute Return brachten, wird nun die Anlagephilosophie noch stärker hinterfragt. Zudem kommen die Gebühren unter Druck. Gewichtige institutionelle Anleger, wie etwa die amerikanischen Pensionskassen Calpers und Utah Retirement, wehren sich gegen Management Fees von 2% und Performance-Abschöpfungen von 20%. Bereits haben grosse Hedge- Fonds einerseits die Hürden für eine Performance Fee heraufgesetzt und die Gebühren abgesenkt. Nicoals Campiche geht davon aus, dass sich diese gängigen Abgaben je nach Marktstellung eines Hedge-Fonds auf gegen die Hälfte reduzieren.

Ausschlaggebend wird aber letztlich die künftige Performance sein. Auch in der Finanzmarktkrise haben ausgewählte Fonds, die auf Managed Futures basieren, relativ gut abgeschnitten. Diese spezialisierte Hedge-Fondsklasse zeichnet sich vor allem durch ihre tiefe Korrelation gegenüber Aktien, Obliga- tionen und den anderen Hedge- Fonds-Strategien aus. Die computergestützten Modelle nutzen die Ineffizienzen im Markt konsequent aus. Bei der Man Group in London verweist Keith Balmer, Produktspezialist für den AHL Diversified Managed Futures, auf die Besonderheiten des Programms: «Bei einer hohen Volatilität an den Märk-ten werden nur kleine Positionen eingegangen, während wir im Fall von geringen Kursausschlägen die Engagements hochfahren.»

Die Anlagephilosophie hat dem Hedge-Fonds im letzten Jahr, mit einem klaren Abwärtstrend an fast allen Märkten, eine Rendite von über 26% eingetragen. In den ersten Monaten 2009 war allerdings auch eine Korrektur zu beobachten, weil sich nach dem lang anhaltenden Einbruch an den Kapitalmärkten erste Gegenbewegungen ergaben. Der Fonds verfolgt den Trendfolge-Ansatz, bei dem sich ganz natürliche Stop-Loss ergeben. Steigt die Volatilität stark an oder läuft die Kursentwicklung in eine Richtung, die vom mathematischen Modell nicht erwartet wird, schliesst der Computer automatisch die Position.

Trendbrüche

Der Fonds ist nicht vor Rückschlägen gefeit, wenn ein Trend bricht, wie das zu Beginn dieses Jahres teilweise der Fall war. Insgesamt weist der AHL Diversified jedoch eine stolze Performance aus. Seit der Lancierung vor knapp 20 Jahren wurde eine jährliche Nettorendite von 18% erzielt. Das Portfolio ist auf alle Sektoren diversifiziert, wobei die Währungen, Aktien, Obligationen und Energie klar dominieren. Die Schaukelbörsen haben dafür gesorgt, dass sich der Value at Risk bei der kurzfristigen Risikoallokation tendenziell im unteren Bereich ansiedelt. Felix Gasser, Head Managed Futures bei der Man-Tochter RMF in Pfäffikon SZ, gibt sich jedoch überzeugt: «Ein Aufflammen der Inflation wird neue Trends auslösen.»

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EURO STOXX 215.2 -5.9 -2.7%
FTSE 100 5'266.4 -136.9 -2.5%
Dow Jones 30 Industrial 12'432.4 -70.4 -0.6%
NASDAQ 100 2'531.1 -8.1 -0.3%
S&P 500 1'316.6 0.6 0.1%
Nikkei 225 8'556.6 -172.7 -2.0%

Top und Flops

Name Kurs +/- +/- %
155.80 -0.60 -0.38
54.65 -0.30 -0.55
1'709.00 -16.00 -0.93
49.05 -0.53 -1.07
864.50 -9.50 -1.09
37.89 -1.03 -2.65
30.49 -0.83 -2.65
40.23 -1.14 -2.76
56.25 -2.45 -4.17
375.50 -18.90 -4.79
Name Kurs +/- +/- %
75.63 0.04 0.05
23.75 -0.08 -0.31
47.38 -0.43 -0.90
52.58 -0.50 -0.94
37.91 -0.45 -1.17
29.34 -1.16 -3.79
39.32 -1.64 -3.99
MAN
78.14 -3.30 -4.05
8.39 -0.37 -4.26
14.64 -0.77 -5.00
Name Kurs +/- +/- %
14.35 0.53 3.84
14.40 0.48 3.41
25.14 -0.12 -0.46
67.79 -0.61 -0.89
47.38 -0.43 -0.90
0.70 -0.04 -4.80
9.50 -0.49 -4.90
4.71 -0.26 -5.14
14.46 -0.80 -5.21
11.12 -0.73 -6.12

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