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International Business
Globale Grenzen überschreiten

Noemi Kessler (Jahrgang 1991): Die Restaurationsfachfrau aus Zürich gewann Gold in der Disziplin «Restaurant Service».

Die neue Abteilung der School of Management and Law der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften vereint Kompetenzen.

Von Norman C. Bandi
am 28.08.2013

Die Maxime der School of Management and Law (SML) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) lautet: «Building Competence. Crossing Borders.» Dieser Leitsatz begleite sämtliche didaktische Aktivitäten der Winterthurer Bildungs­stätte. «Wir bauen Kompetenzen auf und überschreiten Grenzen», sagt Leiter André Haelg. Wobei es auch um geografische Barrieren gehe. «Deshalb unterhalten wir Kooperationen mit Universitäten auf der ganzen Welt und fördern den internationalen Austausch von Studierenden und Dozierenden.»

Um alle global ausgerichteten Aktivi­täten in einer Schaltzentrale zu bündeln, wurde Anfang Jahr das Department ­International Business (DIB) als fünfte Abteilung geschaffen. Das definierte Ziel: Mit der neu gebildeten Schnittstelle möchte die SML ihren praxisorientierten vierfachen Leistungsauftrag weltweit anbieten. Er umfasst die Pfeiler Aus- und Weiter­bildung, angewandte Forschung und ­Entwicklung sowie Dienstleistungen und Beratung. Für ihre globale Ausrichtung unterhält die SML bereits Kooperationen mit mehr als 120 Partnerhochschulen in Europa, Nord- und Südamerika sowie Fernost und Ozeanien.

«Quereinsteiger» als Abteilungsleiter

Vorderhand mache die Lehre etwa zwei Drittel des grenzüberschreitenden Angebots aus, so Markus Braun (55), der das DIB als neues Geschäftsleitungsmitglied der SML seit 1. März 2013 führt. Er kennt das internationale Arbeitsfeld aus langjähriger Erfahrung in ­leitenden Positionen für Schweizer Konzerne im In- und Ausland; zuletzt beim auf den asiatischen Markt ­fokussierten Handelsgiganten Diethelm Keller Holding (2004 bis 2012), davor beim Reisedetailhändler Nuance Group in Glattbrugg (1997 bis 2003) oder beim Pharmaunternehmen Ciba-Geigy (heute Novartis) in Singapur und New York (1990 bis 1996).

Die Schulbank letztmals gedrückt hat Braun für seine Studienabschlüsse an der Universität St. Gallen (lic. oec. HSG) und an der Universität Basel (Dr. rer. pol.). «Im Hochschulbereich bin ich eigentlich ein Quereinsteiger. Doch ich profitiere von viel Fachwissen um mich herum.» Insgesamt besteht das Department International Business um den Abteilungsleiter aus 30 Personen, darunter bewanderte Stabsstellenleiter wie Mireille Troesch-Jacot, Development & Services, Markus Prandini, Regional Competence Center Asia Pacific, Max Schweizer, Competence Team Foreign Affairs & Applied Diplomacy, Herbert Winistörfer, Competence Team Corporate Responsibility, Cary Steinmann, International Marketing, oder Isabelle ­Zulauf-Poli, International Relations.

In die neue berufliche Herausforderung­ will Braun sein persönliches weltumspannendes Netzwerk einbringen, genauso seine Kompetenzen in Führungs- und ­Finanzfragen als ehemaliger Head of Corporate Office der Diethelm Keller Holding oder als Chief Financial Officer der Nuance Group global beziehungsweise von ­Ciba-Geigy lokal. «Sowohl in der Bildung als auch in der Beratung geht es darum, im Department International Business die intellektuelle Neugierde zu wecken und die analytischen Fähigkeiten zu fördern – beides bringe ich mit», ergänzt Braun.

Master-Studiengang ein Bedürfnis

In der Lehre setzt die junge Abteilung auf den bewährten Bachelor-Studiengang International Management. Im Rahmen dieser englischsprachigen Ausbildung werden die Studierenden auf eine Tätigkeit in einer multinationalen Unternehmung oder Organisation vorbereitet, damit sie sich souverän und sicher in der globalen Geschäftswelt bewegen können. «Die Absolventinnen und Absolventen sollen bei ihrem Berufseinstieg ab dem ersten Tag grenzüberschreitend arbeiten können», sagt Braun. Denn schon davor werden Auslanderfahrungen gesammelt, indem die Studierenden das zweite Jahr an einer der Partnerhochschulen in Europa oder Übersee absolvieren. Aus seinem Umfeld hört Braun immer wieder vom Bedürfnis nach höheren Ausbildungen im International-Management-Bereich, zum Beispiel einem Master – ein Bedürfnis, das die SML schon länger erkannt habe.

