Keine Blue Chips verunsichern die Anleger so wie Swatch Group und Richemont. Die einstigen Highflyer sind flügellahm geworden; über die letzten 52 Wochen verloren Richemont sechs Prozent, Swatch büssten sogar ein Viertel ihres Werts ein. Und dies in sonst freundlichen Börsenzeiten.

Die unsichere Lage im wichtigen ­Absatzgebiet Asien sowie der starke Franken belasten beide Unternehmen. Gerade bei Richemont, seit dem Rückzug von Johann Rupert (64) aufs Präsidium von den Co-CEOs Bernard Fornas (67) und Richard Lepeu (63) gelenkt, hinterlassen die negativen Währungseffekte tiefe Spuren; der Konzern überraschte jüngst mit einer Gewinnwarnung und schätzt, dass der Gewinn 2014/15 um gut ein Drittel eingebrochen ist. Bei Swatch hat sich die Aufregung um die AppleWatch etwas gelegt. Auch die deutlichen Ertragseinbrüche für das laufende Jahr sind vom ­Aktienmarkt verdaut. Der oberste Zeitmesser, Nick Hayek (60), gibt sich wie gewohnt zuversichtlich. In diesem Jahr jedoch dürfte der Gewinn stagnieren oder leicht zurückgehen. Erst ab 2016 ­erwarten die Analysten wieder bessere Resultate.

Beide Unternehmen werden die Schwächephase in absehbarer Zeit überwinden. Unter dem Motto «Luxus geht immer» bleibe ich für die Aktien lang­fristig positiv. Mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20,1 für Richemont und 16,3 für Swatch sind die Titel keine Schnäppchen, aber auch nicht überbewertet. Mit einem Einstieg würde ich allerdings noch zuwarten.

Gepflegte Rendite

Eine weitere Luxus­güteraktie, die man auch in stürmischen Börsenzeiten halten kann, ist L’Oréal. Trotz der etwas schwachen Verfassung der Konjunktur, vor allem in Europa, läuft das Geschäft der französischen Kosmetikgruppe wie geschmiert. Nach ansprechenden Resultaten für 2014 hat der Konzern in diesem Jahr an Schwung gewonnen; im ersten Quartal stieg der Umsatz um gut 14 Prozent. L’Oréal registriert besonders in den aufstrebenden Märkten Afrika, Asien und Lateinamerika eine hohe Nachfrage. Vor allem ­Kosmetikprodukte von Lancôme, Giorgio Armani und Yves Saint Laurent ­erfreuen sich grösster Beliebtheit.

Nach längerer Seitwärtsbewegung haben die Aktienkurse wieder an Fahrt aufgenommen. Seit Herbst 2014 gewannen sie gegen 50 Prozent an Wert. Mit einem KGV von 26,2 für dieses Jahr sind die Titel satt bewertet, mittelfristig aber attraktiv. Ein Einstieg eilt auch hier nicht.

Wie gehabt

«GAM wurde jahrelang als Selbstbedienungsladen missbraucht, eine Handvoll Manager und Verwaltungsräte kassierte weit über 100 Millionen Franken – auf Kosten der Aktionäre. Allein an CEO David Solo dürften 40 bis 50 Millionen Franken geflossen sein. Nun kündigt sich bei GAM ein neues Zeitalter an. Die Transformation ist ab­geschlossen, Solo erklärte den Rücktritt. An seinem Nachfolger Alexander Friedman liegt es, das Wachstum zu beschleunigen.» So habe ich vor einem halben Jahr geschrieben und die Aktien zum Kauf empfohlen.

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Nun stellt sich heraus, dass Friedman noch weniger zimperlich ist als sein Vorgänger. Alleine von September bis Dezember 2014 kassierte der Amerikaner gut neun Millionen Franken! Dazu kommen sechs Millionen an gesperrten Boni seines früheren Arbeitgebers UBS; diese hat GAM übernommen und zahlt sie in vier Jahrestranchen aus. Der grosse ­Reibach jedoch dürfte Friedman noch bevorstehen. Bis 2019 läuft ein Bonus­programm, das ihm im besten Fall zusätzlich einige Dutzend Millionen in die Privatschatulle spülen könnte.

Hände weg von den Aktien einer Firma, in der die Manager zuerst an sich selbst und viel später an die Aktionäre denken. Zumal die Titel nach einem ­Kursplus von 40 Prozent seit Januar anfällig für Gewinnmitnahmen sind.

Unsichere Fahrt

Die Vereinigten Staaten spielen sich gerne als Welt-Sheriff auf. Doch wenn es um Eigeninteressen geht, ist man auf beiden Augen blind. Vor fünf Jahren musste Toyota Millionen von Autos wegen Brems- und Gaspedalproblemen zurückrufen. Obwohl auch amerikanische Autofabriken schon millionenfach Fahrzeuge nachbessern mussten, wurde gegen den japanischen Fabrikanten eine regelrechte Hetzkampagne gestartet. Der damalige US-Verkehrsminister Ray LaHood war sich nicht zu schade, die amerikanische Volksseele zum Kochen zu bringen. Ein Jahr danach fanden Nasa-Techniker heraus, dass nicht die Autos, sondern die Fahrer das Problem waren. Was nichts daran änderte, dass LaHoods üble Nachrede die Toyota-Aktionäre mehr als sechs Mil­liarden Franken an Börsenkapitalisierung kostete.

Zig Millionen mehr Autos musste ­General Motors (GM) über die letzten zwei Jahre zurückrufen wegen defekter Zündschlösser, die wahrscheinlich 84 Menschenleben gekostet haben. Dafür muss der Konzern, so schätzten Analysten vor Jahresfrist, zwei Milliarden Dollar aufwenden. Und wohl weitere Milliarden in der Folge einer Klagewelle. Die seit Anfang 2014 am Steuer sitzende Mary Barra (53) zeigte sich im Sommer letzten Jahres zerknirscht. Sie räumte mit eisernem Besen im Management auf und versprach den Hinterbliebenen Entschädigungen. Bis jüngst ein Richter entschied, dass die aus der Insolvenz hervorgegangene GM nicht für die Fehler der «alten» GM haften müsse.

GM spart viel Geld. Dennoch reagierten die Aktien kaum auf den Richterspruch. Kein Wunder, denn der Autokonzern hat auch so noch einen Haufen weitere Probleme am Hals: Das Europa-Geschäft ist seit Jahren tiefrot, die anhaltenden Rückrufe belasten das Ergebnis. Dafür läuft der Absatz im Heimmarkt gut. Obwohl sich die Aussichten aufhellen, lasse ich die Aktien vorderhand links liegen. Auch die kanadische Regierung scheint wenig von GM zu halten; das ­Finanzministerium hat die Restbeteiligung von 4,5 Prozent versilbert.