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Sprachkurse
Mandarin zum «Zmorge»

Zwei Frauen lernen eine Sprache. Bild: Keystone

Ohne kompetente Fremdsprachengewandtheit ist in der globalisierten Wirtschaft kein Blumentopf zu gewinnen. Im Trend ist Training à la carte.

Von Robert Wildi
am 27.08.2014

Was darf es sein: Bulgarisch, Rumänisch, Katalanisch oder Tschechisch? Selbstverständlich sind auch Klassiker wie Englisch, Französisch, Spanisch oder Trends wie Russisch, Mandarin (Chinesisch) und Hindi (Indoarisch) im Angebot. Beim jungen Zürcher Sprach­trainingsanbieter Linguacoach kann der Interessierte aus über 30 Sprachen auswählen. Und er muss meist nicht lange auf seinen Lehrer warten.

«Eines unserer wichtigsten Verkaufs­argumente ist, dass wir ebenfalls für eher seltener nachgefragte Sprachen wie Serbisch oder Schwedisch innert weniger Stunden einen fachkundigen Coach organisieren können», sagt Geschäftsführer Marcel Rüfenacht. In der Regel könne das Training spätestens 48 Stunden nach dem ersten Kontakt beginnen. Manchmal klappe es sogar am gleichen Tag.

Viele überschätzen ihre Fähigkeiten

Das Wichtigste für Rüfenacht und seine über 30 angestellten Sprach- und Kultur-Coaches ist: «Wir gehen individuell auf die Bedürfnisse der Kunden ein und schneidern ihnen einen Sprachkurs nach Mass.» Block- und Semesterkurse sind also nicht das Kerngeschäft von Linguacoach. Stattdessen können Kunden ein Frühstückstraining für chinesische Sprach- und Kulturkompetenz bei sich zu Hause buchen. «Wenn die Kapazitäten vorhanden sind, steht unser Coach bereits wenige Stunden nach Kontaktnahme beim Kunden auf der Matte», so Rüfenacht. Nach Lust und ­Laune kann der Unterricht an dessen ­Arbeitsplatz oder ins Sprachlabor von Linguacoach beim Zürcher Hauptbahnhof ­verlegt werden. Vom Einzel- bis Gruppenunterricht in unterschiedlichster Zusammensetzung ist alles möglich. «Wir sind in der Regel sehr flexibel und treffen unsere Kunden und Sprachschüler auch an anderen von ihnen gewünschten Orten.»

Das Unternehmen ist noch kein Jahr auf dem Markt und hat sich im Segment der 25- bis 55-jährigen Berufsleute eine stattliche Kundschaft aufgebaut. Darunter sind Führungskräfte aus grösseren Unternehmen im Finanz-, Versicherungs- oder Telekommunikationsmarkt, die Unterstützung für einen wichtigen Karriere­schritt im Ausland benötigen. Da weder Zeit noch Mittel für einen standardisierten Sprachkurs vorhanden sind, wird das A-la-Carte-Training von Anbietern wie Linguacoach rege genutzt.

Im Erstgespräch wird laut Rüfenacht eine Bedarfsanalyse vorgenommen und ein entsprechendes Trainingsprogramm zusammengestellt. Bei den meisten Kunden müsse dieser Prozess schnell und effizient vorangehen. «Viele überschätzen ­zunächst ihre eigenen Fähigkeiten und sind danach gleichwohl positiv überrascht, wie rasch mit einem massgeschneiderten und modular aufgebauten Sprachtraining Fortschritte zu erzielen sind», sagt der Experte. Seine Devise: Nicht möglichst viele Lektionen verkaufen,­ sondern rasch und effizient die vorgegebenen Ziele erreichen.

In der Gunst der geschäftlich motivierten Klientel dominieren heute nach wie vor Englisch- und Französischkurse. Auch Deutschkurse sind gefragt. Stark im Aufwind sind seit Jahren Chinesisch, Russisch und Arabisch. Sprachkurse für berufliche Kontakte in diesen und anderen aufstrebenden Wirtschaftsmärkten werden oft mit einem interkulturellen Training kombiniert. Linguacoach offeriert dafür so­genannte Cross Culture Workshops wie «Doing Business in China», die öffentlich oder als firmeninterne Veranstaltungen gebucht werden können. Selbst diese Programme richtet der Anbieter im Bedarfsfall gänzlich nach der Kundenagenda aus. «Kurzfristige Änderungs- und Anpassungswünsche sind jederzeit möglich und werden nach Möglichkeit berücksichtigt», erklärt Rüfenacht.

Schweizer Kultur will verstanden sein

Neben der Schweizer Kundschaft mit internationalen Ambitionen betreut Linguacoach als Starthelferin zudem ausländische Arbeitnehmer, die ihr berufliches Glück hierzulande finden möchten. «Working effectively with Swiss» heisst ein entsprechendes Trainingsprogramm, das bezeichnenderweise stark von Zuzügern aus Deutschland gebucht wird. Dass man auf keinen Fall «Zürichersee» oder «die Tram» sagen darf, lernte mittels persönlichem Coaching durch Rüfenacht etwa die 31-jährige Hamburgerin Katharina H., die kürzlich ihre Stelle bei einer Schweizer Kommunikationsagentur angetreten hat.

Themen wie «Natürliche statt an­ge­strengte­ Anpassung» oder die nachhaltige Sensi­bilisierung auf typische Schweizer Ver­haltens- und Ausdrucksweisen hätten ihr ­dabei geholfen, sich schnell zurechtzufinden. Dass sie dafür gleich Schweizerdeutsch lerne, sei nicht nötig.

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