Die Aktienmärkte werden dieser Tage kräftig durcheinandergerüttelt. Allerdings glaube ich nicht, dass dies bereits die grosse Korrektur ist – die steht uns noch bevor. Dennoch ist es Zeit, vermehrt auf Firmen zu setzen, die wenig konjunkturabhängig sind. Dazu zähle ich Givaudan. Der Weltmarktführer für Aromen und Riechstoffe liefert, von ­wenigen Ausnahmen abgesehen, Jahr für Jahr bessere Resultate. Und Jahr für Jahr wird die Dividende erhöht, aktuell bereits zum vierzehnten Mal – in Folge, ­notabene. CEO Gilles Andrier (54) will alles versuchen, um die Ausschüttung weiterhin jedes Jahr zu erhöhen.

Die Aussichten dazu sind gut. Obwohl das laufende Jahr kaum überwältigende Resultate bringen dürfte. Die Frankenstärke belastet auch Givaudan; Umsatz und Ertrag von 2014 werden mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht erreicht. Immerhin lag das Umsatzwachstum von 0,4 Prozent im ersten Quartal 2015 über den Erwartungen der Analysten. Wachstums­treiber waren einmal mehr die Schwellenmärkte.

Längst sind auch Grossinvestoren aus Übersee auf den Konzern aus Vernier GE aufmerksam geworden. So hält Bill Gates, der dank Microsoft zu einem Vermögen von 80 Milliarden Dollar gekommen ist, über seine William H. Gates III Foundation 13,9 Prozent der Aktien, Gegenwert: 2,2 Milliarden Franken. Und was für Gates recht ist, kann für den Privat­investor eigentlich nur billig sein. Doch weil die Titel beliebt sind – über die ­letzten drei Jahre hat sich der Wert verdoppelt –, weisen sie ein stolzes ­Kurs-­Gewinn-Verhältnis von 25,6 auf. Vorüber­gehend schlechte Zahlen könnten heftige Verkäufe auslösen. Givaudan sind attraktiv, allerdings nur auf lange Sicht. Es lohnt sich, mit dem Einstieg ­zuzuwarten, bis sich die Verwerfungen an den Börsen gelegt haben.

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Keine Leuchte

«Wer Zeit und etwas Mut aufbringt, sollte auf Philips setzen», schrieb ich vor gut einem Jahr. Seither haben die Kurse heftig ausgeschlagen, im Jahresvergleich aber notieren die Aktien unverändert. 2014 war ein Rückschlag für den von CEO Frans van Houten (55) skizzierten Marschplan einer baldigen Besserung; der Umsatz ging zwar nur leicht zurück, doch brachen das Ebit um drei Viertel und der Gewinn um zwei Drittel ein. Im Auftaktquartal dieses Jahres haben die Verkäufe zwar deutlich ­zugelegt, die Ertragslage hat sich jedoch nochmals verschlechtert.

Die Gewinneinbusse wird vom niederländischen Elektronikkonzern unter anderem auf die Kosten für die geplante Aufspaltung zurückgeführt. Bekanntlich will Philips die Lichtsparte abspalten und in einem Jahr an die Börse bringen. Das Vorbild dazu liefert die Abspaltung von Osram durch Siemens. Seit der ­Kotierung im Sommer 2013 haben Osram über 50 Prozent zugelegt. Philips konzentriert sich nach der Aufteilung auf die Sparten Medical Systems und Consumer Lifestyle, die auf rund 15 Milliarden Euro Umsatz kommen. Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Die Philips-Valoren benötigen Zeit und Risikofreude.

Neues Leben

Lange Zeit das Mass aller Dinge bei Mobiltelefonen, hat Nokia vor einer Dekade die Entwicklung bei den Smartphones verschlafen, wurde von Apple und Samsung an die Wand gedrückt. Die Aktien des finnischen Unternehmens schmierten bis im Sommer 2012 um 94 Prozent ab. Seither wurstelt sich die Firma durch. Smartphones der Marke Nokia gibt es zwar noch, doch dieses Kerngeschäft wurde von Microsoft übernommen. Heute ist der Konzern, seit einem Jahr vom Inder Rajeev Suri (47) dirigiert, vorwiegend als Ausrüster drahtloser Netzwerke tätig.

Mitte April sorgte Nokia wieder für Schlagzeilen. Überraschend wurde bekannt gegeben, dass man den französischen Konkurrenten Alcatel-Lucent für 15,6 Milliarden Euro übernehmen wolle. Die Gespräche befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Während die Nokia-Valoren ein Viertel an Wert verloren, schossen Alcatel zuerst hoch, um dann ebenfalls zu tauchen. Das Misstrauen der Börse ist verständlich. Alcatel-Chef Michel Combes (53) hat zwar dem Konzern ein Fitnessprogramm verschrieben, die Franzosen steuern wieder profitablere Gewässer an. Auch ergänzen sich die beiden Firmen bestens. Nur herrscht im Markt seit Jahren ein harter Verdrängungswettbewerb. Vor allem Chinas Konzerne Huawei und ZTE drücken in Europa auf die Preise.

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Es ist erfreulich, dass Nokia wieder Lebenszeichen von sich gibt. Auch die Aktien der Finnen erscheinen in einem positiveren Licht, viele Analysten raten zum Kauf. Ich warte einmal zu, bis sich geklärt hat, ob es wirklich zum Zusammenschluss kommt.

Endlos-Umbau

Seit bald einmal zehn Jahren wird bei Valora umstrukturiert, die Strategie neu ausgerichtet, Firmen werden versilbert, andere dazugekauft. Und die Topmanager geben sich die Türklinke in die Hand. Alleine die Deals ­der vergangenen zwei Jahre sind auf­sehenerregend: Abgestossen wurden der Pressevertrieb und die Warenlogistik, zum Verkauf steht die Division Trade, der Vertrieb von Markenartikeln. Akquiriert wurden dafür der Westschweizer Kiosk­betreiber Naville, der Laugenbäcker Ditsch/Brezelkönig oder die deutsche Kioskkette Convenience Concept. Nur war bislang kein Erfolg festzustellen; der Umsatz ging über die letzten drei Jahre um 31 Prozent zurück, das Ebit brach um 57 Prozent ein, und vom Gewinn blieben 2014 Krümel übrig. Diese Entwicklung spiegelt sich im Aktienpreis: Seit vier Jahren hängt der Kurs bei 220 Franken fest.

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Gemäss CEO Michael Mueller (43), der es seit 18 Monaten als Chef versucht, sei das Ende des Umbaus in Sicht. Es ist durchaus möglich, dass die neue Strategie – Rückzug aus dem Grosshandel, Konzentration auf den kleinflächigen Detailhandel – greift. Doch bei Valora wurde zu oft das Blaue vom Himmel versprochen. Bevor ich auch nur im Entferntesten an einen Kauf der Valoren denke, muss das Muttenzer Unternehmen mehrere Quartale lang bessere Zahlen liefern – und zwar deutlich bessere. Das Einzige, was mir an den Aktien gefällt, ist die saftige Dividendenrendite von 6,0 Prozent. Nur steht es in den Sternen, ob die Ausschüttung gehalten werden kann.

Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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