Mit dem Slogan «Schrei vor Glück» wurde Zalando auch in der Schweiz bekannt. Das 2008 von David Schneider (33) und Robert Gentz (31) in Berlin gegründete, von Rubin Ritter (33) geführte Unternehmen ist ein Online-­Versand­händler für ­Schuhe und Mode. Das Geschäfts­modell kommt an: Im vergangenen Jahr belieferten 9000 Mitarbeiter 16,4 Millionen Kunden, die für 2,2 Milliarden Euro einkauften. Und erstmals fiel ein Gewinn an – wenn auch nur auf operativer Ebene. Im laufenden Jahr hat sich das Wachstum ­fortgesetzt, im dritten Quartal stiegen die Verkäufe um gut 40 Prozent. Nur ist Zalando erneut in die roten Zahlen gerutscht.

Das Management hat den Ertrag dem Wachstum untergeordnet – eine risikoreiche Strategie. Denn je länger keine anständigen Gewinne anfallen, desto schneller verlieren die Aktionäre ihre Geduld. Margenkiller Nummer eins ist der grösste Trumpf von Zalando: Die Firma lockt mit einem breiten Modeangebot, rascher Lieferung – und kostenloser Rücksendung bei Nichtgefallen. Die Rücksendungsquote liegt, gemessen am Umsatz, bei gewaltigen 50 Prozent. Das Management will unbedingt an den kostenlosen Retouren festhalten. Denn sobald die Kunden für die ­Rücksendung bezahlen müssen, ­fallen die Umsätze zusammen. ­Zalando ist im eigenen (Erfolgs-)Modell gefangen.

Das Unternehmen ging vor Jahresfrist an die Börse. Die anfängliche Euphorie hat sich rasch gelegt. Möglich, dass Zalando eine zweite Amazon wird. Allerdings dürfte das rasante Wachstum die Gewinne noch auf längere Zeit hinaus auffressen. Die Mehrheit der Finanzanalysten empfiehlt die Aktien zum Kauf. ­Dagegen halte ich mich lieber an Blue Chips, die bessere Ertragsaussichten sowie eine schöne Dividenden­rendite ­bieten – und dies bei geringeren Risiken. Da schreie ich vor Glück.

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Teures Pferd

Der Finanzjongleur Werner K. Rey sorgte damit für Furore, Conzzeta hat es jüngst mit Erfolg durchgezogen, Credit Suisse will es bald machen: Konzernteile abspalten und separat an die Börse bringen. Das kann in die Hose gehen wie bei Rey oder – relativ – erfolgreich sein wie bei Conzzeta mit der Immobilienfirma Plazza.

Höchst zufrieden ist wohl Sergio Marchionne: Der oberste Lenker bei Fiat Chrysler Automobiles hat jüngst sein Paradepferd Ferrari an die Börse gefahren – mit rasendem Erfolg. Obwohl die Aktien an der oberen Zeichnungsspanne ausgegeben wurden, schossen sie anfänglich auf bis zu 60 Dollar hoch. Damit war Ferrari mit gut elf Milliarden bewertet. Auf die letztjährige Produktion von 7255 Edelkarossen umgelegt, entspricht dies 1,5 Millionen Dollar pro Fahrzeug – ein stolzer Preis für das springende Pferd. Für mich etwas zu stolz. Die Analysten tun sich schwer damit, den legendären Autobauer zu bewerten. Auf Basis des letztjährigen Gewinns wird Ferrari mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von weit über 30 bewertet. Da müsste die Zukunft gewaltige Gewinnzuwächse bringen.

Einen Ferrari als Auto kann, die Aktie will ich mir nicht leisten. Wenn schon halte ich mich lieber an Fiat Chrysler. Die Ferrari-Mutter ist in ­flottem Tempo unterwegs, im ersten Halbjahr sind Umsatz und Ebit um 22 respektive 74 Prozent gestiegen. Die Papiere weisen für 2015 ein KGV von 14,9 auf, im nächsten Jahr stellt sich die Kennzahl sogar auf knapp unter 10.

«Asiatische Grippe»

Nach den Anschlägen in Thailand von Mitte August kündigte DKSH an, die Auswirkungen auf das Unternehmen zu untersuchen. Die jüngst veröffentlichte Analyse tönt beruhigend. So hätten «die Terroranschläge nur begrenzte Auswirkungen auf DKSH». Die langfristigen Wachstumstreiber in Asien blieben intakt, man sei zuversichtlich, «ein nachhaltiges Umsatz- und Gewinnwachstum 2016 und in den Folgejahren zu erzielen».

Die Anleger sehen das im Gegensatz zu CEO Jörg Wolle nicht so locker; die Aktien sind seit August um gegen 20 Prozent eingebrochen. Auch die Analysten geben sich weniger zuversichtlich als auch schon – was ich nachvollziehen kann. Das Unternehmen, ein Dienstleister für Marktexpansion mit Schwerpunkt Asien, spürt die Probleme weitaus stärker, als man dies eingestehen will. Denn nicht nur in Thailand, wo DKSH über ein Drittel der Verkäufe generiert, sondern auch in Malaysia und Singapur (21 Prozent des Umsatzes) sowie in Greater China (30 Prozent) leidet der Geschäftsgang. Damit sind 85 Prozent des Umsatzes von der «asiatischen Grippe» angesteckt.

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Für dieses Jahr erwartet das Management «einen Nettoumsatz und Gewinn im Rahmen des Vorjahres». Längerfristige Aussagen wagt die Führung nicht, doch zeigt man sich (zweck)optimistisch. Einige Analysten dagegen haben die Ertragsprognosen zurückgeschnitten. Das durchschnittliche KGV für 2016 stellt sich auf knapp 20, was wenig berauschend ist. Mittelfristig bin ich zwar zuversichtlich für DKSH. Vorderhand lasse ich die Titel aber links liegen.

Brummi-Rennen

Starke Zahlen für die ersten drei Quartale 2015 abgeliefert hat der Logistikdienstleister Kühne + Nagel. Zwar schrumpfte der Um-satz wegen negativer Währungs­effekte um 4,4 Prozent. Dafür legte der Reingewinn um 6,7 Prozent zu. «Die Resultate der ersten neun Monate bestätigen unsere Marktstrategie, die Gruppe fährt auf der richtigen Spur», meint dazu CEO Detlef Trefzger (53). Eher auf dem Pannenstreifen fährt dagegen Konkurrent Panalpina. Der Um­satz ging in derselben Periode um elf Prozent zurück, während der Gewinn minim zunahm. Probleme zeigen sich vor allem im Bereich Luftfracht, wo die harzig laufende Erdöl- und Gasindustrie das Geschäft belastet. Konzernchef Peter Ulber (55) bleibt nichts anderes übrig, als ­weiter an der Kostenschraube zu drehen und die Produktivität zu steigern.

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Trotz unterschiedlichem Geschäftsgang sind die Aktien beider Unternehmen keine Tempobolzer. Während Kühne + Nagel im Vergleich mit Anfang 2015 unverändert zu Buche stehen, haben Panalpina 16 Prozentpunkte an Wert eingebüsst. «Für meinen Geschmack ist einfach zu wenig Drive in den Papieren der Transporteure», habe ich vor Jahresfrist geschrieben. An dieser Einschätzung halte ich fest. Zumal beide Valoren mit einem für dieses Jahr geschätzten KGV von je gut 24 zu teuer sind.

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