Himmelhoch jauchzend, dann zu To­de betrübt – und zurück zu himmelhoch jauchzend. Das ist, salopp gesagt, die Historie von Straumann. Der Hersteller von Zahnimplantaten galt jahrelang als Börsenstar. Dann kam die Finanzkrise; der damit einher­gehende Nachfrageeinbruch zerzauste das Basler Unternehmen, die Aktien stürzten bis 2012 um über 70 Prozent ab.

Doch während Konkurrent Nobel Biocare auf der Strecke blieb – die Firma wurde vom amerikanischen Mischkonzern Danaher geschluckt –, zeigt sich Straumann wieder fit. 2015 stiegen Umsatz und Ebit um 13 ­respektive 17 Prozent. Dass der ­Gewinn um gut die Hälfte einbrach, ist auf die brasilianische Tochter Neodent und den Wertzerfall des Real zurückzuführen. Auch im ersten Quartal 2016 bleckte Straumann die Zähne; der Umsatz stieg organisch um 12 Prozent.

Die wiedergewonnene Stärke gibt dem Führungsduo, CEO Mar­co Gadola (52) und VR-Prä­sident Gilbert Achermann (51), frische Zuversicht. So wurde jüngst das prognostizierte Wachstum nach oben geschraubt. Und Gadola will die Firma auch in den USA zur Nummer eins machen – dies in drei bis vier Jahren. Die Chancen stehen gut. Straumann dehnt die ­Aktivitäten von Premium- zu Value-Produkten aus und wandelt sich zudem vom reinen Implantat­hersteller zum Anbieter von Zahnersatz-Gesamtlösungen.

Längst befinden sich die Straumann-Aktien wieder im Steigflug, sie haben sich über die letzten dreieinhalb Jahre im Wert fast vervierfacht. Nur sind die Titel damit überaus saftig bewertet; das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für dieses Jahr stellt sich auf 32 und für 2017 auf 28. Andererseits zeigt die hohe Bewertung, dass die Börse den Straumann-Papieren noch viel mehr Kurspotenzial zutraut. Damit ist eines klar: Die Aktien sind nur für Anleger geeignet, die mindestens vier bis fünf Jahre Zeit haben.

Gestolpert

Lange sah es danach aus, als ob der Himmel die Grenze sei für die ­Aktien von Foot Locker. Zwischen 2008 und 2015 stieg der Kurs um das 14fache. Doch die Börse reagiert ungnädig, wenn ein High-flyer auch nur leicht ins Stolpern gerät. Als sich eine Wachstumsschwäche abzuzeichnen begann, gerieten die Papiere unter Druck; seit September letzten Jahres haben sie gegen 30 Prozent an Wert eingebüsst. Nicht dass es dem ­Betreiber von 3400 Läden in 23 Ländern – im Angebot sind Turnschuhe, Sneakers und Sport­be­kleidung – 2015 schlecht gelaufen wäre. Der Umsatz stieg um 3,6 sowie Ebit und Gewinn um je 16 Prozent. Eine Gewinnmarge von 8,2 Prozent ist in dieser Branche sehr gut. Aber eben, die Anleger sind noch höhere Wachstumsraten gewohnt. Auch die Resultate für die ersten drei Monate 2016 vermochten die Aktionäre nicht zu versöhnen. Obwohl Foot Locker 25 Quartale hintereinander höhere Umsätze und Gewinne meldete.

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Die Rückschläge beim Aktienkurs eröffnen neue Einstiegsmöglichkeiten. Denn die Valoren sind mit einem für dieses und das nächste Jahr geschätzten KGV von 12,8 respektive 11,6 günstig bewertet. Die 1974 in den USA gegründete Firma bleibt auf Expansionskurs. Gegenwärtig steht der Ausbau in Asien und Europa auf dem Plan. In der Schweiz wird eine Filiale nach der anderen eröffnet, die Verkäufer tragen auch hierzulande schwarz-weiss gestreifte Shirts.

Nimmersatt

Der Akquisitionshunger hat dem Flughafen-Shop-Betreiber Dufry zwar ein enormes Wachstum, doch auch eine Gewinnverwässerung sowie einen hohen Schuldenberg eingetragen. Das hat den Aktionären nicht gefallen; zwischen Juni 2015 und Februar dieses Jahres stürzten die Papiere um 35 Prozent ab. Seither jedoch schossen sie um über 40 Prozent in die Höhe. Woher die plötzliche Kraft? Am Ausweis für das erste Quartal kann es kaum liegen. Zwar nahm der Umsatz dank der Übernahme von World Duty Free (WDF) um 60 Prozent zu, der Bruttogewinn verbesserte sich um 68 Prozent. Doch Sondereffekte führten zu einem Verlust von 86 Millionen Franken; schon 2015 brachte tiefrote Zahlen. Wenig erfreulich auch, dass der Umsatz organisch um 5,2 Prozent zurückging.

Derweil macht CEO Julián Díaz (58) auf Optimismus. «Der Gewinn pro Aktie wird in der nahen Zukunft signifikant steigen», meinte der Spanier gegenüber «Finanz und Wirtschaft». Doch dahinter setze ich ein Fragezeichen. 3,9 Milliarden Franken Nettoschulden, ein schwacher Geschäftsgang in einigen Regionen oder die Integration von WDF ­drücken aufs Geschäft. Bedenklich finde ich, dass sich die Konzernführung satt bedient. Díaz erhielt im vergangenen Jahr insgesamt 7,7 Millionen Franken, VR-Präsident Juan Carlos Torres Carretero (67) wurden 4,1 Millionen gutgeschrieben. Die Aktionäre dagegen müssen am Daumen nuckeln, erhalten keine Dividende. «2017 wird sich das wahre Gesicht von Dufry zeigen», verspricht Díaz. Der Einstieg in die Aktien eilt also nicht.

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Gut geklebt

Der Mischkonzern Minnesota Mining and Manufacturing, besser bekannt unter dem Kürzel 3M, hält diverse Rekorde. So bietet die US-Firma nicht weniger als 55'000 Einzelprodukte an, hält mehr als 100'000 Patente und bezahlt seit bald einmal 100 Jahren eine Dividende, die seit 1958 jährlich erhöht wurde. Ihre bekanntesten Marken sind Scotch oder Post-it. Dabei ist 3M ein enorm breit aufgestellter Multi-Technologiekonzern, der in den Bereichen Industrie, Gesundheitswesen, Elektronik, Energie und Konsumgüter aktiv ist.

Zwar lahmen die Verkaufserlöse etwas, doch die Ertragssituation wird laufend verbessert. Im ersten Quartal blieb vom Umsatz gegen ein Viertel als Betriebsgewinn hängen, auch die Nettogewinnmarge kann sich mit 17,2 Prozent sehen lassen. CEO und Präsident Inge Thulin (62) setzt auf Forschung und Entwicklung; damit dürften die Margen auch in Zukunft erklecklich bleiben.

Nach einer mehrmonatigen Schwächephase haben die Aktien seit Ende Januar um über 20 Prozent zugelegt. Die Blue Chips sind mit einem KGV von 20,1 für dieses und 18,5 für das kommende Jahr zwar kein Schnäppchen, aber auch nicht überbewertet. Nach den jüngsten Kursgewinnen hat sich die Fantasie etwas abgekühlt. Dennoch eignen sich die Valoren für Anleger, die ein solides Investment suchen.

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