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Freizeitprojekt als Konkurrenz zu Skype & Co.

Komfortable Alternativen zum Datenaustausch sind gesucht - auch auf Facebook. (Bild: Keystone)

«Kick a file» ist eine Facebook-App zum Transfer von Dateien. Lässt sich aus dieser Idee ein Startup bauen?

Von Jan Rothenberger (startwerk.ch)
am 04.06.2012

Kick a file ist eine Facebook-App, die den Austausch von Dateien bis zu einer Grösse von einem Gigabyte ermöglicht. Die Verwendung ist einfach: Nach der Autorisierung der App kann der Nutzer einen seiner Kontakte als Empfänger auswählen, der daraufhin eine Einladung zur App erhält. Nach dem Akzeptieren wird die Datei entweder direkt übertragen – sofern beide Nutzer online sind -, oder kann auf dem Server für 24 Stunden zwischengelagert werden. In beiden Fällen hat Facebook keinen Zugriff auf die Datei.

Kick a file ist ein Nebenprojekt von BlankPage-CEO Boris Stock (Gründerfragerunde). Der Software-Entwickler, der seit vergangenem Jahr das Zürcher Startup leitet, begann im November 2011 mit dem Real Time Media Flow Protocol (RTMFP) von Adobe zu experimentieren. Das Protokoll erlaubt direkte P2P-Verbindungen zwischen Flash-Clients und eröffnet so die Möglichkeit, über Facebook-Apps Transfers zu realisieren.

In der Freizeit entwickelt

Zwar ist es so, dass an Diensten zum Austausch von Dateien kein Mangel besteht. Skype, Dropbox, Yousendit und Co. bieten zahlreiche Möglichkeiten zum Transfer von Daten. Der Einrichtungsaufwand ist aber gerade für Gelegenheitsnutzer nicht attraktiv. Da macht es Sinn, eine besonders komfortable Alternative anzubieten, die auf der Facebook-Plattform aufsetzt und keine Installationen notwendig macht. Aber reicht dieser Convenience-Vorteil, um aus der App ein Business zu machen?

Im März stellte Boris Stock die in seiner Freizeit programmierte Anwendung fertig und begann, sie über Facebook-Ads zu bewerben. Seine Motivation für die Entwicklung bestand darin, die technischen Möglichkeiten von RTMFP auszuloten. Ob er die Idee nun zum eigenen Venture ausbauen will, ist für Boris noch nicht klar. Bisher halten sich die Nutzerzahlen in Grenzen. Sollten diese aber in den kommenden Monaten die Tausendergrenze knacken, will er das Nutzerverhalten evaluieren und Massnahmen zur Monetarisierung testen. Denkbar wären Werbung oder eine Premium-Version, für die Facebook-Credits anfallen.

Dass andere an eine solche Geschäftsidee glauben, zeigt die Konkurrenz für Kick a file von vergleichbaren Facebook-Apps; etwa dem US-amerikanischen Dienst filefly oder dem Berliner Startup Pipe (zurzeit in einer private beta), das der startwerk-Schwesterblog netzwertig.com vor kurzem vorgestellt hat.

Evolution eines Geschäftsmodells

Erster Knackpunkt ist in jedem Fall das Besucherwachstum. Ob Boris sein Projekt weiterführt, wird sich daran entscheiden. Der Startupper hat aber auch so genug zu tun mit seinem bestehenden Unternehmen: Das 2007 gegründete Zürcher Startup BlankPage bietet ePublishing als Dienstleistung an. BlankPage baut Readerapps für das Web, iOS und Android, die via integriertes Paymentsystem den Vertrieb von Inhalten ermöglichen. Am endgültigen Produktlineup bastelt das Startup zurzeit noch, bis im Juni 2012 soll es aber stehen: ein dreistufiges Saas-Angebot, das ePublishing für unterschiedliche Bedürfnisse anbietet – ein kostenloses, limitiertes Angebot für Kleinverlage, eine featuremächtigere Enterprise-Version und eine Zwischenvariante.

Diesen runden Businesscase gab es nicht von Anfang an, tatsächlich ist das jetzige Unternehmen das Produkt einer dauernden Evolution. Das initiale Konzept des Startups war Lernsoftware für Entwicklungsländer, die auf speziellen Billig-Laptops laufen sollte. Richtig zum Fliegen kam die Produktidee allerdings nie: Das Startup hatte Mühe mit den langen Entscheidungsprozessen und den politischen Überlegungen, die in die Auftragsvergabe hineinspielten.

Blankpage machte daraufhin den radikalen Schwenk hin zu Publishing-Diensteistungen. Bald landete das Startup interessante Aufträge, etwa «Das Magazin» der Tamedia oder den «Sonntagsblick» von Ringier. Auch hier sei es aber schwierig gewesen, den finanziellen Atem für langwierige Evaluierungen der Kunden aufzubringen, sagt Boris. Hinzu kam das zum Teil monatelange Zittern um einzelne Grossaufträge. 2011 beschloss man darauf, mit der vorhandenen Technologie ein anderes Angebot zu bauen. Die Idee: durch Standardisierung und Automatisierung der Publishing-Lösung ein skalierbares Produkt am Start zu haben und durch mehr kleinere Kunden die Erträge diversifizieren. Im Sommer 2012 wird dieser Umbau abgeschlossen sein – und damit eine neue Phase für das Unternehmen anbrechen.

Dieser Artikel erscheint in Zusammenarbeit mit startwerk.ch, der Plattform für Schweizer Startups.

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