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Ökologie: Grüne Jobs gefragt

Februar 2010: Bundesrätin Leuthard ernennt die Mitglieder der Expertenkommission für das neue Weiterbildungsgesetz.

Bis 2015 entstehen laut einer WWF-Studie 30 000 bis 40 000 nachhaltige Arbeitsplätze. Eine Chance für Berufs- oder Quereinsteiger.

Von Helga Wienröder
am 29.08.2012

Sowohl Industrie als auch Wirtschaft haben Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit längst als Wachstumsmotoren entdeckt. Biologische Produkte sowie grüne Technologien verzeichnen hohe Zuwachsraten und eröffnen damit neue Marktchancen. Nachhaltigkeit zu berücksichtigen ist in nahezu allen Sparten oder Branchen zu einem wichtigen ­Erfolgsfaktor avanciert.

Das hat zu einem steigenden Bedarf an Fachkräften geführt, die in immer differenzierteren Feldern zum Einsatz kommen. Mit einem Umsatzvolumen von rund 21 Milliarden Franken und 95 000 Beschäftigten (Stand Dezember 2010) ­entwickelte sich die Umweltbranche zu ­einem bedeutenden Wachstumsmarkt. Bis 2015 werden laut der WWF-Studie ­zusätzlich weitere 30 000 bis 40 000 grüne Arbeitsplätze entstehen.

Experten dringend gesucht

Eine aktuellere Nachhaltigkeitsstudie publizierte «Spiegel Online» im Dezember 2011 unter dem Titel «Green Capital of ­Tomorrow – The Next Generation’s Perspective». Dazu wurden in Zürich, Wien, Trondheim (Norwegen), Hamburg, Barcelona, Paris, Warschau und Brüssel etliche Studenten befragt, welches für sie die grössten Herausforderungen der Zukunft sind. Ganz oben landeten Umwelt- und ­Klimaschutz sowie Nachhaltigkeit, so das Urteil von drei Vierteln der Befragten. Diese Themen waren ihnen noch wichtiger als die Arbeits­losigkeit, die Verbesserung des ­Bildungssystems – und viel wichtiger als die Bewältigung der aktuellen Krise.

Hochschulabsolventen können in vielen Branchen grüne Jobs finden. Nicht nur die Energieindustrie und die Bauwirtschaft, sondern auch Handel, Banken und Beratungsunternehmen bieten Einstiegsmöglichkeiten. Die besten Berufschancen haben Studierende, die ihr Interesse für die ­Umwelt mit einer traditionellen Disziplin wie Betriebswirtschaft verbinden.

Junge Felder mit Potenzial

Das Center for Corporate Responsa­bility and Sustainability (CCRS) der Universität Zürich hat diesen Februar zum Thema eine Sammlung von Studiener­hebungen, Fachartikeln, Arbeitspapieren und Marktanalysen veröffentlicht, die Beispiele von bereits umgesetzten nachhaltigen Themen geben. Daraus können junge Leute je nach Fachrichtung Einblick in mögliche Arbeitsfelder bekommen:

  • Nachhaltigkeit und finanzielle Performance. Eine aktuelle Studie des CCRS in Zusammenarbeit mit der Zürcher Kantonalbank zeigt, dass ein Aktienportfolio, das durch eine Selektion nachhaltiger ­Unternehmen generiert wurde, das gleiche Renditepotenzial aufweist wie der ­Gesamtmarkt, aus dem es stammt. Dies steht im Gegensatz zu einer noch immer verbreiteten Meinung, dass grüne Anlagen zu wenig Performance abgeben. Studenten mit einem Faible für Finanzmärkte können sich nachhaltig verwirklichen.
  • Nachhaltigkeit bei Immobilien. Das ­Investitionspotenzial in nachhaltiges ­Bauen beträgt rund 2 Milliarden Franken. Architekten und Städteplaner sind gefragt.
  • Nachhaltigkeit bei Minergie-Gebäuden. Hier sind neben Architekten auch Umweltmanager und IT-Spezialisten gefragt.

Für den ehemaligen britischen Pre­mierminister Tony Blair stand bereits in einer vor sechs Jahren gehaltenen Rede zum Klimawandel fest: «The task is urgent. ­Delaying action, even by a decade or two, will take us into dangerous territory.»

 

Überblick Nachhaltige Kurse an Schweizer Hochschulen

Geschichte
Bereits 1987 wurde der Studiengang Umweltnaturwissenschaften eingeführt, drei Jahre vor Deutschland und Österreich. Mitverantwortlich waren die Katastrophen von Tschernobyl im April 1986 und Schweizerhalle im Oktober 1986. Seither hat sich das Angebot an Universitäten und Fachhochschulen hierzulande enorm entwickelt. Nachstehend eine Auswahl der Angebote.

ETH Zürich
Sie bildet auf Bachelor- und Master-Stufe Erdwissenschaftler aus, die nach dem Studium die komplexen Prozesse der Natur erforschen.

Fachhochschule Nordwestschweiz
Bachelor in Energie- und Umwelttechnik und Master of Advanced Studies (MAS) in Umwelttechnik und -management.

Hochschule für Technik Rapperswil
Die HSR der Fachhochschule Ostschweiz bietet einen Bachelor-Kurs in Erneuerbaren Energien und Umwelttechnik an.

Hochschule Luzern
Der Bachelor in «Business Engineering Sustainable Energy Systems» der HSLU ist in der Schweiz ein wohl einzigartiges interdisziplinäres Weiterbildungsangebot.

Universität Basel
Das Angebot «Sustainable Development» gilt streng genommen als einziges Schweizer Studium der Nachhaltigkeitswissenschaften.

Universität Bern
Studiengänge in Allgemeiner Ökologie und Klimawissenschaft.

Universität Genf
Master of Science (MSc) in «Environmental Science».

Universität Lugano
Sie bietet als einzige Tessiner Hochschule an ihrer Wirtschaftsfakultät ein Modul zum Thema nachhaltige Entwicklung an.

Universität Zürich
Center for Corporate Responsibility and Sustainability, vor allem für Nachhaltigkeitsfragen in Firmen.

ZHAW Winterthur
Am Standort in Wädenswil ZH wird ein Lehrgang  «Bachelor of Science ZFH in Umweltingenieurwesen» angeboten.

Weiterbildung
Für junge Hochschulabsolventen und andere bereits im Beruf stehende Interessenten bieten einige Anbieter ökologische Weiterbildungsprogramme an, beispielsweise den WWF-Lehrgang in Umweltberatung.

 

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