Noch im August notierten Nestlé auf dem historischen Höchstkurs von 79.85 Franken. Seither haben die Blue Chips nicht weniger als 15 Prozent an Wert verloren, während der Börsenindex SMI lediglich 5 Prozent einbüsste. 37 Milliarden Franken an Börsenkapitalisierung gingen verloren – innert zwölf Wochen.

Nun ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Nahrungsmittelgigant einen etwas enttäuschenden Geschäftsgang registriert. Für die ersten neun Monate wurde ein organisches Wachstum von 3,3 Prozent gemeldet - deutlich weniger als 4,2 Prozent wie einst für das Gesamtjahr prognostiziert. Erst recht weit entfernt ist Nestlé vom Zielkorridor von 5 bis 6 
Prozent. Dass es der Konkurrenz nicht viel besser ergeht, kann die Anleger nicht trösten. Erstaunlicherweise sind vor allem angelsächsische Institutionelle auf der Verkäuferseite zu finden.

Erst recht einen Kauf wert

Jetzt sind Nestlé für mich erst recht einen Kauf wert. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das nächste Jahr stellt sich auf 19,4. Und auf Basis einer zu erwartenden leichten Dividendenerhöhung rentieren die Valoren mit attraktiven 3,5 Prozent.

Ungeachtet der leichten Wachstumsschwäche ist dem Konzern eine rosige Zukunft zu beschei­nigen. Dafür sprechen die geografische Diversifikation, eine solide ­Finanzierung sowie führende Marktpositionen in margenstarken Wachstumsbereichen. Vielversprechend ist die Expansion in die ertragsreichen Gebiete Gesundheit und Wellness. Gerade den therapeutischen Nahrungsmitteln billigen Experten grosse Chancen zu. Der Ausbau wird Jahre dauern. Doch das neue Führungsduo, der Deutsche Ulf Schneider (51), der Anfang 2017 den Posten des Konzernchefs übernehmen wird, sowie der aktuelle CEO Paul Bulcke (62), der dann als Präsident des Verwaltungsrats nachrückt, wird die Expansion vorantreiben. Nestlé gehören in jedes Portfolio.

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Liebhaberaktien

Vor einem Jahr raste Ferrari an die New Yorker Börse. Das Interesse am kultigen Sportwagenbauer war hoch, obwohl der Ausgabepreis mit 52 Dollar satt angesetzt war; dieser entsprach einem KGV von 37. Nach einem Kavalierstart wars mit dem Geschwindigkeitsrausch Essig. Ferrari fuhr auf dem Pannen­streifen und verlor bis im Februar die Hälfte des Börsenwerts. Für Bremsspuren sorgte Sergio Marchionne, der sowohl bei Ferrari wie auch bei Fiat Chrysler (FCA) am Steuer sitzt.

Der 64-Jährige hatte sein schnellstes Pferd über den grünen Klee gelobt, Wochen später mussten die Prognosen gekappt werden. Für zusätzlichen Verkaufsdruck sorgte der Spin-off, bei dem FCA die restlichen 81 Prozent der Ferrari-Aktien an ihre ­Aktionäre verteilte. Viele der Beschenkten machten subito Kasse.

Im Sommer haben die Aktien wieder einige Gänge höher geschaltet und seither 40 Prozent gewonnen. Das Geschäft läuft nun besser als erwartet. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 8 Prozent, der Gewinn verbesserte sich überdurchschnittlich um mehr als ein Fünftel. Trotz des Gewinnfortschritts sind die Aktien mit einem KGV von 27 immer noch teuer. Zumal das Wachstum begrenzt ist; die Firma aus Maranello will den Ausstoss gering und damit die Exklusivität hoch halten. Auch ist die Autoschmiede jetzt auf sich alleine gestellt, kann also nicht mehr von den Vorteilen eines mächtigen Konzerns im Rücken profitieren. Ferrari sind Liebha­beraktien. Wer Performance will, sollte die Titel links liegen lassen.

Versicherte Gewinne

Monatelang wurden die Versicherungsaktien von Anlegern kaum beachtet. Die Branche leidet unter den rekordtiefen Zinsen; auf den Prämienbeständen lassen sich nur magere Renditen einfahren. Das stellt die Firmen vor kaum lösbare Probleme.

Dennoch erwachte im Sommer das Interesse an den Branchen­papieren neu. So legten Swiss Life gegen 30 Prozent zu. Die ­Börsianer zeigen sich mit dem ­Geschäfts­­­­­­­­­­­­verlauf zufrieden. Zwar erzielte der Lebensversicherer in den ersten neun Monaten im traditionellen Geschäft 9 Prozent weniger Einnahmen, dafür ­trugen die Beratungsdienste 2 Prozent höhere Kommissionen ein. Eine vom Management
forcierte Entwicklung, um die 
Abhängigkeit vom zinssensitiven Sektor abzubauen.

Zwar nicht allzu gut, aber besser als von Analysten erwartet läuft das Geschäft für Swiss Re. In den ersten neun Monaten fiel der Gewinn um 19 Prozent. Dennoch haben die Valoren über die letzten Wochen 15 Prozent zugelegt.

Doch wie bei Versicherungskonzernen generell steht auch bei Swiss Re nicht primär der Ertragsverlauf im Vordergrund. Vielmehr fragen sich die Investoren: Reichen die Gewinne für die Ausschüttung – oder sogar für eine Erhöhung? Denn Versicherungsaktien bieten nur wenig Kursfantasie, dafür schöne Dividendenrenditen. Bei Swiss Life rechnet Georg Marti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, mit elf Franken pro Titel, was eine Rendite von vier Prozent ergibt. Swiss Re offerieren auf Basis einer unveränderten, bereits zur Jahresmitte gesicherten Dividende sogar 5 Prozent.

Superrendite

Noch besser steht Zurich Insurance da: Abgestellt auf die Ausschüttung per 2015, bieten die ­Aktien eine Bruttorendite von beachtlichen 6,5 Prozent. Doch auch bei der «Zürich» hapert es mit den Geschäften; im vergangenen Jahr ist der Reingewinn um die Hälfte geschmolzen. Seither diskutieren Finanzjournalisten und Analysten darüber, wie stark die Ausschüttung für 2016 wohl gekappt werden muss.

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Muss sie das? Kaum jemand hat damit gerechnet, dass der Versicherungskonzern für die ersten neun Monate weitaus bessere Resultate liefert als erwartet. Denn nach Sanierungs- und Restrukturierungsmassnahmen zeigt sich die Nummer eins wieder besser im Schuss. So stieg der Betriebsgewinn um 36 Prozent, der Reingewinn verbesserte sich wegen der Umbaukosten unterdurchschnittlich um 11 Prozent.

Der seit März als CEO in Amt und Würde stehende Mario Greco (57) hat neuen Zug in den Erstversicherer gebracht. Dieser Tage will der Italiener mehr Informationen zu Neustrategie und Ausschüttungspolitik liefern. Doch sogar wenn die Dividende auf 14 Franken gekürzt werden sollte, rentieren die Papiere immer noch mit 5,4 Prozent. Und dies, obwohl die Titel seit dem Frühjahr 33 Prozent zugelegt haben.