Den Ritterschlag als Unternehmer hat Jean-Paul Clozel dieser Tage erhalten. Er schaffte es als einziger Schweizer Manager in die Liste «The Best-Performing CEOs in the World» der «Harvard Business Review». Der Gründer, Lenker und Fünf-Prozent-Aktionär von Actelion belegte Rang 59. Doch nicht wenige Aktionäre würden diese Auszeichnung dem 61-Jährigen am liebsten aberkennen. Denn die Aktien, jahrelang die Stars unter den SMI-Titeln, sind 
in den letzten Wochen um 15 Prozent abgestürzt.

Das vermag zu erstaunen. Denn das Baselbieter Biotechunternehmen hat jüngst überzeugende Zahlen vorgelegt: In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 17, der Gewinn sogar um 29 Prozent. Worauf die Jahresprognosen angehoben wurden – zum dritten Mal in diesem Jahr. Woher also die Formschwäche?

Analysten schieben Gewinn­realisationen als Grund vor. Das ist angesichts der langjährigen Hausse nicht falsch. Doch eine grössere Rolle spielt, dass dem Lungen­medikament Tracleer nach Ablauf des Patentschutzes zunehmend die Luft ausgeht.

Zwar macht das Nachfolgeprodukt Opsumit Boden gut, und auch Uptravi entwickelt sich gut. Doch Actelion hat es nicht geschafft, ausserhalb des Lungenhochdruckbereichs ein Medikament mit Absatzpotenzial zu lancieren. Zwar befinden sich mehrere Produkte in der Pipeline, doch bis zur Marktreife verstreicht viel Zeit. Auf lange Sicht bin ich positiv gestimmt für Actelion. Vorderhand jedoch bleiben die Aktien unter Druck. Zumal sie mit einem für nächstes Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 19 nicht billig sind.

Teure Qualität

Zu den stillen Stars an der Schweizer Börse gehören Temenos. Die Aktien haben sich über die letzten vier Jahre im Wert mehr als versechsfacht, jüngst markierten sie einen historischen Höchstkurs. Das kommt nicht von ungefähr. Jahrelang litt der führende Anbieter sogenannter Kernbankensoftware – diese wird im Front- und Backoffice eingesetzt – unter den Nachwirkungen der Finanzkrise, die Banken hielten sich bei System­erneuerungen zurück. Doch seit zwei Jahren geht es stramm aufwärts. In diesem Jahr brachte das dritte Quartal dank neuen, kapitalkräftigen Bankkunden starke Umsatz- und Ertragszuwächse.

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Auch die Aussichten sind erfreulich. «Die Pipeline für 2017 
ist sehr stark», sagt CEO David Arnott (47). Zu erwarten sind also weitere grosse Aufträge. Zudem steht bis zu einer Milliarde für ­Akquisitionen zur Verfügung. Da bleibt noch einiges übrig für ein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 100 Millionen.

Bei Temenos stimmt einfach alles – und das hat längst auch die Börse gemerkt: Die Aktien weisen für 2017 ein geschätztes KGV von saftigen 29,9 auf, 2018 sieht es mit 25,3 nur minim besser aus. Die 
Papiere sind mir zu teuer, Erfolgsgeschichte hin oder her. Wer dennoch einsteigen will, soll das nur auf einen Zeithorizont von mindestens drei Jahren machen. Einer ist immer noch heiss auf Temenos: Martin Ebner (71) hat seine Beteiligung auf 15,8 Prozent ausgebaut.

Ertragsperle

Der US-Technologiekonzern Apple kann sich fürwahr nicht über einen Mangel an medialer Aufmerksamkeit beklagen. Nur sind die Schlagzeilen wenig schmeichelhaft, seit die EU die Firma dazu verdonnert hat, in Irland 13 Milliarden Euro an Steuern nachzuzahlen. Auch über den Geschäftsgang gibt es wenig Erfreuliches zu berichten. Im per Ende September abgeschlossenen Jahr 2015/16 sanken die Verkaufserlöse um 7,7 Prozent – der erste Umsatzrückgang seit 15 Jahren. Der Gewinn fiel um 14,6 Prozent. Apple geht es schlechter – auf sehr hohem Niveau.

Auch wenn Umsatz und Gewinn nicht mehr wachsen: Der Konzern bleibt höchst erfolgreich. Für einen anhaltend hohen Absatz der Paradeprodukte wie iPhone, iPad oder Mac-Computer sorgt eine treue Kundschaft. Trotz den jüngsten Einbussen glänzt die Firma mit tollen Kennziffern: Die Ebit-Marge stellt sich auf 27,8 Prozent, gut jeder fünfte Dollar an Umsatz bleibt als Reingewinn hängen. Kommt dazu, dass viele Analysten neues Wachstum erwarten. Steven Milunovich von der UBS prognostiziert für das laufende Geschäftsjahr 6,4 und für nächstes Jahr elf Prozent mehr an Verkäufen.

Für mich sind die Aktien der Amerikaner ein Kauf. Nach langer Talfahrt haben sich die Valoren seit Mai wieder erholt und bislang ein Viertel an Wert zugelegt. Dennoch bieten die Papiere mit einem geschätzten KGV von 12,6 weiteres Kurspotenzial. Und wer weiss: Vielleicht gelingt es Apple-Chef Tim Cook (56) ja eines Tages, mit einer weiteren, bahnbrechenden Innovation aufzutrumpfen.

Ende Feuer

Wenn dieser Tage die Medien über Apple schreiben, taucht auch der Name des Konkurrenten Samsung auf. Allerdings in negativem Kontext. Der südkoreanische Vorzeigekonzern wollte mit seinem Note 7 dem iPhone aus dem Hause Apple endlich ein ebenbürtiges Smartphone gegenüberstellen. Ein Vorhaben, das sich in Rauch auflöste; Akkus des Handys fingen Feuer, Samsung zog die Reissleine und stellte die Produktion ein. Das De­s­aster hat sich das Management unter CEO Shin Jong-Kyun (60) selbst zuzuschreiben. Note 7 wurde auf den Markt geworfen, obwohl es noch gar nicht marktreif war. Nun brennt auch die Erfolgsrechnung. Im dritten Quartal fiel der Umsatz um 7,5 Prozent, der Gewinn brach um 17 Prozent ein.

Die Aktien verloren 10 Prozent, erholen sich seither aber rasch. Viele Analysten empfehlen denn auch trotz des Handydebakels die Papiere zum Kauf. Zwar werden die nächsten zwei Quartale weitere Gewinneinbussen bringen. Doch die mittelfristigen Aussichten des mächtigen Konglomerates sind sehr gut. Die Handysparte ist nur eines von vielen Geschäfts­feldern wie Fernsehern oder Tablets, Haushaltgeräten, Halbleitern, Chips, Versicherungen, Hotels, Freizeitparks, Werften, Biotechfirmen und vielen mehr.

Die UBS prognostiziert für die nächsten zwei Jahre einen Gewinnfortschritt von 16,7 respektive 19,2 Prozent. Daraus lassen sich für die Aktien der Südkoreaner attraktive KGVs von 9,9 für 2017 und 8,1 für das folgende Jahr errechnen. Buy, empfiehlt die UBS. Ich halte mich da noch zurück. Denn in Brand gesetzt wurde auch das Image von Samsung. Und das dürften die Anleger nicht so schnell vergessen

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