In der berufsbegleitenden Weiterbildung liegt der Fokus des DIB laut Braun auf drei Standbeinen:

  • Certificate of Advanced Studies, übersetzt Zertifikatslehrgänge, kurz CAS. Zu den jungen Angeboten CAS Foreign ­Affairs & Applied Diplomacy und CAS Corporate Responsibility & Social Mana­gement kommen neu der CAS International Business – New Markets und der CAS Luxury Marketing Management dazu. Diese Programme dauern jeweils drei bis fünf Monate, sind in der Regel englischsprachig und kosten zwischen 6700 und 8200 Franken.
  • Executive Education, die jeweils vier ­Semester dauert; einerseits der neu geschaffene International Executive Master of Business Administration (EMBA) für 45 200 Franken auf Englisch, anderseits der bestehende Master of Advanced Studies (MAS) in Business Administration für 22 900 Franken auf Deutsch.
  • Customized Programs, sprich massgeschneiderte Workshops für Arbeitgeber und ihre Angestellten; zum Beispiel ein Angebot zum interkulturellen Brückenschlag, 2500 Franken für einen Tag, 4000 Franken für zwei Tage.

«Selbst wenn die Weiterbildung erst 20 Prozent unseres Spektrums ausmacht, sind wir hier absolut bei den Leuten», sagt Abteilungsleiter Braun. «Trotzdem ent­wickeln wir das Produkt weiter, um mehr ausländische Kunden anzusprechen, damit sie bei uns studieren.»

Schweizer KMU ins Ausland begleiten

Rund 30 Prozent des Leistungsauftrags entfallen, so Braun weiter, auf die Pfeiler Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen und Beratung. Dabei sollen Schweizer Firmen beim Schritt ins Ausland begleitet werden. Zu den anvisierten Erhebungsgebieten gehören die Interna­tionalisierung von KMU, Marktstudien für spezifische Länder oder Untersuchungen zur Veränderungsresistenz, Markteintrittsstrategien für spezifische Regionen, kulturelle Vielfalt und soziale Verantwortung. Geplant ist gemäss Braun zudem eine Art Internationalisierungsindex für Schweizer Firmen. Und die feilgebotenen Consulting Services umfassen Internationalisierungsstrategien, Steuerung des Internationalisierungsprozesses, die proaktive Lösung interkultureller Konflikte oder das Führen im internationalen Umfeld.

Brauns Abteilung ist in Kompetenzzentren und Fachstellen gegliedert. Dies sind zum einen die drei Regional Competence Centers für Europa, Naher Osten und In­dien, Nord- und Südamerika sowie Asien-Pazifik. Zum anderen die beiden Competence Teams für Foreign Affairs & Applied Diplomacy (auswärtige Angelegenheiten und angewandte Diplomatie) oder Cor­porate Responsibility (soziale Verantwortung). Die Beziehungen zu den ausländischen Universitäten oder für den globalen Studentenaustausch werden in den Bereichen International Relations beziehungsweise International Office gepflegt.

Um in Winterthur Debatten anzuregen, organisiert das Department International Business regelmässig Veranstaltungen namens DIB Circle. Hier werden aktuelle Fragen aufgegriffen und mit kompetenten Persönlichkeiten öffentlich diskutiert, die nächsten Male beispielsweise «Freihandelsabkommen Schweiz–China: Bedeutung für den Denk- und Werkplatz Schweiz» am 5. September 2013, «Asyl­politik – wie weiter?» am 31. Oktober 2013, «150 Jahre diplomatische Beziehungen Schweiz–Japan» am 21. Januar 2014 oder «Schweizer Wirtschaftslobbying in Brüssel» am 14. März 2014.

ZHAW SML: Eine der führenden Wirtschaftshochschulen der Schweiz

Eingliederung
1968 als eines der ersten höheren Lehrinstitute der Schweiz für Wirtschaft und Verwaltung gegründet, ist die School of Management and Law (SML) heute eines von acht Departementen der 2007 lancierten Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) mit Sitz in Winterthur. Sie ihrerseits ist Teil der Zürcher Fachhochschule (ZFH), unter deren Dach ebenfalls die Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) sowie die Pädagogische Hochschule Zürich (PHZ) figurieren. Mit fast 19 000 Studierenden gehört die ZFH zu den grössten der sieben öffentlich-rechtlichen sowie zwei privaten Fachhochschulen im Land.

Ausrichtung
Mit international anerkannten Bachelor- und Master-Studiengängen, mit bedarfsorientierten, etablierten Weiterbildungsangeboten sowie mit praxisorientierten, interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsprojekten ist die SML eine der führenden Wirtschaftshochschulen der Schweiz. Derzeit sind über 3000 Bachelor- sowie 200 Master-Studierende in vier Fachund drei Vertiefungsrichtungen immatrikuliert (BSc, MSc). Zudem besuchen rund 1500 Teilnehmer jährlich eines der berufsbegleitenden Weiterbildungsprogramme. Die Alumni-Organisation zählt mehr als 12 000 Absolventen. Fast 500 Personen sind für die SML tätig, darunter 200 Dozierende und Professoren.

Weiterbildung
Folgende Programme werden aktuell an der SML angeboten: 1 International Executive Master of Business Administration (EMBA), 11 Master of Advanced Studies (MAS), 7 Diploma of Advanced Studies (DA S), rund 60 Certificate of Advanced Studies (CAS). Die Zertifikatslehrgänge gibt es in folgenden Fachbereichen: International Business, Banking & Finance; Didaktik und Methodik; Gesundheitswesen; Human Capital Management; Informatikund Operations-Management; Kultur und Sport; Management und Leadership; Marketing; Verwaltungs-Management; Wirtschaftsrecht. Dazu kommen diverse kleinere Weiterbildungskurse sowie sogenannte Summer Schools.

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