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Berufsbildung
Bitte mehr Wertschätzung für die höhere Lehre

Das Swiss Team belegte an der Berufs-Weltmeisterschaft im Juli 2013 in Leipzig in der Nationenwertung den 2. Gesamtplatz

Der Schweizer Dachverband der Weiterbildung fordert angemessene Anerkennung der Titel. Der Absolventenverband Höherer Fachschulen hofft auf gleich lange Spiesse – per neues Gesetz.

Von Norman C. Bandi
am 28.08.2013

Was junge Schweizer Berufsleute zu leisten imstande sind, haben 39 von ­ihnen eindrücklich demonstriert. An der Berufs-Weltmeisterschaft in Leipzig haben sie abgeräumt und 17 Medaillen gewonnen.

Die besten zehn Nationen an der Berufs-Weltmeisterschaft 2013

Trotzdem fristet ihre Ausbildung hierzulande ein Schattendasein, wie Rudolf Strahm bemängelt. Der Präsident des Schweizer Dachverbands der Weiterbildung SVEB erklärt: «Unsere Titel sind zwar in den einzelnen Branchen und Betrieben bekannt. Aber sie haben nicht die angemessene Wertschätzung.» Vor allem nicht in den Grossunternehmen, in denen oft ausländische Manager tätig seien, die das hiesige Berufsbildungssystem meist nicht kennen würden. «Ein Absolvent einer Höheren Fachschule HF oder einer Berufs- oder Fachprüfung der Schweiz kann mehr als ein Bachelor einer ausländischen Hochschule.» Strahm doppelt nach: «Die mangelnde Anerkennung der Abschlüsse der höheren Berufsbildung ist die grösste Schwäche in unserer Weiterbildungslandschaft.»

Als Sprachrohr der FH-Diplomierten positioniert sich der Absolventenverband Odec, der für seine über 3700 Mitglieder auch in Bundesbern lobbyiert – neu vertreten durch seinen Beirat Peter Schilliger, der letztes Jahr als Luzerner FDP-Natio­nalrat die Nachfolge des verstorbenen Otto Ineichen angetreten hat. Als solcher ist er Mitglied der Wissenschafts- und Bildungskommission. «Hier kann ich meine eigenen Erfahrungen als ­HF-Absolvent einbringen und darauf hinwirken, dass die Fahne für diese Lehrgänge in einem kleinen Kreis von Nichtakademikern hochgehalten wird.» Schilliger will dafür sorgen, dass die Aus- und Weiterbildungsleistung der 170 Höheren Fachschulen besser wahrgenommen wird. «Wir zählen dabei auf unsere Absolventen, also auf die Ohr-zu-Ohr-Propaganda, und vor allem auf die Arbeitgeber, die gute Erfahrungen mit ihnen machen.»

Besondere Bedeutung kommt bei der Vermarktung der Praxisbezug der Berufsbildung zu. Doch davon sprechen nicht nur Höhere Fachschulen, sondern auch Fachhochschulen und Universitäten. «Klar betonen alle Bildungsinstitutionen den Praxisbezug. Das ist heute unabdingbar, wenn Ausbildungsangebote – egal auf welcher Stufe – gemacht werden», weiss Peter Schilliger, «aber bei uns ist dieser Bezug viel enger.» Das HF-Rüstzeug könne man quasi als «von der Werkbank auf die Karriereleiter» bezeichnen.

Erwartungen hat der Odec-Beirat an das neue Weiterbildungsgesetz, dessen zweiter Entwurf im Herbst im Parlament in Bern beraten wird. Schilliger: «Wir erhoffen gleich lange Spiesse für akademische und nichtakademische Modelle».

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