1. Home
  2. Management
  3. Hochschultypen sollen durchlässiger werden

Hochschulen
Hochschultypen sollen durchlässiger werden

Die eigenständigen Rektorenkonferenzen der universitären Hochschulen, Fachhochschulen und pädagogischen Hochschulen sind Geschichte. Neu agieren sie unter einem gemeinsamen Dach. Dazu gibt es Fragen.

Von André Langenegger
am 28.01.2015

Seit Anfang Jahr ist das Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG) in Kraft. Die grossen Veränderungen finden für einmal nicht auf Stufe der Studierenden statt, sondern in erster Linie sind die Leiter der Hochschulen betroffen. Aus drei wird eins: Bisher bestand für jeden Hochschultyp eine eigene Rektorenkonferenz. Die Universitäten hatten ihre CRUS, die Fachhochschulen ihre KFH und die pädagogischen Hochschulen ihre COHEP.

Neu müssen gemäss HFKG die drei Hochschultypen vereint auftreten. Dazu wurde der Verein Swissuniversities gegründet, ein gemeinsames Organ aller Schweizer Hochschulen. Martine Rahier, Rektorin der Universität Neuenburg, wurde Mitte Janauar in ihrer Funktion als Präsidentin von Swissuniversities für das laufende Jahr bestätigt.

«Hochschulen sprechen jetzt mit einer Stimme»

Die bisherigen Rektorenkonferenzen wurden in drei Kammern überführt. Als Vizepräsidenten von Swissuniversities amtieren von Amtes wegen jeweils die Präsidenten dieser Gremien: Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel, für die universitären Hochschulen, Hans-Rudolf Schärer, Rektor der PH Luzern, für die pädagogischen Hochschulen, und Crispino Bergamaschi, Direktionspräsident der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), für die Fachhochschulen.

Rahier sieht einen grossen Vorteil in dieser neuen Konstellation. «Die Schweizer Hochschulen sprechen jetzt mit einer Stimme und können so mit grösserem Gewicht gegenüber Politik und Öffentlichkeit auftreten.» Die regelmässige Zusammenarbeit zwischen den drei Rektorenkonferenzen sei schon seit Jahren etabliert, «daran kann mit der erfolgten institutionellen Zusammenführung angeknüpft werden».

Noch vieles unbekannt

Derzeit befindet sich die Organisation in der Findungs- und Anpassungsphase. Viele Punkte sind offen. Der Personalbestand von Swissuniversities konnte aus den bisherigen Rektorenkonferenzen gewonnen werden. Dass die Strukturen noch nicht optimal sind, lässt die Aussage von Rahier vermuten: «Bei natürlichen Wechseln wird geprüft, ob und welche Ressourcen künftig in welchen Bereichen nötig sind.» Die Gremien von Swissuniversities werden aktuell konstituiert. Das Arbeitsprogramm wird in den nächsten Wochen definiert.

Ebenfalls auf Bundesebene scheint noch vieles unklar. Laut HFKG ist die Schweizerische Hochschulkonferenz (SHK) das oberste hochschulpolitische Organ, an das sich auch die Anträge und Anliegen von Swissuniversities richten. Die konstituierende Sitzung unter der Leitung von Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann findet aber erst am 26. Februar 2015 statt. «In diesem Sinn ist es noch zu früh, Fragen zu beantworten», teilt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mit.  Auch für Toni Schmid, Geschäftsführer des nationalen Dachverbands der Fachhochschulabsolventen (FH Schweiz), gibt es bis jetzt leider nur wenige Informationen. «Die ganze Situation ist noch sehr neu.» Das Inkrafttreten des HFKG bedeute aber gerade für die Fachhochschulen einen Schritt hin zu grösserer Autonomie, «die sich in den kommenden Jahren in der strategischen Planung und in Projekten konkretisieren wird», ergänzt Swissuniversities-Präsidentin Rahier.

Unterschiedliche Auffassungen unter einen Hut bringen

Bereits die Agenda dürfte für Diskussionen sorgen. So sieht Rahier bezüglich Anrechenbarkeit von Bachelor- und Master-Abschlüssen sowie entsprechender Durchlässigkeit für die Studierenden keine weiteren Massnahmen notwendig: «Bereits 2007 haben die damaligen drei Rektorenkonferenzen der pädagogischen Hochschulen, universitären Hochschulen und Fachhochschulen eine Vereinbarung zur Durchlässigkeit zwischen den Hochschultypen unterzeichnet, die den Übertritt vom einen zum anderen regelt.» Schmid bezeichnet die Durchlässigkeit jedoch als «Lippenbekenntnisse». Als Musterfall könne die Universität St. Gallen bezeichnet werden, die klare Regeln kenne. «Leider gibt es andere Universitäten, die keine klaren Richtlinien kommunizieren oder diese innert Jahresfrist mehrmals ändern.» Solche Barrieren würden von den Universitäten bewusst eingesetzt, um die Studentenzahlen einzuschränken.

