Wie Sunrise Swisscom wütend macht

Die Grossen der Branche treten zur entscheidenden Runde im Milliardenmarkt an. Fechter Christoph Brand (Sunrise) stellt sich dem Sprinter Carsten Schloter (Swisscom).

VonMichael Kuhn
02.01.2008

Was Swisscom-Chef Carsten Schloter seine Laufschuhe sind, ist Christoph Brand sein Degen. Der 38-jährige Sunrise-Lenker liebt das Fechten. Privat ist er einmal die Woche mit der Klinge in der Hand anzutreffen. Auch im Geschäftsleben weiss er mit Spitzen umzugehen. So provoziert die von ihm geführte Sunrise seit seinem Amtsantritt im November 2006 die Mitbewerber, allen voran Swisscom. Sunrise deckt diese mit Klagen ein und lobbyiert im Bundeshaus gegen den blauen Riesen. Swisscom-CEO Carsten Schloter reagiert säuerlich und spricht indirekt sogar von einer Schmutzkampagne (siehe «Nachgefragt»).

Damit ist der Familienkrach perfekt. Denn sowohl Christoph Brand wie auch Sunrise-Strategiechef Floris Alders sind Ex-Swisscom-Leute. Jens Alder war sogar CEO von Swisscom. Zusammen mit Alders und Brand hat Alder, heutiger Sunrise-Präsident und Chef der dänischen Muttergesellschaft TDC, den neuen Kurs abgesteckt. Der heisst Konfrontation. Verständlich, entscheidet sich doch in diesem Jahr, wer künftig auf der Gewinner- und wer auf der Verliererstrasse fahren wird. Die drei wichtigsten Eckpunkte:

Entbündelung Letzte Meile Das Umhängen der Kundenanschlüsse vom Swisscom- auf ein Netz der Konkurrenz kostet Letztere hunderte von Mio Fr. Dafür können diese neue Dienste und Produkte auf dem Festnetz anbieten und neue Kunden gewinnen. Ende dieses Jahres wird sich zeigen, welche Herausforderer das Rennen gemacht haben und ob Swisscom den Kundenverlust kompensieren konnte. Auf der Umsatz- wie auf der Gewinnseite.

Kooperationen Der Umbau von Swisscom, Orange und Co. als Infrastruktur-Bereitsteller zu Multimedia-Firmen schreitet voran. Kooperationen mit Inhalteanbietern, Internet- und Medienkonzernen sind für die Telekomanbieter deshalb ein Muss. Erste Vereinbarungen mit Microsoft und Google sind Beispiele dafür. 2008 stehen unter anderen mit dem Exklusivvertriebsrecht von Appels iPhone weitere Zusammenarbeiten an.

Alles aus einer Hand Festnetztelefonie, Internet, Fernsehen und Mobiltelefonie werden mehr und mehr als Pakete zu Festpreisen offeriert. Neben Swisscom und Cablecom werden auch Orange und Sunrise das sogenannte «Quadrupleplay» anbieten. Das bringt tiefere Preise und neue Dienste für die Kunden. Eine wichtige Rolle dürfte dem Breitband per Luft zukommen, das vermehrt für die Übertragung grosser Datenmengen wie TV eingesetzt wird.

Keine Entspannung in Sicht

Swisscom will dabei wie für alle neuen Dienste die Führungsrolle übernehmen. Nur so kann sie die zahlreichen Wettbewerber auf sichere Distanz halten. Steine in den Weg wird ihr vor allem Sunrise legen. «Über Jahre», wiederholte Sunrise bereits 2007 in Medienmitteilungen gebetsmühlenartig, habe die Nummer eins im Schweizer Markt «zu hohe Preise verlangt». Zudem solle Swisscom «künftig den Willen des Parlaments respektieren» und bei der Entbündelung der Letzten Meile «keine weiteren Verzögerungen zum Schaden der Konsumenten» verursachen. Der kämpferische Ton überrascht nicht: Vom Mutterhaus unter Druck gesetzt, muss die TDC-Tochter Sunrise alles unternehmen, um mit möglichst tiefen Investitionen ein grösseres Stück im Schweizer 30-Mrd-Fr.-Markt abzuschneiden. Der Ton zwischen Sunrise-Chef Christoph Brand und Swisscom-CEO Carsten Schloter dürfte sich weiter verschärfen.

