In der ersten Oktoberhälfte erwachten Luxusaktien vorübergehend zu neuem Leben: Swatch Group gewannen 15 Prozent, Richemont gut 10 Prozent – und dies in einem sonst flauen Markt. Ungeachtet der Kurs­gewinne gehören diese Aktien über die letzten zweieinhalb Jahre zu den grossen ­Verlierern. Die einst boomende ­Luxusgüterbranche leidet unter den Wirtschaftsproblemen in wichtigen Absatzmärkten, so China, aber auch Russland oder Südamerika. Zudem haben die Terroranschläge in Europa besonders den Chinesen die Lust auf Reisen und Shopping genommen.

Hauptsächlich der Absatz von Uhren stockt. Doch auch bei Schmuck, Mode oder Lederwaren war die Nachfrage schon besser. Branchenexperten glauben zwar, dass das Gröbste ausgestanden sei. Doch vorderhand lassen sich keine Anzeichen einer Trendwende ausmachen. Dennoch können Investoren mit Risikobereitschaft und viel Geduld die teilweise tiefen Kurse für einen Neueinstieg nutzen.

Für Swatch kommt es knüppeldick

Unter der Misere im Uhren­geschäft leidet vor allem die Swatch Group. Obendrein belastet der starke Franken die Margen. Für den weltgrössten Uhrenkonzern kommt es knüppeldick: Im ersten Halbjahr schmolz der Umsatz um elf Prozent, Betriebs- und Reingewinn brachen gar um über die Hälfte ein. Konzernchef Nick Hayek (61) versucht derweil, Zuversicht zu verbreiten; er stellt ein «Jahresergebnis näher zum oder gleich dem Vorjahr» in Aussicht. Ein höchst ambitiöses Ziel, das von vielen Finanzanalysten angezweifelt wird.

Die Aktien, seit Anfang 2014 um gegen 50 Prozent gefallen, sind zu einem Spielball der Spekulanten geworden; vor allem massive Leerverkäufe haben den Kurs zusätzlich nach unten gedrückt. Doch damit ist es wohl vorbei: Mancher Analyst hat jüngst die Kursziele für Swatch erhöht. Langfristig bleibe ich positiv für den Uhrenhersteller, doch vorderhand warte ich zu mit einem Aktienkauf. Zuerst muss der Exportrückgang bei den Uhren gestoppt werden und sich bei den Firmenzahlen eine Wende zum Besseren abzeichnen. Auch sind die Titel mit einem für 2017 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 19,6 nicht speziell günstig.

Anzeige

Richemont ergeht es nicht viel besser

Nicht viel besser ergeht es Richemont. Im vergangenen Jahr ist die Ebit-Marge auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gefallen. Und für die ersten fünf Monate des Geschäftsjahres 2016/17 musste ein Umsatzrückgang um 14 Prozent ausgewiesen werden. Ertragszahlen weist der Hersteller von Schmuck, Uhren, Mode und Tabak – im Sortiment stehen Marken wie Cartier, Van Cleef & Arpels, Jaeger-LeCoultre, IWC, Piaget, Montblanc, Alfred Dunhill oder Chloé – erst für das erste Semester aus; Analysten erwarten einen Gewinn­einbruch von 45 Prozent. Anders als Swatch hat Richemont auf die schwierigen Bedingungen mit Massnahmen reagiert, so mit ­Stellenabbau oder der Schliessung unrentabler Geschäfte.

Für das Genfer Unternehmen bin ich etwas positiver gestimmt als für Swatch. Der von Mehrheits­aktionär (Stimmen) und VR-Präsident Johann Rupert (66) beherrschte Konzern dürfte sich dank des breiteren Porduktport­folios bei anziehender Nachfrage schneller erholen. Dennoch warte ich auch bei Richemont zuerst klare Signale einer Trendwende ab.

Hermès wächst ungebremst

Ungeachtet der Terroranschläge im Heimmarkt Frankreich wächst Hermès ungebremst. Die vor allem mit ihren Lederprodukten bekannte Firma, die auch Modeartikel, Parfums, Schmuck und sogar ­Inneneinrichtungen anbietet, wies 2015 bei Umsatz und Betriebs­gewinn eine Zunahme von über 18 Prozent aus. Im ersten Halbjahr 2016 hat sich zwar die Expansion etwas abgekühlt, doch erreichte die Betriebsgewinnmarge mit 33,9 Prozent einen neuen Rekord.

Hermès wird weiter stark wachsen. Da kann es nicht verwundern, dass die Aktien jüngst einen historischen Höchstkurs gesetzt haben. Mit einem für 2017 geschätzten KGV von 31,1 sind die Titel teuer. Doch den Valoren gestanden die Anleger schon immer eine saftige Prämie zu. Wer einsteigt, sollte Hermès einige Jahre im Portfolio behalten.

Anzeige

Burberry bleibt nicht verschont

Auch traditionelle Luxusgüterfirmen wie Burberry werden von der Krise nicht verschont. Das britische Mode-, Schmuck- und Parfum­unternehmen, bekannt für seine Trenchcoats, musste für 2015/16 eine Ebit-Einbusse von 8,2 Prozent melden. Auch das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres verlief enttäuschend.

Nun wurde ein Kostensenkungsprogramm initiiert, das über drei Jahre Einsparungen von mindestens 100 Millionen Pfund bringen soll. Zusätzlich helfen dürfte der Brexit respektive die damit verbundene Abschwächung der britischen Währung. UBS prognostiziert für die nächsten Jahre einen spürbaren Aufschwung und empfiehlt die Aktien zum Kauf.

Gut gefallen mir auch die Titel von Christian Dior, die mit einem 2017er KGV von 15,9 noch Kurs­potenzial bieten. Dagegen sind die Kosmetikhersteller L’Oréal sowie Estée Lauder mit einem KGV von 23,9 respektive 24,9 etwas gar hoch bewertet.

LVMH schlägt sich erstaunlich gut

Erstaunlich gut schlägt sich LVMH. Das französische Unternehmen, das über 60 Luxusmarken besitzt, darunter Brands wie Louis Vuitton, Givenchy, Moët & Chandon, Hennessy oder TAG Heuer, meldet für die ersten neun Monate einen um vier Prozent höheren ­Verkaufserlös von 26,3 Milliarden Euro. Vor allem das Geschäft in Asien und den USA läuft rund. Auf das gute Resultat hin legten nicht nur die LVMH-Titel kräftig zu – das ganze Luxussegment der Börsen wurde beflügelt.

Das Uhrengeschäft, obwohl in den letzten Jahren ausgebaut, spielt beim weltgrössten Luxus­güterkonzern nur eine Nebenrolle. Nicht zuletzt wegen dieser geringen Abhängigkeit billigen Analysten dem vom langjährigen CEO Bernard Arnault (67) geleiteten Unternehmen weiterhin ein zwar nicht exorbitantes, doch anständiges Wachstum zu. Dafür sorgt auch eine kontinuierliche Bereinigung des Markenportfolios.

Anzeige

So wurde im Sommer die Modefirma Donna Karan abgestossen, im Herbst dafür der Kofferhersteller Rimowa gekauft. Entgegen dem Branchentrend haben die LVMH-Aktien 2016 ein Fünftel zugelegt. Dennoch bieten die Valoren mit einem für 2017 geschätzten KGV von 18,3 noch etwas Raum nach oben.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.