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Einstiegssaläre: Talentwettbewerb trotz Kostendruck

Geistes- und Sozialwissenschaften: 43 874 Studierende an Universitäten, davon 29 129 weiblich respektive 9469 ausländisch.

Was die regen Diskussionen um Chefgehälter dominiert, betrifft immer mehr die beruflichen Neueinsteiger. Die Lohnschere zwischen Nicht-akademikern und Absolventen hat sich 2012 weiter geöffnet.

Von Robert Wildi
am 05.12.2012

Wer hat, dem wird noch mehr gegeben. Glückliches Jahr 2012 für alle beruflichen Neueinsteiger in der Schweiz, die einen Lebenslauf mit Hochschulabschluss auf Bachelor- oder Master-Stufe und vorzugsweise einen Doktortitel vorweisen können. Ob im Pharma- und Gesundheitswesen, in der Hightech- und Informatik- oder allen übrigen Industrien: Die Musterschüler unter den Neo-Akademikern sind besonders gefragte Personen, werden immer intensiver direkt ab Universität oder Fachhochschule angeworben und erhalten fast durchs Band ein Einstiegssalär, das teilweise deutlich über dem Niveau des Vorjahres liegt. So weist es die alljährlich in ganz ­Europa ­erhobene Gehaltsstudie zu den Einstiegssalären von Hochschulabsolventen des global tätigen Beratungs­unter­neh­mens­ Towers Watson nach.

Ganz konkret: Ein Absolvent mit Master erhielt heuer in der Schweizer Pharma- oder Medizinbranche einen Jahresvertrag mit Startlohn zwischen 85547 und 98147 Franken. In der Erhebung aus dem Vorjahr bewegte sich die Bandbreite für das identische Profil zwischen 84660 und 93970 Franken. Noch besser verdienen Einsteiger mit zusätzlichem Doktortitel. Ihr Startsalär in einem Pharma- oder ­Medizinberuf betrug heuer bis 108 506 Franken. Im Vorjahr war für die bestverdienenden Einsteiger bei 106 350 Franken das oberste Limit erreicht. In den anderen von der Erhebung untersuchten Branchen sieht das Bild fast identisch aus.

Bis 4000 Franken mehr in Lohntüte

In der Kategorie «Industrie generell» erhielten Schweizer Absolventen mit ­Master oder Doktortitel in diesem Jahr ­Arbeitsverträge mit Startlöhnen bis zu 97715 respektive 105568 Franken. Sie ­haben im ersten Jahr 2000 bis 4000 Franken mehr auf die Seite legen können als ihre Kollegen, die den Berufseinstieg am selben Ort im letzten Jahr vollzogen ­haben. Auch doktorierte Ökonomen und Wissenschafter konnten heuer mit ihren Anfangssalären in derselben Grössenordnung zulegen. Ebenso ist der Lohnsprung in der Kategorie «Industrie Hightech» ­feststellbar, zu der auch die Informatikbranche gehört. Master haben hier in diesem Jahr Erstsaläre bis zu 98 578 Franken bezogen – gegenüber Maximallöhnen von 95 870 Franken im Vorjahr.

Was die Akademiker freut, wird stückweit auf dem Buckel der weniger gebildeten Berufseinsteiger ausgetragen. Denn bei ihnen haben die Unternehmen im Jahr 2012 Lohnkosten eingespart. So verdiente ein Neuangestellter ohne Hochschulbildung heuer in einem Schweizer Industrie-betrieb minimal 56 660 Franken. Noch im letzten Jahr gab es für die Einsteiger keine Saläre unter 57100 Franken. In den Hightech-Firmen mussten die am schwächsten verdienenden Nichtakademiker sogar ­einen Rückgang des Jahreslohns von 55 260 auf 54 077 Franken hinnehmen. Wenigstens auf dem gleichen Gehalts­niveau wie im Vorjahr konnten sich die Einsteiger im Pharma- und Medizin­be­reich halten.

Die zunehmend weiter auseinanderklaffende Lohnschere selbst bei Berufseinsteigern ist für Carl Walinski, Manager bei Towers Watson in Frankfurt, keine Überraschung. «Die Erklärung dafür ist eine Kombination aus Angebot und Nachfrage einerseits und Kostendruck anderseits.» Die Unternehmen konkurrieren unerbittlich um die besten Talente, um mit ihnen erfolgskritische Funktionen und Positionen zu besetzen. Dabei müssen sie die Wettbewerber überbieten und sind offenbar bereit, dafür immer mehr Geld auszugeben. Dieses Geld muss in Anbetracht des anhaltenden und vielerorts ständig steigenden Kostendrucks an anderer Stelle eingespart werden. «Das wird zum Teil durch niedrigere Saläre bei weniger wichtigen Funktionen, wie zum Beispiel im Support-Bereich, ­erreicht», so Walinski.

Schweiz profitiert von Schuldenkrise

Im internationalen Vergleich bewegen sich berufliche Neueinsteiger in der Schweiz weiterhin auf der Sonnenseite. Obschon Towers Watson die detaillierten Zahlen aus dem europäischen Umland gegenüber hiesigen Medien nicht mehr preisgeben möchte, sei die Lohndifferenz zugunsten von Schweizer Berufseinsteigern nochmals gewachsen, wie Carl Wa­linski einräumt. «Man muss hier aber klar unterscheiden zwischen den konjunkturell stärkeren und den kriselnden Euro-Ländern», fügt er an. Anders als etwa in Italien, Spanien oder auch Frankreich ­seien die Einstiegssaläre in Deutschland im Verhältnis zur Schweiz nicht weiter ­gesunken. «Das gilt im Speziellen für Fachspezialisten mit akademischem Abschluss.» An das Schweizer Niveau kommen aber auch die Deutschen nicht heran.­

Kein Wunder, dass der Anteil der ausländischen, nicht zuletzt deutschen Fachkräfte bei Neueinstellungen in hiesigen Unternehmen seit Jahren wächst. Auch diese Erkenntnis liefert die Gehaltsstudie 2012 von Towers Watson.

Jahresgehälter in der Schweiz nach Branchen und Abschlüssen (Klicken für Vergrösserung)


 

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