Unbefriedigend ist ebenfalls die Situation in der Doktoratsausbildung, die aktuell nur die universitären Hochschulen anbieten dürfen. «Ein besonderes Augenmerk wird auf die gemeinsam mit den Universitäten und Fachhochschulen zu realisierenden Doktoratsprogramme zu legen sein», sagt Schärer, Präsident der Kammer der pädagogischen Hochschulen. Die Fachhochschulen würden gemäss Schmid gerne ein eigenes Modell entwerfen, das die Praxis in die Doktoratsstufe verbindlich hineinbringt. Einig sind sich die Verantwortlichen dafür, dass in jedem Hochschultypus der eigene Nachwuchs vermehrt gezielt gefördert werden muss.

Kontroverse Weiterbildung

Eine andere Baustelle ist die Weiterbildung. Rahier vertritt die Meinung, dass dies auf Hochschulebene bereits sehr gut geregelt und formalisiert ist. So bestehen für die Abschlüsse Master of Advanced Studies (MAS) oder die kürzeren Diplom- (DAS) und Zertifikatslehrgänge ( CAS) definierte Zulassungsbedingungen. Für die Dachverbände bleibt die Weiterbildung jedoch ein ungelöstes Problem. Mit dem MAS oder dem Executive MBA – einem spezialisierten MAS-Lehrgang – wurden beispielsweise eidgenössisch geschützte und anerkannte Abschlüsse eingeführt.

Durch die neue Gesetzgebung des HFKG und der damit verbundenen Ablösung der bisherigen Gesetze fehlen jedoch klar definierte Rahmenbedingungen für die Weiterbildungslandschaft. «Der ganze Markt ist sehr undurchsichtig. Leider besteht derzeit wenig Interesse, diesbezüglich etwas zu ändern», sagt André Schläfli, Direktor des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung (SVEB) zum Thema. Auch für Schmid von FH Schweiz fehlen derzeit klare Akkreditierungs- und Qualitätsrichtlinien. Schläfli ergänzt: «Die MAS- DAS- oder CAS-Weiterbildungen unterstehen keiner externen Qualitätskontrolle.» Vom Bund wurde diese Aufgabe an die SHK und somit indirekt an Swissuniversities delegiert. Da Weiterbildungen jeweils mit finanziellen und zeitlichen Ressourcen verbunden sind und die Arbeitgeber verlässliche Standards suchen, ist in diesem Punkt Handlungsbedarf angezeigt.

Verwirrende Master-Bezeichnungen

Ebenfalls ungeregelt sind die Aufnahmebedingungen für die Weiterbildungslehrgänge. Grundsätzlich wird ein Hochschulabschluss verlangt. Es fehlt jedoch ein formeller Zulassungsprozess. Je nach Fachgebiet gelten aktuell sehr unterschiedliche Kriterien, damit ein Teilnehmer «sur dossier» aufgenommen wird. «Oftmals kann der Dozent entscheiden, wen er für die Weiterbildung zulassen möchte. Dies wird von den Universitäten aber gerne bestritten», weiss Schläfli.

Für zusätzliche Verwirrung sorgen die Master-Bezeichnungen, die von den Hochschulen sowohl für die Weiterbildung in Form des MAS, aber auch für die Ausbildung vergeben werden, zum Beispiel als Master of Arts (MA) oder Master of Science (MSc). Einen konsekutiven Master gibt es ab 90 Kreditpunkten, den sogenannten ECTS (European Credit Transfer System). Ein Kreditpunkt entspricht dabei einem Arbeitsaufwand von 30 Stunden. Vorausgesetzt wird dafür zwingend ein Bachelor, der nochmals 180 Kreditpunkte umfasst. Weiterbildungsabschlüsse in Form eines MAS werden aber bereits ab 60 Kreditpunkte vergeben. «Teilnehmer eines MAS haben immer wieder das Gefühl, einen Master zu machen. Dann besteht jeweils Aufklärungsbedarf, dass es sich hierbei um keinen ‹richtigen› Master handelt», sagt Schläfli.

Die Richtung stimmt

Die Einführung von Swissuniversities wird mittelfristig die Durchlässigkeit zwischen den Hochschultypen erhöhen und im Interesse der Studierenden die Transparenz verbessern. Bis es soweit ist, werden unter den Hochschulvertretern noch einige Verhandlungen notwendig sein. Mit Swissuniversities können solche Diskussionen nun unter gleichem Dach und auf gleicher Augenhöhe stattfinden.

Es wurde eine Grundlage geschaffen, um sich auch künftig im internationalen Bildungswettbewerb an der Spitze zu behaupten. Bildung legt die Basis für Innovationsführerschaft, was für die Hochpreisinsel Schweiz zentral bleiben wird. Das HFKG bietet die Möglichkeit, die Hochschulbildung noch stärker unter einem gemeinsamen Blickwinkel aller Hochschultypen zu betrachten.

Mehr zum Thema lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

 

Anzeige