Über die vergangenen Wochen war ein fiebriger Kursverlauf bei Holcim zu beobachten. Je nachdem, wie das Seilziehen um die Spitzenämter bei Lafarge/Holcim gerade stand. Als bekannt wurde, dass Lafarge-Mann Eric Olsen (51) den fusionierten Baustoffriesen als CEO lenken wird, legten die Aktien um gegen vier Prozent zu. Die Börsianer favorisieren also klar eine Fusion. Jetzt liegt es an den Aktionären, der Hochzeit ihren Segen zu erteilen.

An der jüngst abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung war eine gewisse Verunsicherung festzustellen. Doch was, wenn die Holcim-Anteilseigner an der wichtigeren, ausserordentlichen GV vom 8. Mai das Zusammengehen torpedieren? Immerhin ist eine Zweidrittelsmehrheit der Aktionärsstimmen nötig. Und bei einigen Grossaktionären, so Eurocement-Chef Filaret Galtschew (51), überwiegt die Skepsis. Falls die Fusionspläne in die Binsen gehen, dürfte Holcims Aktienkurs um mindestens zehn Prozent einbrechen, sagten mir zwei Finanzanalysten.

Ein solcher Einbruch wäre mir unverständlich. Sicher, der Merger bringt Vorteile: Der neue Konzern deckt den Globus mit Zementwerken ab; Investitionen in neue Fabriken entfallen weitgehend; bis Ende 2017 sollen sich Synergie­effekte von 1,5 Milliarden Euro einstellen. Würde die Verlobung dennoch aufgelöst, wäre Lafarge der Verlierer. Holcim dagegen bliebe auch bei einem Alleingang stark – und interessant für Investoren. Holcim, strategisch wie finanziell in einer beneidenswerten Position, kann auch als Solist Kosten einsparen und den Ertrag steigern. Für 2015 dürfte der Gewinn um zehn Prozent zunehmen, was einem attraktiven Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,9 entspricht. Lafarge werden dagegen mit 21,8 bewertet. Wer auf Holcim setzt, profitiert – ob der Zusammenschluss nun kommt oder nicht.

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Schrottkurs

Seit fünf Jahren, also seit die Titel an der Schweizer Börse kotiert sind, warne ich vor Transocean. In dieser Zeit haben die Titel des führenden Offshore-Bohrkonzerns mit angeblichem Hauptsitz in Zug mehr als vier Fünftel an Wert eingebüsst. Über die letzten fünf Wochen dagegen legte der Kurs gegen 20 Prozent zu. Gründe dafür kann ich keine ausmachen. Der US-Konzern hat 2014 einen ­gewaltigen Verlust gefördert. Auch in diesem Jahr bleiben die Marktverhältnisse schwierig. Der niedrige Ölpreis spricht nicht gerade dafür, dass sich das Explorationsgeschäft deutlich belebt. Zudem zieht die Verschrottung veralteter Bohrschiffe heftige Wertberichtigungen nach sich.

Im Februar wurde CEO Steven Newman zurückgetreten. Offiziell im «gegenseitigen Einverständnis». Der Branche jedoch ist klar, dass der 48-Jährige gehen musste. Trotz fragwürdiger Leistungen kassierte er für letztes Jahr 14,2 Millionen Franken, mehr, als sonst ein Chef eines Schweizer Konzerns kassiert hat. Ich bin vorsichtig gegenüber Firmen, bei denen das Management derart schamlos abkassieren kann. Transocean sind für meinen Geschmack mit zu hohen Risiken belastet.

Gefährliche Titel

Gleich zwei Leser haben mich angefragt, welchen Schweizer Penny Stocks ich am meisten Kurs­potenzial zutraue. Zuerst habe ich mich gewundert, denn hierzulande sind ­gerade mal fünf Penny Stocks kotiert, ­eigentlich Rappenaktien, also Titel, die nicht einmal mit einem Franken bewertet sind. Dann wurde mir der Grund für die Anfragen klar: Das neue Leben in den Aktien Cytos Biotechnology weckt Spekulationsgelüste. Sie erinnern sich? Nachdem ein Asthma-Impfstoff in klinischen Tests durchgefallen war, stand der einstige Börsenliebling Cytos vor dem Aus. Dann gelang es dem Management, die Gläubiger einer Wandelanleihe davon zu überzeugen, ihre Obligationen in Aktien zu tauschen. Die Aktionäre stimmten einer dazu nötigen Kapitalerhöhung zu. Und dann zahlte Novartis noch vier Millionen Franken als Entschädigung für ­Lizenzrechte. Die Cytos-Titel haussierten seit Anfang März um gegen 300 Prozent.

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Cytos ist eine Ausnahme. Eine weltweite Studie zeigt auf, dass innert zehn Jahren von Aktien, die unter fünf Dollar gefallen sind, 90 Prozent nicht mehr auf zweistellige Kurse kamen. Schweizer Rappenaktien von Unternehmen wie der im Rohölgeschäft aktiven Alpha PetroVision, der auf das Chartergeschäft und die Flugzeugberatung spezialisierten Perfect, der Swissmetal-Nachfolgegesellschaft Swmtl oder der einstigen MondoBiotech, die nach der Fusion mit Pierrel unter der Firmierung TheraMetrics einen Neuanfang versucht, räume ich keine Chancen auf eine Wiederauferstehung ein. Wer mit solchen Valoren spekuliert, muss damit rechnen, den gesamten Einsatz zu verlieren.

Übrigens bin ich auch für Cytos skeptisch. Neu finanziert, will das Unternehmen entweder eine Firma übernehmen oder eine in der Entwicklung befindliche Anwendung kaufen. Ein höchst fragliches Ge​schäftsmodell.

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Glühend heiss

Die bekanntesten hiesigen Penny Stocks sind Schmolz + Bickenbach (S+B). Der internationale Produzent von hochwertigem Speziallangstahl mit Sitz in der Zentralschweiz hat eine bewegte Geschichte hinter sich, geprägt von den bekannten Problemen der Branche, von Übernahmen, aber auch vom Beinahekollaps der Firma, von abzockenden Managern und hoher Verschuldung. Der Aktienkurs brach seit der Finanzkrise um bis zu 95 Prozent ein. Seit Investor Viktor Vekselberg mit einem Viertel der Aktien die Kontrolle hält, hat sich die Situation verbessert. Die strategische Neuausrichtung trägt erste Früchte. So hat der Stahlkonzern 2014 erstmals seit drei Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben.

Die Aktien haben sich etwas erholt und notieren knapp unter einem Franken. Es ist zu erwarten, dass S+B bald den Ruch des Penny Stock ablegen. Das jüngst vervollständigte Führungsduo, CEO Clemens Iller (55) und Finanzchef Matthias Wellhausen (57), muss nun für Ruhe und vor allem bessere Zahlen sorgen. Der vor kurzem angekündigte Verkauf der Distributionseinheiten ist ein Schritt in die richtige Richtung; diese haben vorwiegend werksfremde Produkte vertrieben, nur waren die Margen höchst dünn. Für eine nachhaltige Erholung der Ertragslage ist etwas anderes wichtiger: die Preise für Spezialstahl zu erhöhen. Die Valoren von S+B dürften sich zwar in absehbarer Zeit leicht über einen Franken verbessern, doch für weiteres Kurspotenzial sind eine europaweite Konjunkturerholung und damit bessere Stahlpreise unabdingbar.

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