 

NACHGEFRAGT

«Sie versuchen, unser Image zu zerstören»

Swisscom-CEO Carsten Schloter zum härter werdenden Umgangston im Markt und zu tieferen Preisen.

Das Klima in der Telekombranche wurde in den vergangenen Monaten deutlich rauer. Wieso?

Carsten Schloter: Die Eiszeit ist nicht generell eingekehrt. Einzig Sunrise ist auf einen harten Kurs eingeschwenkt. Mit Cablecom und Orange etwa haben wir ein sehr gutes Verhältnis.

Weshalb die Missstimmung?

Schloter: Sehen Sie, das wichtigste Kapital der Swisscom ist das Vertrauen der Kundinnen und Kunden. Sunrise versucht derzeit, unser Image zu zerstören, anstatt mit aller Kraft an eigenen Angeboten zu arbeiten. Das ist eine Form des Wettbewerbs, die der Schweiz und den Kunden nichts bringt.

Swisscom gilt im Markt auch nicht gerade als zimperlich.

Schloter: Aber wir betreiben Wettbewerb mit neuen Produkten und rüsten unsere Netze massiv auf. Sunrise sollte lieber in ihre Infrastruktur investieren.

Was erwarten Sie in diesem Jahr von der Konkurrenz?

Schloter: Tiefere Preise, mehr kombinierte Angebote. Die Kunden spüren die Entbündelung der Letzten Meile wohl ab diesem Quartal. Bereits heute ist ein Drittel aller Telefonanschlüsse entbündelt, die Mitbewerber können darauf nun Kunden gewinnen.

Wie gibt Swisscom Gegensteuer?

Schloter: Wir schauen nicht tatenlos zu, bis uns die Kunden davonlaufen. Wir werden mit neuen Produkten Gas geben und die Preise senken. Auch bei Bluewin TV wollen wir kräftig wachsen.

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Swisscom AG

Was Swisscom-Chef Carsten Schloter seine Laufschuhe sind, ist Christoph Brand sein Degen. Der 38-jährige Sunrise-Lenker liebt das Fechten. Privat ist er einmal die Woche mit der Klinge in der Hand anzutreffen. Auch im Geschäftsleben weiss er mit Spitzen umzugehen. So provoziert die von ihm geführte Sunrise seit seinem Amtsantritt im November 2006 die Mitbewerber, allen voran Swisscom. Sunrise deckt diese mit Klagen ein und lobbyiert im Bundeshaus gegen den blauen Riesen. Swisscom-CEO Carsten Schloter reagiert säuerlich und spricht indirekt sogar von einer Schmutzkampagne (siehe «Nachgefragt»).

Damit ist der Familienkrach perfekt. Denn sowohl Christoph Brand wie auch Sunrise-Strategiechef Floris Alders sind Ex-Swisscom-Leute. Jens Alder war sogar CEO von Swisscom. Zusammen mit Alders und Brand hat Alder, heutiger Sunrise-Präsident und Chef der dänischen Muttergesellschaft TDC, den neuen Kurs abgesteckt. Der heisst Konfrontation. Verständlich, entscheidet sich doch in diesem Jahr, wer künftig auf der Gewinner- und wer auf der Verliererstrasse fahren wird. Die drei wichtigsten Eckpunkte:

Entbündelung Letzte Meile Das Umhängen der Kundenanschlüsse vom Swisscom- auf ein Netz der Konkurrenz kostet Letztere hunderte von Mio Fr. Dafür können diese neue Dienste und Produkte auf dem Festnetz anbieten und neue Kunden gewinnen. Ende dieses Jahres wird sich zeigen, welche Herausforderer das Rennen gemacht haben und ob Swisscom den Kundenverlust kompensieren konnte. Auf der Umsatz- wie auf der Gewinnseite.

