Fast auf jeder Banken-Empfehlungsliste ist der Name Givaudan zu finden. An der Börse jedoch bekunden die Titel des Aromen- und Duftstoffproduzenten nach jahrelangem Höhenflug Mühe; seit dem historischen Höchst im letzten Sommer büssten die Papiere ein Zehntel an Wert ein, während der Börsen­indikator SMI fünf Prozent zulegte. Das ist nicht zuletzt eine Folge der etwas enttäuschend ausgefallenen Zahlen für 2016; für einmal lag die Ertragsentwicklung minim hinter den starken Verkäufen zurück. Auch eine unerwartet mager ausgefallene Erhöhung der Dividende mag eine Rolle gespielt haben. Schliesslich waren die Erwartungen der Börsianer für einmal zu hoch.

Dennoch zählen Givaudan für mich zu den Top-Aktien. Die Genfer sind weltweiter Marktführer in einer Branche, die nur eine geringe Anfälligkeit auf Konjunkturschwankungen kennt und zugleich eine hohe Profitabilität aufweist. Auch das Wachstumspotenzial ist überdurchschnittlich. Vor diesem Hintergrund ist das von Präsident Calvin Grieder (61) und Konzernchef Gilles ­Andrier (56) gesetzte Ziel, bis 2020 ein jährliches organisches Umsatzwachstum von vier bis fünf Prozent sowie beim Free Cashflow 12 bis 17 Prozent der Verkäufe zu erreichen, nicht zu hoch gegriffen. Der Start ins laufende Geschäftsjahr jedenfalls ist gelungen; im ersten Quartal stieg der Umsatz, auch dank Akquisitionen, um 7,7 Prozent. Ertragszahlen werden keine bekannt gegeben.

Die Aktien sind mit einem für 2017 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25,4 nicht übertrieben hoch bewertet, wenn man die Qualitäten und die Aussichten des Aromen- und Duftstoffherstellers in ­Betracht zieht. Givaudan sind ein Muss für Aktionäre, die auf lange Sicht eine solide Anlage mit einem zwar nicht explosiven, dafür stetigen Kurswachstum suchen.

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Einige Börsenschwergewichte

Die Zentralschweiz beherbergt mehr als 50 börsenkotierte Unternehmen. Allerdings ist der Grossteil dem Bereich der klein- bis mittel­kapitalisierten Gesellschaften zuzurechnen. Doch es gibt im Herzen 
der Schweiz auch einige Börsenschwergewichte. Der Aufzugs- und Fahrtreppenhersteller Schindler steht, gemessen an der Börsenkapitalisierung, an 14. Stelle unter hei­mischen Konzernen. Weitere klangvolle Namen liefern der Logistiker Kühne + Nagel, der Schraubenproduzent Bossard oder der Milchverarbeiter Emmi.

Die Luzerner Kantonalbank, selbst an der Börse vertreten, legt mit dem LUKB Expert-Tell einen Aktienfonds auf. Dieser umfasst die 25 grössten Unternehmen der Zentralschweiz, und zwar gemessen an der Free-Float-Marktkapitalisierung. Dazu hat das Innerschweizer Geldhaus einen Aktienindex kreiert, den LUKB ZAI 25. Der Fonds kann bis Ende Mai zur Hälfte der Ausgabekommission gezeichnet werden. Eine Anlagemöglichkeit, die auch für Nicht-Zentralschweizer interessant ist.

Beeindruckender Höhenflug von VAT

Als Anleger ist Ihnen das wohl auch schon passiert: Da habe ich monatelang eine Aktie verfolgt und einen günstigen Moment für den Einstieg abgewartet. Doch die Kurse sind 
immer nur gestiegen, der erhoffte Rückschlag blieb aus, bis heute habe ich die Titel nicht gekauft. Ich spreche von VAT Group. Vor einem Jahr ist das Unternehmen an die Börse gegangen, seither hat der Aktienkurs um 140 Prozent zugelegt.

Der beeindruckende Höhenflug kommt nicht von ungefähr. Der global führende Hersteller von Vakuumventilen, die in der Halbleiter­industrie, bei Flachbildschirmen und weiteren Produkten Anwendung finden, liefert überzeugende Resultate. Im vergangenen Jahr stiegen Umsatz, Ebitda sowie freier Cashflow um jeweils etwas mehr als 20 Prozent, die Ebit-Marge erreichte 23,3 Prozent.

Für dieses Jahr stellt CEO Heinz Kundert (64) erneut starke Ergebnisse in Aussicht. So soll der Netto­umsatz bei konstanten Wechselkursen «um mindestens 20 Prozent» steigen. Auch mittelfristig sind die Aussichten erfreulich. Das Unternehmen aus dem St. Galler Rheintal profitiert von Megatrends wie Big Data, Internet der Dinge oder Industrie 4.0. Dabei steckt VAT viel mehr Geld in Forschung und Entwicklung als die Konkurrenz und kann den Marktanteil bei den Vakuumventilen von gegenwärtig 41 Prozent weiter ausbauen.

Die Kehrseite der Medaille: Die Aktien sind längst kein Geheimtipp mehr. Nach dem Spurt seit dem IPO sind die Valoren mit einem geschätzten KGV von 28,1 ausgesprochen teuer. Ich warte einmal ab – vielleicht kommt es ja doch noch zu einem Kursrückschlag.

Vollgas bei Tesla

Bei einem anderen Börsenhöhenflieger dagegen kann ich die Euphorie der Investoren nicht nachvollziehen: Tesla hat über die letzten fünf Monate gegen 70 Prozent an Wert gewonnen. Inzwischen wird der 
US-Hersteller von Elektroautos mit knapp 50 Milliarden Dollar bewertet. Das ist beinahe so viel, wie Branchenprimus General Motors auf die Waage bringt. Nur hat Tesla noch nie auch nur einen Dollar verdient; vielmehr sind in den letzten sieben Jahren 2,7 Milliarden Dollar Verluste angefallen. GM dagegen hat über dieselbe Periode einen Gewinn von 50 Milliarden eingefahren.

Nun scheren sich Anleger bekanntlich wenig um die Vergangenheit, sie investieren in die Zukunft. Und da lassen die Aussichten, dass Tesla mit dem Einstieg in den Massenmarkt endlich fette Gewinne schreibt, manches Investorenherz schneller schlagen.

Firmengründer Elon Musk (45) will mit dem Mittelklassewagen Model 3 ein breites Publikum ansprechen. Die Produktion soll im Juli anlaufen, bereits liegen einige hunderttausend Bestellungen vor. Multimilliardär Musk will im nächsten Jahr 500'000 Fahrzeuge produzieren, 2020 soll die Millionenmarke fallen. Das sind höchst ambitiöse Ziele. Denn Tesla hat im vergangenen Jahr gerade mal 80 000 Autos hergestellt. Der nötige Ausbau der Produktionskapazitäten verschlingt zig Milliarden Dollar. Auch der Rückruf von 53 000 Wagen wegen möglichen Defekts an der Handbremse belastet.

Elon Musk ist einer der faszinierendsten Unternehmer. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass er seinen Mund gar voll genommen hat. Kann der Konzern aus dem Silicon Valley die enorme Nachfrage nach dem Model 3 nicht befriedigen, droht den Aktien der Absturz.

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