Zu den verkannten Werten zähle ich Bucher Industries. Im Jahresvergleich haben die Titel gegen ein Fünftel an Wert verloren. Nun kommen diese Kursverluste nicht einfach aus heiterem Himmel; das Unternehmen leidet unter rückläufigen Aufträgen. In erster Linie betroffen ist ausgerechnet der wichtigste Bereich, nämlich die Landmaschinensparte Kuhn.

Im ersten Quartal gingen 10,2 Prozent weniger Aufträge ein. Dafür verantwortlich sind reiche Ernten, die tiefere Preise für Landwirtschaftsprodukte nach sich ziehen. Dergestalt bleibt den Farmern weniger Geld für Investitionen in neue Maschinen. Geringere Aufträge verzeichnen auch die Sparten Specials (Produktionsanlagen für Wein und Fruchtsäfte, Landmaschinenhandel) sowie Municipal (Strassenkehrmaschinen), während die Bereiche Hydraulics (Hydraulikkomponenten) und Emhart Glass (Behälterglas-Maschinen) rundlaufen.

Der starke Franken erschwert die Lage zusätzlich. Dennoch wurden die Bucher-Papiere für meinen Geschmack zu heftig abgestraft. Das lässt sich am moderaten Kurs-Gewinn-Verhältnis ablesen: 16,1 für dieses, 14,6 für nächstes Jahr. Für 2015 ist mit einem deutlichen Gewinnrückgang zu rechnen, doch von 2016 an erholen sich die Erträge wieder. Der von Philip Mosimann (61) geführte Konzern ist solide finanziert, breit aufgestellt und verfügt über eine starke Marktstellung. Die meisten Analysten zeigen sich denn auch zuversichtlich für die Aktien. Nur soll man nicht mit raschen Kursgewinnen rechnen. Ein Einstieg eilt also nicht.

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Frisch gebügelt

Vor acht Jahren ist die ­Finanzgesellschaft Permira bei Hugo Boss eingestiegen. Und hat gleich mal die Kasse des deutschen Modekonzerns geplündert; die Briten setzten eine Sonderausschüttung von 345 Millionen Euro durch. «Ein Blutegel am Hals von Boss», habe ich damals gemotzt. Kürzlich hat sich Permira verabschiedet. Im Rückblick muss ich sagen, dass die Partnerschaft für beide Seiten erspriesslich war. In dieser Zeit stieg der Umsatz des Modekonzerns um gegen 60 Prozent, der Gewinn hat sich verdoppelt, der Aktienkurs um 130 Prozent zugelegt.

Permira hat nach dem ersten Raubzug beim schwäbischen Edelschneider kräftig investiert. Hugo Boss jedenfalls präsentiert sich heute fein herausgeputzt. Zwar ist das Marktumfeld schwierig, dennoch sollen Umsatz und Ertrag im gut mittleren einstelligen Prozentbereich steigen. Angesichts des zwar nicht überwältigenden, dafür stetigen Ertragswachstums bieten die Aktien mittelfristig ein gutes Kurspotenzial. Zumal Hugo Boss als Kandidat für die Aufnahme in den Blue-Chip-Index DAX gilt.

Neue Kleider

«Mit Blick auf den Wachstumsschub sind die Aktien von Calida reizvoller als auch schon. Mit einem KGV von 19,1 weisen sie allerdings eine für einen Nebenwert hohe Bewertung auf», habe ich im April 2014 zurückhaltend ­geschrieben. Die Valoren haben seither denn auch lediglich acht Prozent zugelegt. Mit Skepsis verfolgten die Investoren die Integration von Lafuma, an der Calida im Herbst 2013 die Mehrheit übernommen hatte. Denn der französische Sportbekleidungshersteller schrieb damals tiefrote Zahlen. Doch Konzernchef Felix Sulzberger (63) hat die neue Tochter überraschend schnell aus der Verlustzone geführt. So brachte die Akquisition per 2014 auf Gruppenebene eine Verdoppelung von Umsatz und Gewinn.

Die Erwerbung verursacht jedoch neue Probleme. Nun werden 40 Prozent vom Umsatz in Frankreich erwirtschaftet, im gesamten Euroraum fallen drei Viertel der Verkaufserlöse an. Damit bekommt Calida bei der Umrechnung den starken Franken negativ zu spüren. Aus­serdem ist die Nachfrage nach Bekleidung in Frankreich seit geraumer Zeit schwach. Zwar hat Sulzberger Massnahmen gegen die Währungsproblematik ergriffen; dennoch rechnet man für das laufende Jahr mit deutlich tieferen Erträgen. Das dürfte die Aktien in den nächsten Monaten vermehrt unter Druck setzen. Mittel- bis langfristig dagegen sind die Aussichten rosig.

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Reiseführer

Sogar in Japan habe ich sie an manchen Hoteltüren gesehen: die grünen Plaketten mit dem weissen Schriftzug «Travellers’ Choice», mit denen ­TripAdvisor Betriebe auszeichnet. Das Reiseportal gibt längst auch in Asien den Ton an. Gerade mal vor fünfzehn Jahren gegründet, hat sich das amerikanische Unternehmen zur Nummer eins der Branche gemausert.

Die Geschäftsidee ist simpel: Reisende veröffentlichen auf der Website Empfehlungen für Hotels, Restaurants und Sehenswürdigkeiten, andere können sich so aus erster Hand informieren. Die Zahlen sind beeindruckend: monatlich 340 Millionen Besucher, über 225 Millionen Bewertungen zu fünf Millionen ­Hotels, Restaurants und anderem, gegen 80 Millionen Mitglieder. Die Besucher buchen über TripAdvisor Hotels und Reisen von Drittanbietern, das Unternehmen kassiert dafür Provisionen. Zusätzlich lassen Werbeeinnahmen die Kasse klingeln. Die Leidtragenden dieses Erfolgs sind die Reiseführer-Verlage. Was Stephen Kaufer (52), Mitgründer und Chef von TripAdvisor, nicht kratzt: «Die Verlage haben zu lange an ihren alten Geschäftsmodellen festgehalten.»

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Ende 2011 ging die Jungfirma an die Börse. Seither haben sich die Valoren im Wert verdreifacht, das Unternehmen wird mit rund elf Milliarden Franken bewertet – und das bei 2790 Beschäftigten und einem Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar. Doch der Reiseportal-Betreiber erwirtschaftet eine saftige Gewinnmarge von 18 Prozent. Wie bei Wachstumswerten üblich, ist die Bewertung hoch; die Aktien weisen für 2015 ein geschätztes KGV von 42 und für 2016 von 32 auf. Dennoch zeigen sich die meisten Analysten angetan. Ich bin überzeugt, dass Trip­Advisor weiterhin wachsen wird. Die ­Aktien sind eine attraktive Wette auf die Zukunft, wenngleich sie Risiken bergen.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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