Kooperationen Der Umbau von Swisscom, Orange und Co. als Infrastruktur-Bereitsteller zu Multimedia-Firmen schreitet voran. Kooperationen mit Inhalteanbietern, Internet- und Medienkonzernen sind für die Telekomanbieter deshalb ein Muss. Erste Vereinbarungen mit Microsoft und Google sind Beispiele dafür. 2008 stehen unter anderen mit dem Exklusivvertriebsrecht von Appels iPhone weitere Zusammenarbeiten an.

Alles aus einer Hand Festnetztelefonie, Internet, Fernsehen und Mobiltelefonie werden mehr und mehr als Pakete zu Festpreisen offeriert. Neben Swisscom und Cablecom werden auch Orange und Sunrise das sogenannte «Quadrupleplay» anbieten. Das bringt tiefere Preise und neue Dienste für die Kunden. Eine wichtige Rolle dürfte dem Breitband per Luft zukommen, das vermehrt für die Übertragung grosser Datenmengen wie TV eingesetzt wird.

Keine Entspannung in Sicht

Swisscom will dabei wie für alle neuen Dienste die Führungsrolle übernehmen. Nur so kann sie die zahlreichen Wettbewerber auf sichere Distanz halten. Steine in den Weg wird ihr vor allem Sunrise legen. «Über Jahre», wiederholte Sunrise bereits 2007 in Medienmitteilungen gebetsmühlenartig, habe die Nummer eins im Schweizer Markt «zu hohe Preise verlangt». Zudem solle Swisscom «künftig den Willen des Parlaments respektieren» und bei der Entbündelung der Letzten Meile «keine weiteren Verzögerungen zum Schaden der Konsumenten» verursachen. Der kämpferische Ton überrascht nicht: Vom Mutterhaus unter Druck gesetzt, muss die TDC-Tochter Sunrise alles unternehmen, um mit möglichst tiefen Investitionen ein grösseres Stück im Schweizer 30-Mrd-Fr.-Markt abzuschneiden. Der Ton zwischen Sunrise-Chef Christoph Brand und Swisscom-CEO Carsten Schloter dürfte sich weiter verschärfen.

 

NACHGEFRAGT
«Sie versuchen, unser Image zu zerstören»

Swisscom-CEO Carsten Schloter zum härter werdenden Umgangston im Markt und zu tieferen Preisen.

Das Klima in der Telekombranche wurde in den vergangenen Monaten deutlich rauer. Wieso?

Carsten Schloter: Die Eiszeit ist nicht generell eingekehrt. Einzig Sunrise ist auf einen harten Kurs eingeschwenkt. Mit Cablecom und Orange etwa haben wir ein sehr gutes Verhältnis.

Weshalb die Missstimmung?

Schloter: Sehen Sie, das wichtigste Kapital der Swisscom ist das Vertrauen der Kundinnen und Kunden. Sunrise versucht derzeit, unser Image zu zerstören, anstatt mit aller Kraft an eigenen Angeboten zu arbeiten. Das ist eine Form des Wettbewerbs, die der Schweiz und den Kunden nichts bringt.

Swisscom gilt im Markt auch nicht gerade als zimperlich.

Schloter: Aber wir betreiben Wettbewerb mit neuen Produkten und rüsten unsere Netze massiv auf. Sunrise sollte lieber in ihre Infrastruktur investieren.

Was erwarten Sie in diesem Jahr von der Konkurrenz?

Schloter: Tiefere Preise, mehr kombinierte Angebote. Die Kunden spüren die Entbündelung der Letzten Meile wohl ab diesem Quartal. Bereits heute ist ein Drittel aller Telefonanschlüsse entbündelt, die Mitbewerber können darauf nun Kunden gewinnen.

Wie gibt Swisscom Gegensteuer?

Schloter: Wir schauen nicht tatenlos zu, bis uns die Kunden davonlaufen. Wir werden mit neuen Produkten Gas geben und die Preise senken. Auch bei Bluewin TV wollen wir kräftig wachsen.

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