11.08.2010 | 05:30
Essay
Von:
Klaus W. Wellershoff
Foto:
Bild: Bruno Arnold
 

Zeit zur Standortbestimmung

Es gibt Dinge, die kann man nicht prognostizieren. Das gilt zum Beispiel für den Spielplan des Sommertheaters in den Medien. Sicherlich wird irgendein Politiker halbfreiwillig in irgendeinen Skandal verwickelt.

 

Nebenartikel:

Vielleicht schaffen es die Doping-Vorwürfe im Radsport, die Saisonvorbereitung der Fussballer oder der Seitensprung eines B-Prominenten, die Schlagzeilen zu dominieren. Eigentlich ist das Thema auch egal. Nach einer hektischen ersten Jahreshälfte müssen wir unsere Gehirne erst einmal auf Leerlauf schalten, bevor wir uns wieder Sorgen um das Schicksal unserer Welt machen können. Ein bisschen «divertimento» schadet da nicht.

Dabei ist die Ruhe der Ferienzeit geradezu ideal, um über das Grundsätzliche noch einmal vertieft nachzudenken. Nicht umsonst nehmen wir alle einen grossen Stapel Bücher mit in die Ferien, die allerdings meist ungelesen wieder mit zurückkommen. Grundsätzliches gibt es genug, das eine weitere Betrachtung lohnen würde. Hier meine persönliche Top 5:

1.: Vertrauen. Die Bankenkrise hat uns vor Augen geführt, dass unsere moderne, arbeitsteilige Gesellschaft elementar auf Vertrauen basiert. Ohne Vertrauen geht vieles langsamer und manches gar nicht. Das gilt in der Wirtschaft, in der Politik und im Privaten.

2.: Staatsverschuldung. Die Fiskalkrise der Industrienationen hat das Potenzial, das angeschlagene Vertrauen der Menschen noch weiter zu erschüttern. Der finanzielle Spielraum vieler Staaten ist massiv eingeschränkt. Die zu lösenden Probleme wachsen. Entgegen den in der Bankenkrise geschürten Hoffnungen kann der Staat nicht alle unsere Probleme lösen. Ausgaben werden sinken und Steuern werden steigen. Oder um den Wahlkampfslogan von Angela Merkel umzudrehen: «Es gibt weniger Netto vom Brutto.»

3.: Zinsen. Oft nehmen wir sie gar nicht wahr und dennoch sind die Zinsen vielleicht die zentrale Grösse der gesellschaftlichen Entwicklung. Der Zins verbindet das Heute mit dem Morgen. Tiefe Zinsen reflektieren eine hohe Wertschätzung für die Zukunft, welche sich durch hohe Sparquoten und eine hohe Bewertung von zukünftigen Erträgen - zum Beispiel in Form von Aktiendividenden - ausdrückt. Wenn Sie sich in diesen Tagen in einer Buchhandlung auf der Suche nach der Ferienlektüre wundern, warum die Abteilungen Esoterik- und Börsenratgeber so gross sind, denken Sie daran: Beides ist die Reflektion davon, dass wir das Heute vergessen haben auf der Suche nach dem Glück von morgen.

4. Inflation und Deflation. Solange die Zinsen fallen, ist die Welt auch ganz angenehm. Schliesslich steigen bei fallenden Zinsen unsere Vermögenswerte. Wir meinen, wir seien durch diese Neubewertung reicher geworden. Manche Gesellschaften leben dann sogar von diesem vermeintlichen Vermögenszuwachs. Fallende Zinsen sind aber fast ausschliesslich die Folge fallender Inflationsraten. Ein Trend, der immerhin seit 30 Jahren unser Leben bestimmt. Die zentrale Frage wird also für uns sein, wie die Inflation sich in den nächsten Jahren entwickeln wird. Immerhin hat die Politik über Schuldenmachen und Gelddrucken ihr Möglichstes getan, uns unser Vertrauen in die Werthaltigkeit des Geldes zu nehmen. Spannend wird es aber erst, wenn die Sorge um die Zukunft in Hoffnungslosigkeit umschlägt. Dann allerdings müssen wir damit rechnen, dass die Gegenwartsvorliebe und damit der Konsum massiv ansteigt. Esoterik- und Börsenratgeber verkaufen sich nicht mehr. Inflation und Zinsen liegen deutlich höher und unser Volksvermögen schrumpft.

5. Struktur der Weltwirtschaft. Die USA haben ihren Zenit überschritten. Lag Ende der 90er-Jahre der Anteil der amerikanischen Volkswirtschaft an der Weltwirtschaft bei gut 25%, fallen die Amerikaner im kommenden Jahr unter die 20-%-Marke. Die grossen Gewinner sind die Schwellenländer, allen voran China. Interessanterweise hält sich Europa in diesem weltwirtschaftlichen Konzert viel besser, als viele vermutet haben. Für die Schweiz gilt sowieso, dass die Europapolitik matchentscheidend ist. Bisher war der Bilateralismus sehr erfolgreich, stösst aber an Grenzen. Im Konzert der G20 darf die Schweiz auch nicht mitmachen. Vielleicht ist es an der Zeit, die Aussenpolitik der Schweiz neu zu denken.

Bei aller Sorge, die sich in dieser Hitliste ausdrückt, ist eines ganz klar: Die Welt dreht sich weiter, wächst langfristig und eröffnet unternehmerisch denkenden Menschen grosse Chancen. Für Verwalter dagegen bedeutet Wandel fast den sicheren, beschleunigten Abstieg. Das gilt auch in der Politik: Vorwärtsstrategien sind gefragt! Vor uns liegt eine Welt, die wir mitgestalten können. Wir müssen es nur wollen und uns nicht ins Private oder ins Reduit zurückziehen.

Top 2011

Die Listen der 1300 grössten Unternehmen in der Schweiz sind eine einzigartige Sammlung von Daten und Kennzahlen.
Zu den neuen Listen

SMI6.155,9-1,7minus-0,0%
SPI5.583,7-1,4minus-0,0%
SLI940,30,2plus0,0%
SMIM1.197,4-2,9minus-0,2%
DAX 306.748,8-5,4minus-0,1%
EURO STOXX 502.512,9-1,2minus-0,0%
Dow Jones Ind.12.884,05,8plus0,0%
S&P 5001.263,013,4plus1,1%
NASDAQ Composite Index2.648,4-0,4minus-0,0%
Nikkei 2259.015,698,1plus1,1%
EUR/CHF1,21020,0plus0,1%
USD/CHF0,91260,0plus0,1%
Ölpreis (WTI)99,10,7plus0,7%
Goldpreis1.736,0-12,4minus-0,7%

Top und Flops

NameKurs+/-+/- %
25,230,230,92
162,301,300,81
36,100,280,78
13,100,080,61
230,400,900,39
46,50-0,55-1,17
394,20-4,10-1,03
53,40-0,50-0,93
291,80-2,10-0,71
51,30-0,35-0,68
NameKurs+/-+/- %
2,100,157,58
22,840,441,96
34,470,521,53
29,850,210,71
32,520,160,48
7,51-0,11-1,47
56,71-0,84-1,46
77,03-1,02-1,31
54,25-0,67-1,22
17,00-0,20-1,13
NameKurs+/-+/- %
3,320,206,56
1,620,053,33
17,250,553,29
34,660,982,89
37,911,052,83
55,65-0,81-1,44
7,28-0,09-1,18
54,45-0,55-1,00
123,94-1,23-0,98
25,12-0,24-0,95

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